Valdivia – deutsch oder chilenisch?

Nach langem warten war es dann endlich soweit: am Wochenende sollte das Wetter einmal schön werden, was sich für einen perfekten Ausflug in die Stadt, in die ich schon länger wollte, eignete: Valdivia.

Valdivia ist in einer komischen Position, fast am Meer und dann doch nicht und irgendwie chilenisch und dann wieder etwas deutsch. Hier siedelten nämlich ein großer Teil der deutschen Einwanderer in Chile. So gibt es hier zum Beispiel die in Chile sehr bekannte Brauerein Kunstmann (Motto: „Das gute Bier“), die sogar nach deutschem Reinheitsgebot braut. Die Fahrt gestaltete sich gemütlich, von Temuco aus waren wir nur 2.5 Stunden mit dem Bus unterwegs. Dabei konnte man Schwäne auf den Flüssen und Lotusblätter ebenda sehen.

Endlich angekommen stellte sich natürlich die Frage, was denn nun zu tun wäre. Diese wurde uns flott von einem eifrigen Verkäufer abgenommen, der lauthals Schiffs-, bzw. Bootsreisen über den örtlichen Fluss in Richtung Meer anbot – Zitat: „Sei still und lass mich reden, sonst merken die das du Ausländer bist und wir zahlen mehr!“

 

Aber wir hatten noch etwas Zeit, also gingen wir auf den örtlichen Markt, wo es hübsche Dinge aus Holz zu kaufen gab (Bürsten für die Mädchen und …Armbrüste für die Jungen?).

An der Flusspromenade gibt es übrigens nicht nur einen bunten (und lauten!) Fisch- und Handwerksmarkt, sondern auch ein Foucault-Pendel (ein Pendel, anhand dessen man die Erdrotation anschaulich machen kann – hier schwingt es ca. auf der 330-150 Grad-Achse – merken für später!).

 

Es blieb noch etwas Zeit vor der Abfahrt unseres Schiffchens, also konnten wir noch etwas die Promenade entlangschlendern:

Hier gab es nicht nur Boote, sondern auch ein U-Boot zu bestaunen, das noch aus dem Salpeterkrieg (span: „guerro pacifico“) übrig ist. Die Statue stammt aus demselben Krieg und stellt Arturo Pratt dar, der allein ca. 50% aller Büsten in Chile ausmacht. (ernsthaft).

 

Falls man es vergessen hat, kann man noch in der Kirche nachschauen, dass Chile ein tektonisch sehr aktives Land ist: hier findet man die Daten aller 13 Kirchen, die an der gleichen Stelle vorher standen – inklusive ein uneingetragenes „bis-“ Datum der jetzigen – sehr vertrauenserweckend… Das letzte große Erdbeben war übrigens das große Beben von 1960, das damals große Teile der Region zerstörte.

 

Zurück am Ufer war gerade eine experimentelle Tanzgruppe einer ansässigen Truppe am vorführen – auch interessant. Dann endlich an Bord, kam ich zum Schluss, dass es offenbar bei Senioren sehr beliebt ist denselben Trip zu machen. Außerdem konnte man die ansässigen Seelöwen direkt vor dem Fischmarkt sehen. (Ach ja, es gib Seelöwen in Valdivia – wie cool ist das bitte? Sie haben übrigens eine Absperrung gemacht, weil die Tiere offenbar gerne mal auf die Straße gewatschelt sind und auch aggresiv werden können…)

 

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