Licán Rayy

Von der Gastfreundschaft der Chilenen hab ich ja schon einmal berichtet. Es dauert offenbar oft nicht lang, bis man von einem Bekannten zum Grillen („asado“) eingeladen wird. (Ist hier so ewas wie ein kleiner Nationalsport).

Auch bei mir war es nun soweit – ein Kollege von der Uni hat mich zu einem Bekannten von ihm eingeladen, in dem Örtchen Licán Ray, nahe einiger sehr touristischen Orte (weil sie halt an Seen liegen). Drei Tage sollte es dauern und eine Tour durch die eher ländlicheren Gebiete in der Region werden.

Wir brachen einen Tag früher als geplant auf, da der Wetterbericht allgemein für die nächste Woche schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.

Nach einer sehr lehrreichen Tour „Das sind Koniferen“ / „Hier gibt es einen großen Rindermarkt“ / „Ich mag das Land“ über die Autobahn kamen wir im Örtchen an.

Dort trafen wir den Freund meines Kollegen und ich merkte sofort, dass das mit der Kommunikation schwierig werden würde – ich verstand ca. 1% des Gesagten – am Land reden die Leute offenbar auch hier anders. Nichtsdestotrotz ging der erste Trip zum nahegelegenen See, der zwar etwas kalt, aber trotzdem wunderschön war.

Danach kauften wir Fleisch für die Grillerei am Abend ein und schauten auch in der Bäckerei vorbei – abgeblidet: viel Süßkram (ich hab die Roulade mit Manjar probiert – lecker)

Nach einigen Vvorbereitungen und Musiktests (mein Kollege und sein Bekannter spielen beide in einer Band (nicht der Gleichen)), die im nahegelegenen Schuppen stattfanden konnte es auch losgehen: klassisch wird beim chilenischen asado das ganze Stück Fleisch nur mit etwas Salz gewürzt über dem Feuer für 2-3 Stunden gebraten, damit es im eigenen Saft kocht. Damit es nicht zu langeweilig wurde gab es noch ein paar Langwürste dazu: „Die sind gut, die Langwürste!“, wie mein Kollege, Alejandro zu sagen pflegte.

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ein asado

Zu dem Ganzen gab es Bier (mit Zitrone und Salz verfeinert – überraschend gut) und Brötchen für das Fleisch, zusammen mit ein bisschen Chilisauce (von dem Freund einer Bekannten im Ort erzeugt und sehr scharf) . Dieselbe Bekannte und noch zwei weitere Kollegen tauchten dann im Laufe des Abends auch mit Nachschub auf. Ich zeigte, dass man auch Ananas in Scheiben grillen kann und dafür wurde mir der nationale Volkstanz „Cueca“ beigebracht und die dazugehörige Musikrichtung gleich mitgezeigt. Verstanden habe ich allerdings immer noch nichts. Ich machte mich bis auf einige Kleinigkeiten („Mehr Energie! Als Mann muss das ganze mit noch mehr Kraft passieren!“) meiner Meinung nach ganz gut. Zum schluss Spielte ich den Leuten einige Österreichische Volksmusik vor und ließ mir ein Bisschen über chilenische Musik erzählen.

Am nächsten Tag stand die Wahl zwischen einer weiteren Grillerei in der Nähe des örtlichen Vulkans oder auf einem Hügel mit schönem Blick über den See. Als Vulkanaficionado wählte ich natürlich den Vulkan – obwohl ich später daraufkam dass das ganze eigentlich eher „in der Nähe des Anfangs des Vulkanes“ hieß. Trotzdem schön.

Die obigen Fotos entstanden bei einer Pause um die Kühlflüssigkeit auskühlen zu lassen, denn der Weg in den Nationalpark ging über Stock und Stein über unausgebaute Straßen. Dafür war oft lange auch kein Mensch zu sehen, und die einzige Gesellschaft einige Kühe. Als es nicht mehr weiterging (zu viele Steine am Weg) beschlossen wir, das der Ort an dem wir uns befanden ein perfekter Grillplatz war und machten uns ans Werk, aus dem Vulkangestein eine Feuerstelle zu basteln. Ich spazierte während dem Warten aufs Fleisch ein wenig herum und fand eine schöne Lichtung direkt daneben, von der aus man den Vulkan super sah.

Zu essen gab es Schweinekotletts, die auf Spanisch sehr ähnlich heißen (chuleta) und Paprika in denen -offenbar typisch chilenisch?- Eier gegart wurden. Leider dauerte das ganze etwas lange, der Teller/Holzklotz den wir dabeihatten musste also auch noch als Deckel für die Paprika herhalten. Von dem unteren Teil des erstarrten Lavastromes auf dem wir uns befanden schauten uns dabei einige Kühe skeptisch beim Grillen zu. Ansonsten wurde die Stille nur von einem motivierten Mountainbiker durchbrochen.

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Derart gestärkt brachen wir dann auf, wieder nach Licán Ray zurückzukehren und dabei die zweite Option des Tages zu besichtigen: den Hügel mit Ausblick. Anbei: der rechte Vulkan befindet sich in Argentinien – im Süden sind die Anden kleiner.

Wettertechnisch hatten wir wirklich Glück (und gute Planung), da wie am Foto zu sehen am Ende schon einige Wolken auftauchten. Zuguterletzt zogen wir uns nach dem langen Tag wieder ins Haus zurück und versuchten interessiert einen Film über die Geschichte Chiles zu schauen, bevor wir uns alle darauf einigten, dass wir müde waren und Morgen ja auch mal raus mussten. Der letzte Tag der Reise war für einen Besuch eines anderen Bekannten in Villarica geplant. Leider regnete es stark und wir konnten nicht wirklich rausgehen, aber dafür gab es selbstgemachte Empanadas und ich konnte auch einen echt chilenischen „Terremoto“- Cocktail probieren (Wein, Ananas-Eis, Grenadine, Rum) – ein Nationalgertänk zum Nationalfeiertag.

 

Back again – into hot water (& a fiesta)

Nach all der Reise war ich schon ziemlich erschöpft. So schön alles auch war, hatte es doch auch was wieder im Süden zu sein – bei erfrischenden 10 Grad außen- und Innentemperatur… Ein kleines Bisschen vermisste ich den Norden schon.

Aus genau diesem Grund hatte ich auch (schon lange) vor, einmal einen Thermenbesuch zu machen um mich einen Tag lang richtig aufzuwärmen. Thermen gab es ja aufgrund der vielen Vulkane genug.  Zufälligerweise war gerade einer meiner Bekannten zu eben so einer Therme unterwegs – in der Nähe von Villarica, dem Ort und dem gleichnamigen Vulkan. Laut Bewertungen war es zwar im Umkleideraum und Warteraum kalt, aber daran war ich eh schon gewöhnt.

Nachdem wir uns frühmorgens bei der Universität trafen (die Forscherstatue am Hintereingang forscht übrigens doppelt so schnell wie der vorne – man beachte die zwei (!) Teleskope), fuhren wir gemeinsam mit ein paar Senioren (es war ein Betriebsausflug der Unibediensteten wo seine Freundin dabeiwar) los. Auf dem Weg konnten wir sogarwunderbar den Vulkan Villarica betrachten, der zu dem Zeitpunkt gerade eine kleine Rauchfahne hatte (ist einer der aktivsten Vulkane der Region).

Die Therme selber war sehr angenehm – Becken mit verschiedener Tiefe, mit verschiedener Temperatur und all das übliche Blabla. Das Wasser selbst kam hier nicht natürlich ans Tageslicht sondern wurde mit Pumpen aus der Tiefe heraufbefördert. Während ich also die Wärme genießend dalag, wurde mir von meinen Begleitern erzählt, dass diese Therme ja gar nicht natürlich sei, und überhaupt die Becken aus Beton und nicht Naturstein waren und ich also unbedingt die „echten“ Thermen probieren müsste. Mein Bekannter – David – war aus Venezuela, ebenso wie seine Freundin, also machten wir gemeinsam dem zehnjährigen Jungen, den eine andere Bekannte (übrigens Sekretärin am Matheinstitut – nicht meines)  von ihm mitgebracht hatte mit Schauergeschichten über wilde Tiere aus Österreichische und Venezuelanische Angst – zumindest versuchsweise, er zeigte sich nämlich begeistert und wollte immer mehr wissen. Tja.

In der Mittagspause nach dem Essen suchten wir zwar erfolglos einen Weg zum Spazierengehen, fanden aber die Bedienstetenhäuschen und eine Seilrutsche und machten ein Paar Fotos. Am Nachmittag hatten wir sogar das große Becken für uns allein uns sprachen über Nationalfeiertage, Kekse zu Weihnachten im Sommer (gibt es hier) und Chilenisches Sushi (anders als das japanische, offenbar).

Kurz über Venezuela: Soweit mir erzählt wurde ist es ein wunderschönes Land mit toller Küche und vielfältiger Landschaft, das allerdings momentan aufgrund der politischen Situation nicht für Reisende zu empfehlen ist (Der Präsident regiert seit einiger Zeit mehr oder weniger autokratisch und das Land befindet sich in einer tiefen humanitären und wirtschaftlichen Krise).  Schade und eine Schande für die dortigen Menschen. Daher ist es auch verständlich, dass viele Venezuelaner, die es sich leisten können, das Land verlassen und in andere Länder ziehen, zB nach Chile. Einige andere Bekannte, ebenso aus Venezuela luden mich nämlich am Tag danach zu einem Venezuelanischen Markt/Kulturfest ein.

Am Morgen ging es mit einem Arepa-Frühstück los (lecker) nachdem wir uns zuerst zur wohnung den größten (zumindest gefühlt), bewohnten Hügel in Temuco hochgekämpft hatten. Meine Bekannte aus Uruguay, das ziemlich flach ist kam dabei schon ziemlich ins Schnaufen. Ich war zwar auch etwas außer Puste, konnte mir aber aus Österreichschem Bergsteigerstolz heraus natürlich nichts anmerken lassen.

Nach der Ankunft bei der Fiesta war noch alles im Aufbau, also ging ich naturgemäß zuallererst natürlich in das naheliegende Geschäft um zu Mittag zu Essen und bereute es fünfzehn Minuten später sofort: Es wurden Spezialitäten in Hülle und Fülle verkauft.

Manchem wird aufgefallen sein, dass ich nur selten Fotos von unversehrtem Essen hochlade. Meistens kommt mir die Idee für ein Foto nämlich erst, nachdem ich probiert habe – oder ganz erst nach dem Essen. Nun, hier war es nicht anders: das Stück Quesillo, das fehlt war mein Verdienst (sehr lecker).

Nicht nur typisches Essen gab es, man konnte sich auch die Augenbrauen zupfen lassen, Kaffee oder Bananenblätter (?) kaufen, mit Leuten aller Klassen aus Venezuela plaudern oder die Tanzeinlage bestaunen: trotz wenig Platz war es erstaunlich was die Damen vorzuführen hatten.

Zu hören: der Announcer, der sich offenbar unbedingt selber hören wollte und mir dabei fast die Ohren zerschrie. Daher gingen auch ich und der Cousin meiner Bekannten hinaus um etwas die Sonne (und die Stille) zu genießen. Leider kamen just zu diesem Zeitpunkt die Tänzerinnen fürs Fotoshooting heraus. Wir waren also auf ein paar Fotos mit drauf bis sie uns höflich baten doch vielleicht derweil hineinzugehen. (Detail: die Röcke sind im Design der venezuelanischen Flagge)

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Ein schönes Bild

 

Museo de Arte Precolombino

Nun also im Präkolumbianischen Museum angekommen, verstauten wir unsere Sachen und kauften zwei Tickets. Sofort danach fiel uns natürlich auf, dass wir technisch gesehen für den Schulklassenrabatt in Frage kämen: (1 Student, 1 Professor), das ignorierten wir dann aber.

Im Museum gibt es (wie der Name vermuten lässt) Exponate aus Zentral- und Südamerika, über fast alle Epochen der derzeit bekannten bzw. ausgegrabenen Kulturen und Völker. Fun fact: Tenoctitlan, die ehemalige in einem See gelegene Hauptstadt des Atztekenreiches liegt heute in Mexico City (aber ohne See).

Interessant für mich war unter anderem auch, dass die Azteken, die man ja eher als „alte“ Kultur einschätzt eine relativ junge Hochkultur waren (so ist z.B. die Universität Oxford älter als das Reich der Azteken). Außerdem erkennbar: die Inkas hatten im Laufe ihres Bestehens große Teile Südamerikas erobert (daher im englischen auch: Incan empire). In den meisten archäologischen Museen und Führungen (zB Atacama) gibt es deswegen auch immer die Einteilung in vor und nach den Inkaeroberungen (natürlich nicht in Südchile, wo die Mapuche wieder mal alle Eindringlinge (inklusive den Spaniern) bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich abwehrten.)

Leider habe ich wieder mal den Fehler gemacht, keinen Audioguide mitzunehmen (wir hatten nur wenig Zeit) und kann daher nicht so viel über die Hintergrundgeschichten weitergeben wie ich eigentlich gerne würde. Interessant war aber auch, dass es in Südamerika eine Kultur namens „Chinchorro“ gab, von der wir eigentlich nur wissen, weil sie eine sehr ausgefinkelte Mumifizierungstechnik hatten. Die Mumien sind auf bis zu 5000 v. chr datiert, und damit meines Wissens nach die ältesten Fundstücke in Südamerika.

Außerdem im Museum: eine Ausstellungen zu den Mapuche, inklusive traditioneller Trommel (die heute so etwas wie ein „Wahrzeichen“ der Mapuche- Kultur ist, vergleiche auch das Logo der Ufro). Die Knotenschnur im Bild ist eine faszinierende Methode der Buchhaltung und wahrscheinlich auch Schrift, die von den Inkas verwendet wurde und bis heute nicht entziffert ist: Quipu. Am Ende machten wir dann noch einen Abstecher in die interaktive Kinderecke wo man spielerisch die typischen Gewächse, Sprachen und Länder Südamerikas betrachten konnte. Es gab auch ein Geruchsrätsel :). Wusstet ihr, dass zum Beispiel so alltägliche Gewächse wie Kürbis, Tomate, Mais, Erdbeere und Kartoffel vor dem kolumbianischen Austausch nicht in Europa heimisch waren? Derart informiert ging es dann in Richtung Flughafen, alledings nicht ohne aber vorher einen kleinen Abstecher durch die Stadt zum Präsidentenpalast zu machen:

Dieser wurde im Putsch von 1973 vom Militär angegriffen – sieht man aber heute nichts mehr davon. Übrigens: die Metro-Karte in Santiago heißt „Bip!“ – nach dem Geräusch, dass sie macht wenn man damit zahlt. Außerdem interessant: die Fußgängerampel in Santiago ist animiert, das heißt der kleine grüne Mann powerwalkt erst sehr selbstbewusst in der Ampel, nur um sich, wenn die Zeit knapper wird immer mehr anzustrengen: Video , für dies interessiert.

Am Flughafen hatte Patricio (mein Prof)  glücklicherweise Mitgliedschaft in der richtigen Kreditkarte, die mit der VIP-Lounge verkuppelt war. Dort verbrachten wir bei Gratisbuffet (Sushi, Obstsalat, Brote, Gebäck…) und Gratisgetränken (so ziemlich Alles) die letzte Zeit bis zum gestaffelten Rückflug nach Temuco (ich hatte einen anderen Flug gebucht bekommen als er). Dort ging es nach einem langen Tag ab ins Bett.

Santiago, oh Santiago!

Der nächste Stopp war wie gesagt wieder einmal Santiago. Hier würde ich mich mit einem meiner Professoren treffen um mit einer Firma ein Projekt zu besprechen. Wer meinen Blog schon gelesen hat, weiß, dass Santiago nicht unbedingt meine Stadt ist – die Ungleichheit in der Gesellschaft ist hier einfach zu groß für meinen Geschmack. Im letzten Beitrag habe ich über die „ärmeren“ Teile der Stadt geschrieben, so wie ich sie eben wahrgenommen habe. Der Eindruck der Zweiklassengesellschaft bestätigte sich auch bei der Fahrt vom Flughafen – ich sah einige Bereiche mit Slums, die offenbar gerade „bereinigt“ worden waren. „Fun“ Fact: der Grenzwert der Vermögensverteilung ist, wenn ich das richtig verstehe eine quasi-Einpunktverteilung. Mit Geld ist es eben immer leichter, mehr Geld zu machen.

Dieses Mal sollten wir auch diese Seite von Santiago sehen – das Businessviertel in der Umgebung vom Costanera Center: überall gestresste Geschäftsleute im Anzug mit gestylten Frisuren und Bärten, und Geschäfte, die Antioxidanzientees und Bioprodukte für für Chilenen recht hohe Preise anbieten. Außerdem versuchen die Bars hier wenigstens, das Menü auf Englisch zu schreiben – manchmal besser, manchmal schlechter. Zum Abendessen kauften wir uns Kakteen: den Birnenkaktus, der fast so schmeckt wie er heißt, man muss nur beim Schälen aufpassen, dass man sich nicht sticht. (Mit Erfolg übrigens!)

Am letztenTag hatten wir etwas Zeit die Stadt selbst zu erkunden: es gibt zB. offenbar ein Fastfoodgeschäft, das die angeblich besten typisch Chilenischen Completos verkauft – eine Art Hotdog mit viel Tomate, Zwiebel, hausgemachter Mayonaise und eventuell Avocado-Mus. Dann wollte sich mein Prof ein neues Uhrband kaufen und ging dafür zu einem der vielen Spezialisten, die sich in kleinsten Ständen ihrem Geschäft widmen:

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Dann ging es zur Erkundungstour auf den Plaza de Armas, den großen Platz in Santiago, wo sich gerade eine Menge um einen Schausteller gebildet hatte, der mit offenbar sehr viel Witz sich über die nichtspanischsprechenden Touristen in derselben lustig machte – sehr zum Amusement der Chilenen. Da der gute Herr auch noch Chilenisch sprach, verstand ich ebenfalls nichts und schlug unauffällig vor, wir sollten doch zum nahegelegenen Präkolumbianischen Museum weitergehen. Dort gibt es nämlich Ausstellungsstücke der gesamten vorkolumbianischen (also vor ~1500) Indianischen Geschichte Süd – und Mittelamerikas. Das aber in einem neuen Post.

Bevor ich es vergesse: offenbar eine der Attraktionen in Santiago ist das „Café mit Beinen„, ein Café in dem die Kellnerinnen kurze Röcke tragen und der Tresen auf Stelzen steht, damit man das ja auch sieht. Wir gingen zwar nicht hin, aber bei kurzem Vorbeischauen machte sich bei mir der Eindruck breit, dass die Klienten ebenso wie die Bedienung schon etwas in die Jahre gekommen waren. Tja, offenbar blieb Bedienung wie Kundschaft seit ca. zwanzig Jahren dieselbe. Damit: bis zum nächsten Mal!

Chaxa und der letzte Tag – Teil 2

Nun zum letzten Teil meiner Atacama-Serie: nachdem wir die Chaxa-Lagune fast vollständig erkundet war ging es (endlich) zum Frühstück. Wie bereits angedeutet war das diesige Frühstück eines der besten in der Wüste. Kuchen, Kokatee, Kaffee, Marmelade und Kekse gab es im Überfluss – ebenso wie frisches Avocadomus (hier Palta genannt). Darüberhinaus gab es beim Infopoint in der Nähe ein Aquarium zu bestaunen, in dem man das winzige Getier, von dem die Flamingos lebten, näher beobachten konnte. Auch ein kleiner Vogel gesellte sich neben uns und ein älterer Mitreisender packte seine Tinwhistle aus um uns mit einer Version von „El Condor Pasa“ (Der Kondor zieht vorüber) zu unterhalten. Ich durfte mich selbst mit mäßigem Erfolg an einer Version von „Amazing Grace“ versuchen.

Danach ging es für einen kleinen Geschichts- und auch Klostopp in ein kleines Dorf mit hübschem Kirchturm, wo uns Alex von der Kosmologie und Glaubensverständnis der Einheimischen im Wandel der Zeit erzählte – die Dreiteilung der Welt (Himmel(früher: Gotteswelt) – Erde – Unterwelt (später Hölle)) kann man noch oft in den Christlichen Gotteshäusern, die hier oft dreistufig gebaut wurden, erkennen. Interessant: sowohl Dach als auch Tür des Turmes bestanden aus getrockneten Kakteen. Während wir da waren kam sogar eine Nonne vorbeigehuscht um die Glocken im Turm zu läuten. So rasch wie sie kam, verschwand sie aber dann auch wieder.

Die letzte Etappe des Tages sollte der Besuch einer kleinen Oase werden, in der einige Einheimische seit Generationen ihre Gärten haben und durch die ein kleiner Fluss fließt. Hier erzählte uns Alex noch von der Geschichte der Indios in Amerika und auch über den aktuellen Forschungsstand. Auch Felszeichnungen (Petroglyphen) gab es etwas höhergelegen. Wir kraxelten also, machten einige Fotos, plauderten mit Alex über seine persönlichen Favoriten in der Gegend (Valle Arcoiris) und konnten bei der Heimfahrt sogar das berühmte Alma-Observatorium aus der Ferne sehen.

Am darauffolgenden Morgen konnte ich übrigens, während ich den Kaffee um unchristliche 4 Uhr morgens schlürfte, endlich das Kreuz des Südens sehen – bis jetzt war der Mond meistens zu hell gewesen, und ich meistens zu abgelenkt um zum Himmel zu sehen. Damit waren dann sämtliche Ziele meiner Atacamareise erfüllt und es ging im Flieger zur nächsten Station – Santiago.

Die Chaxa-Lagune – Teil 1

Für den letzten Tag der Reise (zufällig mein Geburtstag) hatte ich mir etwas besonderes ausgesucht. Findige Leser werden vielleicht schon bemerkt haben, dass in einigen der hochgelegenen „lagunas“ (also Seen aber ohne natürlichen Abfluss) einiges Getier lebt, unter anderem eben auch Flamingos. Mich hat das ganze ziemlich überrascht, weil ich ja Flamingos nicht gerade mit großen Höhen verband. Das musste ich mir genauer anschaun.

Also war für den letzten Tag natürlich eine Flamingotour angesagt. Glücklicherweise musste ich nicht einmal lange suchen um einen Anbieter zu finden, denn in meinem Hostal war ein eigens dafür zuständiger „Agent“ angestellt um die perfekten Touren zu finden. Ich hatte schon einmal mit ihm geredet, bevor ich den Plan mit meinen Zimmerkollegen hatte, woraufhin er mir unter anderem eine Vulkanbesteigung eines der vielen über 4000 Meter hohen Vulkane der Umgebung als passenden Ausklang für meine Reise anbot. Ich lehnte damals dankend ab. Hier aber plauderten wir etwas über die anderen Touren die ich schon gemacht hatte und offenbar waren ihm sowohl mein alter Anbieter als auch Guide bekannt. Nach einigen Fotos war ich überzeugt und buchte die Tour für den nächsten Tag.

Der Plan für den Trip war die Lagune Chaxa (Teil des Nationalreservats Los Flamencos) , die zwar eigentlich nicht so heißt, aber aus touristischen Gründen nennen sie den Trip zu den Lagunen „Burro Muerto“ (Toter Esel) und „Barro Negro“ (schwarzer Sumpf) so – irgendwie verständlich. Die „echte“ Laguna Chaxa liegt weiter hinten und ist nur für Forschungszwecke zugänglich. Die Hoffnung war dennoch, einige Flamingos in freier Wildbahn zu sehen. Aus den letzten Trips gelernt, buchte ich auch nicht mehr die allerbilligste Tour. Das sollte sich absolut lohnen: Wir waren die zweite Gruppe an der Lagune und direkt zum Sonnenaufgang flogen die Flamingos von der einen in die andere Lagune – man konnte sogar einige im direkten Flug über sich betrachten. Die Gruppen nach uns konnten ihnen nur mehr sehensüchtig hinterherblicken als sie im Sonnenaufgang verschwanden – tja.

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Panorama der Lagune

Die Aufgehende Sonne lieferte auch einige interssante Panoramafotos mit den in weiter Ferne liegenden Anden. Nicht zu sehen ist wieder der Geruch: die Lagunen sind kaustisch und riechen gerade am Morgen stark nach Schwefel bzw. faulen Eiern. Mit längerem Aufenthalt wurde es aber entweder besser oder wir gewöhnten uns zumindest langsam daran. Zum Frühstück machte es uns jedenfalls nichts mehr aus.

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Der Boden bestand fast ausschließlich aus dem auf den Fotos sichtbaren zerklüfteten Salzgestein, von einigen Wegen durch den Fels zerschnitten:

Leider stellte ich fest, das der Zoom meiner Handykamera nicht unbedingt so gut wie erhofft war. Daher kann der geneigte Leser sich die auf den Bildern in der Ferne kaum sichtbaren Flamingos bitte farbenfroh und interessant vorstellen – so wie ich sie eben in Wirklichkeit gesehen habe. Dafür habe ich später ein paar im Flug erwischt:

In der Lagune gibt es drei verschiedene Arten von Flamingos, die sich hauptsächlich in ihrem Federkleid unterscheiden (rosa mit schwarzen Fülgelspitzen, rosafarbige und weiße Flamingos). Die Flamingos ernähren sich hauptsächlich von kleinen Lebewesen, die im Wasser der Lagune leben und den Flamingos auch ihre markante rosarote Farbe geben.

Leider war ich von der Vielzahl an Vögel und der einzigartigen Landschaft so abgelenkt, dass ich vor lauter Fotos dem Guide, der von der Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung der Lagune redete, kaum Aufmerksamkeit schenkte. Dafür hab ich dann ein Foto von der Tafel gemacht, wo praktisch das Gleiche draufstand. Ist ja fast Dasselbe.

Damit ist für einen Post aber erstmal genug, den Rest der Tagestour werde ich dann in einem weiteren Teil beschreiben. Bis dann!

 

Geysiere am Morgen

Der Abend am vorherigen Tag verlief eher ruhig, denn: es hieß um halb fünf aufstehen um um fünf mit dem auto zu den hochgelegenen Tatio-Geysieren zu fahren. Warum so früh? Nun, je kälter die Luft, desto besser sieht man die vielen aufsteigenden Geysiere und Dampfsäulen wenn sie kondensieren. Daher planen die Agenturen die Fahrt so, dass man ziemlich genau vor Sonnenaufgang dort ist. Wir hatten uns im Vorfeld warm eingepackt, denn oben auf der Höhe von 4300 Metern konnte es ohne Sonne sehr kalt werden (-13° Celsius). Unser Guide war wieder Oswaldo („I’m coming for the fucking frenchmen!“ – „Oh no!“). Der erste Tipp: wir sollten uns erst oben richtig warm anziehen und uns vorher etwas an die Kälte gewöhnen, nicht im warmen Auto in voller Montur losziehen – macht Sinn.

Nach einigen Schwierigkeiten mit der Wagentür (sie ging nicht richtig auf) ging es dann los: wir fuhren über rumpelige Straßen im stockfinsteren und merkten, dass der Wagen auch bezüglich der Federung nicht unbedingt auf neuestem Stand war. Dafür war es billig gewesen, dachte ich mir. Nach einiger Zeit und einigen Versuchen zu schlafen (teilweise erfolgreich), kamen wir dann auch am ersten Zwischenstopp an: einer Raststätte mit WCs, wo man Eintritt zahlen musste. Hier zogen wir uns auch wieder unsere warmen Jacken an und versuchten uns durch etwas rhytmische Bewegung aufzuwärmen.

Eine Bemerkung am Rande: ich wusste vorher nicht, dass es auf der ganzen Welt nur sechs große Geysierfelder gibt, von denen wir nun eines besuchen würden. Die Tatio-Geysiere liegen direkt am namensgebenden Vulkan und stellen insgesamt ca. 8% der weltweit vorkommenden Geysiere dar – ziemlich cool. Für warmes Wasser sind Geysiere ziemlich selten.

Bevor wir allerdings aufs Feld durften, gab es zuerst Frühstück. Oswaldo erklärte uns, dass die Höhenkrankheit oft eher psychologischer Natur ist und es seiner Erfahrung nach nur ca. ein Prozent der Bevölkerung wirklich merkbar betrifft. Außerdem sollten wir bitte aufpassen und auf den Wegen bleiben, es wäre seine tausendzweiundsechzigste Tour zu den Geysieren und er hätte schon drei Menschen verunglücken sehen. Darauf tranken wir erstmal einen Tee und machten hinter der Mauer ein Foto.

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Andere Tours waren schon unterwegs, wir verfolgten aber die clevere Strategie zuerst zu frühstücken und dann den Weg von der anderen Seite zu verfolgen, um weniger ins Gedränge zu kommen. Das ganze funktionierte ziemlich gut:

Nicht zu sehen: der leichte Schwefelgeruch in der Luft und die Kälte abseits der Geysiere. Oswaldo stellte uns über einen kleinen „Bach“ aus warmem Wasser um uns aufzuwärmen, während er ein Mädchen versorgte, das die Höhenkrankheit spürte („Sie ist das eine Prozent!“) Außerdem sagte er, wir sollten keine Angst vor eventuellen Vulkanausbrüchen oder Ähnlichem haben, denn der Vulkan ginge hoch, ob man denn nun Angst hätte oder nicht, also sei es wesentlich entspannender, keine Angst zu haben. Derart beruhigt machten wir die Tour weiter.

Außerdem, sagte er, sei man in einem Gebiet mit vielen Vulkanen generell sicherer als mit wenigen, denn der Druck könne dann über mehrere Vulkane entweichen, statt sich anzustauen und zu explodieren. So gesehen ist San Pedro wohl eine der sichersten Gegenden der Welt.

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Der Rundumblick auf Tatio

Nun ging aber langasm die Sonne auf, und wir machten uns auf den Weg zu der nächsten Station: es gab nämlich ein Schwimmbecken, in dem heißes und kaltes Wasser zusammentreffen, das also tatsächlich zum Baden geeignet ist. Diese Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen und hopste zusammen mit einigen anderen hinein. Das Becken hatte mittlere zwanzig Grad mit einigen heißeren Quellen und einem tiefen aber kühleren Ende. Ehrlich gesagt ging es mir weniger um den Badespaß, als darum sagen zu können, einmal auf 4300 Metern gebadet zu haben.

Nach flotten fünf Minuten im Wasser (zwanzig Grad sind doch nicht soviel wie ich vorher vielleicht dachte) trockneten wir uns, hopsten ins Auto und warteten auf den Rest der Gruppe, der noch mit Selfiesmachen beschäftigt war um dann zum nächsten Stopp zu fahren: einem kleinen Bergdorf wo man noch echtes, leckeres Llamafleisch probieren konnte (keine Fotos).

Außerdem im Dorf: eine kleine Kirche mit kleinem Llama, mit dem man gegen eine kleine Gebühr Fotos machen konnte. Die Eltern des Kleinen wurden offenbar von einem Puma gerissen.

Die Stufen zur Kirche hinauf wollten übrigens mit Ruhe genommen werden, schließlich waren wir immer noch auf über dreitausend Metern Höhe. Was spätestens oben allen klar war.

Die letzte Etappe des Tages war dann ein Tal mit einem Bach, Kakteen und hervorragendem Echo, wo wir uns über die Entstehung der Salzwüsten in und um San Pedro unterhielten (Kurzform: manches war früher Meeresboden, aber nicht alles). Die Kakteen waren zwar etwas weit entfernt, aber das Tal gab einen vorzüglichen Fotohintergrund ab. Leider kann ich nicht Jodeln.

Als Bonus für soweit Durchhaltende gibt es noch ein paar Bilder vom Hauptplatz von San Pedro de Atacama, die entstanden während wir ein Grillhuhngeschäft suchten:

Damit war mein Urlaub in San Pedro auch schon fast am Ende. Für meine Kollegen aus Österreich und Frankreich war er das jedenfalls. Am Nachmittag würfelten wir noch etwas, teilten unsere Nummern und verabschiedeten uns voneinander. Für den letzten Tag hatte ich mir etwas besonderes geplant: eine Salzlagune mit Flamingos (Chaxa).

Fiesta, Felsen, Farben

Mit meinen neuen deutschen Bekanntschaften aus den vorvorherigen Beiträgen suchten wir am darauffolgenden Abend noch eine Bar für einen Abschiedstrunk. Überraschenderweise gibt es in San Pedro fast nur Restaurants, die auch nur Getränke UND Essen gemeinsam verkaufen, allerdings nicht getrennt – komisch.

Davor waren wir in einem Restaurant mit Sitzgarten gewesen, was spät abends doch sehr kühl werden konnte. Immerhin gab es eine Bierverkostung mit echt atacamesischen Biersorten zu probieren – und zwar gratis! Die Biere waren leider eines schlechter als das andere, dafür mit vielen interessanten Zutaten gebraut. Wir einigten us darauf, dass das Reinheitsgebot wohl tatsächlich seinen Grund hatte und sprachen statt über das Bier über den hervorragenden chilenischen Wein. Danach war es allerdings, wie gesagt, etwas kalt und die Suche nach der neuen Sitzgelegenheit begann. Nach einer kurzen Wanderung durch die Straßen kamen wir zu dem Schluss, dass es in San Pedro genau eine einzige Bar gibt, die nicht gleichzeitig ein Restaurant ist – die war allerdings leider erstens sehr laut und zweitens voll. Also ging es weiter – im Minimarkt kann man übrigens auch kein Bier kaufen wie wir noch im Vorbeigehen feststellten.

Erst als wir fast schon fast aufgeben wollten, fanden wir ein Restaurant das, am Ende eines etwas versteckten Ganges, in einen Innenhof gelegen, auch gewillt war, „nur“ Getränke auszuschenken – zumindest hatten wir die Bestätigung des Kassiers – gut genug für uns. Der Kellner wollte es uns anfangs nicht ganz glauben, auf den Verweis auf den Kassier hin willigte er aber ein und stellte uns (alibihalber) ein paar Brötchen mit Aufstrich hin – für die wir später nichts zahlen mussten. Der Abend war alles in allem sehr schön und ich freue mich sehr, so nette Bekanntschaften geschlossen zu haben.

Am nächsten Tag war eine Tour mit meinen Zimmergenossen zum „Valle del Arcoíris“ geplant – dem Regenbogental (arco wie arc und iris wie Regenbogenhaut). Hierzu wurde zuerst die billigste Agentur gesucht und voll ausgenutzt, dass wir sechs Studenten waren (Massen – UND Studentenrabatt). In der Früh ging es dann auch los, zuerst zu den Petroglyphen (Felszeichnungen), die in einen riesigen, – natürlich- vulkanischen  Stein geritzt waren, der sich in der Nähe auf einer Ebene befand. Der Fels diente wohl als Rastplatz für vorüberziehende Karawanen von Indios, die sich hier während der Pause künstlerisch betätigten – man sagt, dass sie für jeden Tag der Reise bisher ein Tier in den Fels ritzten ( diese Praxis gab es noch bis vor nur 500 Jahren – die „Vorgeschichte“ in Amerika ist wesentlich jünger als in Europa!). Allerdings gab es nicht nur „alte“ Zeichnungen, sondern auch „neue“, wo heutige Touristen ähnlich mitteilungsbedürftig waren wie die Menschen vor tausenden von Jahren.

Unser Guide erklärte uns auch, was wir denn von den verschiedenen Zeichnungen wissen, nämlich offenbar fast nichts. Oft ist es nicht einmal klar, was genau das Tier darstellen soll, sei es Guanaco, Vicuña oder Llama. Es gab auch einige mystische Zeichnungen von Fabeltieren oder Gottheiten. Außerdem interessant: viele abgebildete Tiere sind in der Region nicht einmal einheimisch. Die Menschen wollten offenbar die für sie unbekannten Tiere, die sie aus anderen Gebieten mitgebracht oder auch nur gesehen hatten verewigen. Auch klar – alltägliches hält man nicht unbedingt fest. Unser Guide, Oswaldo, erzählte nicht nur von alledem, sondern auch davon, wie man denn „neue“ von „alten“ Ritzereien unterscheidet. Danach gab es ein mittelmäßiges Frühstück (wir hatten immerhin die billigste Tour), aber die Gruppe neben uns aß nicht auf, und so kamen wir dennoch in den Genuss der höchst qualitativen Brötchen und Kekse – hat sich also gelohnt.

Danach ging es zum eigentlichen Kernstück der Tour – dem Valle de Arcoiris oder Regenbogental. So genannt nicht, weil es etwa so schöne Wasserfälle gibt, sondern, weil es in diesem Tal Felsen in (fast) allen Farben des Regenbogens gibt. Oswaldo fragte uns zuerst, ob wir denn Spanisch verstünden („natürlich!“) und begann dann über die geologische Entstehung und tektonische Geschichte der Region und der Gesteine allgemein zu erzählen – auf spanisch. Leider merkten wir das unser Vokabular für derart technische Erläuterungen etwas mangelhaft war. Dennoch nahmen wir einiges aus den anschaulichen Zeichnungen, die er mit dem Messer in den Sand ritzte mit. Und fünfzig Prozent verstanden wir immerhin allemal. Das Tal ist übrigens sehr schön und nicht einmal naturgeschützt, man kann also Steine mit nachhause nehmen, was z.B. im Valle de Luna verboten ist.

Wir machten eine kleine Wanderung um den Größten „Hügel“ herum, und auf der Hinterseite offenbarte sich eine Farbenvielfalt, die man in der Wüste für kaum möglich halten würde (klicken zum Vergrößern (wie alle Bilder im Blog übrigens)):

Auch interessant war eine Felsformation in den Farben der italienischen Flagge und die schroffen Felsen am „Ausgang“:

Am schönsten soll es hier übrigens abends und morgens sein – was man sich gut vorstellen kann. Es heißt, im Valle de Arcoiris hat man zu jeder Tageszeit neue Eindrücke wenn das Sonnenlicht im Laufe der Zeit auf die verschiedenfarbigen Gesteine trifft.

Auf der Rückfahrt plauderten wir noch ein wenig mit Oswaldo (jetzt auf Englisch), der zu viielen Themen etwas zu sagen hatte, von Politik in Südamerika über die besten Tourismuszeiten bis hin zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten im Umkreis und seinem persönlichen Werdegang. (Es gibt übrigens eine App mit der man sich sämtliche Erdbeben der letzten Tage in Chile und Umgebung anzeigen lassen kann – und somit die vulkanische Aktivität verfolgen kann.) Er selbst ist seit seinem siebten Lebensjahr auf den Bergen unterwegs und seit über zehn Jahren Guide in San Pedro. Er sieht auch ein bisschen aus wie ein Pirat- mit Goldohrring und nur einem funktionierendem Auge.

Für den nächsten Tag war eine der Hauptattraktionen der Region geplant: die Geysiere von Tatio. Es würde früh auf und hoch hinaus gehen, um fünf Zhr Abfahrt auf 4300 Meter Seehöhe bei -13 Grad. Wir waren gespannt.

 

 

 

Die Wüste erfahren

Hier sollte gesagt werden, dass ich auf meiner Reise nach San Pedro nicht nur Deutsche kennen lernte – auch Österreicher, Franzosen, Brasilianer und Schweizer waren dabei.

Am zweiten Tag meines Aufenthaltes spielte sich der folgende Dialog im gemeinsamen Schlafraum meines Hostels ab: Ich (auf Spanisch) zum neu Hinzugekommenen: „Hi, woher kommst du?“ Er (ebenso auf Spanisch): „Österreich“ – „Wo genau?“ – „Kärnten“ – „Wo genau? (hier muss er mich für ein bisschen blöd gehalten haben, wer im Ausland kennt schon Kärnten?) – „Seeboden.“ – Ich: „Weißenstein“. Er (auf Deutsch): „Am anderen Arsch der Welt, was?“ – es stellte sich heraus das genau in meinem Zimmer zwei Kärntner(!) und drei Franzosen untergebracht waren, die sich auf Auslandssemester in Chile (genauer: Santiago) befanden, und sich bei einem Sprachkurs kennengelernt hatten. Ebenso durch den Streik der Studenten im Semesterantritt verzögert, zogen sie nun durch den Norden auf Urlaub. Ihr Plan für den nächsten Tag war, mit dem Rad ins Valle de Luna zu fahren und ich hatte nichts besseres zu tun, fragte also, ob ich mitkommen könnte. Eine Radtour hatte ich sowieso geplant gehabt, da es um San Pedro einiges interessantes zu sehen gibt, das man sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad erreichen kann.

Am nächsten Morgen ging es also nach dem Frühstück und einigen Würfelspielen (Liar’s Dice, bekannt aus „Fluch der Karibik“) zum Bikeshop um die Räder startklar zu machen. Dazu gab es eine Karte und Warnweste sowie den Helm. Wasser und Essen war gepackt, es konnte also losgehen.

Leider hatte ich die paar Kilometer Radtour bei extremer Trockenheit und ziemlicher Höhe etwas unterschätzt – ebenso wie meine Kondition. Während sich einige meiner Kollegen beim offroad vergnügten, versuchte ich mit dem Gegenwind klarzukommen, der uns bei dem ersten Abschnitt entgegenblies.

Man wartete allerdings auch immer im Schatten zusammen und wir konnten so einiges bestaunen, woran ich am ersten Tag mit der Tour nur vorbeigefahren war, wie zum Beispiel die „Cavernas de Sal“, oder Salzhöhlen:

 

Es war zeitweise sogar recht dunkel und mit dem großen Rucksack den ich dabei hatte etwas ungemütlich. Dafür sehr spannend und interessant zu sehen. Zitat : „Hier brauchen wir keine Taschenlampe, das geht auch so!“ gefolgt von ziellosem Herumtapsen unsererseits bis sich jemand erbarmte und das Handy zum Ausleuchten zückte.

Die „Höhle“ endet mit einem Weg hinauf auf die umkreisenden Gesteinsformationen, wo ein wunderschön ausgeschilderter Weg wieder zurück zum Eingang führte. Hier entschieden wir uns auch, unsere erste Mittagspause im Schatten eines Felsen zu machen und ich machte auch ein paar Fotos. Der Ausgang lag direkt neben dem Einstieg in die Höhle ebenso im getrockneten Flussbett.

 

Die nächste Station war wieder die große Sanddüne. Allerdings ging das generelle Sentiment eher in die andere, nämlich entgegengesetzte Richtung – es gibt nämlich zwei Wege, einen zur Düne mit Bergkamm und den in die andere Richtung führende, weiter auf den anderen Bergkamm hinauf. Ich rannte trotzdem noch schnell Richtung Aussichtspunkt und stellte fest, dass sich auf der Düne etwas verändert hatte: jemand hatte seinen Hut hier verloren!

 

Die andere Seite der Düne hatte aber ebenso einiges zu bieten: tolle Felsformationen und einen wunderschönen Ausblick; ein kurzes „Höhenmeterraten“ führte zwar zu einer gewissen Enttäuschung – „Was 2400, ich dachte wir wären mindestens auf 3000 geradelt?“ – Ich. Dies tat dem Ganzen aber keinen Abbruch und es wurde flott drauflosdiskutiert wie die verschiedenen Felsformationen entstanden seien und wie die umliegenden Vulkane denn nun genau hießen.

Der Rest der Tour führte dann über die weitere Route ins Tal des Mondes, an einigen alten Salzmienen vorbei (in einer wurde nochmal Pause gemacht) und am Ende gab es noch eine kurze Diskussion, ob man noch ganz bis zum Ende und den „tres Marias“ schaun sollte, oder nicht – es war nämlich schon spät, das Wasser knapp und der Weg weit. Die allgemeine Neugier siegte, und nach einem fünfminütigen Aufenthalt bei den drei Marien – „Das ist das religiöseste, was ich je getan habe, soweit für drei Marien zu fahren.“ ging es, von meiner Seite schon etwas erschöpft, wieder zurück.

Nach soviel -im letzten Stück eher langsamen- Radeln meinerseits war ich dann auch äußerst froh, wieder in San Pedro zu sein und nach einer kurzen Pause am Stadtrand (wo war nochmal genau der Bikeshop?) fanden mich auch meine Kollegen wieder. Die letzte Etappe in der Wüste war damit genommen.

Beim nächsten Mal: von bunten Felsen und interessanten Guides…

Hohe Berge und flache Täler

In den Anden ist die Höhe für die sie ungewohnte Menschen (wie mich) allgegenwärtig. Interessant ist, dass es im Vergleich zu zB Österreich keinen krassen Übergang zwischen „Hoch“ und „Tief“ gibt – man fährt einfach nach Osten und, ohne große Steigungen zu überwinden, ist man auf einmal auf vier Kilometern Seehöhe. So sollte es auch an diesem Tag werden.

Am zweiten Tag stand nämlich eine Ganzgagestour zum „Salar de Tara“ an. Die Route zur Salzpfanne war zwar laut einigen anderen Agenturen gesperrt, wurde hier aber trotzdem angeboten (über eine etwas rumpeligere Nebenroute) – „High“light der Tour: ein Zwischenstopp auf 4800m Seehöhe und eine Besichtigung von vulkanischen Findlingen.

Geführt wurde die ganze Tour von Alex, einem in Schweden geborenen und lange in Chile lebendem Sohn von spanisch/schwedischen Eltern. Der erste Stopp fand auf ca. 3300 Metern statt, um zu Frühstücken und sich an die Höhe zu gewöhnen. Zitat: „Wir könnten da vorne stehen bleiben, aber der Blick ist fast der gleiche und hier gibt es Llamas.“ Der Blick auf den Vulkan Licancabur war tatsächlich sehr schön. (Der Vulkan hat übrigens einen Kratersee, in dem winziges Leben besteht und man kann sogar darin tauchen… wenn man will.)

Weiter nach oben wird die spärliche Vegetation immer weniger – eine Art Indikator für die immer dünner werdende Luft in der Höhe. Am höchsten Punkt der Tour angekommen, war es fast kaum zu glauben, dass es so hoch ist: keine Täler, nur Berge:

Unten angekommen konnten wir die Vulkanischen Steine betrachten, die aufgrund der Erosion interessante Formen angenommen hatten: die bekannteste davon ist wohl der „Indianerhäuptling“, in dessen oberen Part man mit etwas Fantasie ein Gesicht erkennen kann:

An der Lagune wurden wir über die Wichtigkeit, die Natur zu schützen und das natürliche Gleichgewicht in dem fragilen Ökosystem nicht zu stören aufgeklärt: dasselbe wurde von einigen anderen Touristen offenbar gekonnt ignoriert; sie befanden sich direkt am Wasser und belästigten einige Flamingos und Guanacos.

Trotzdem sehr schönes Wetter, wenn auch wie an den Bildern zu erkennen etwas kalt :).

Dann ging es durch die Hochebene und rumpelige „Straßen“ zu unserem Hauptziel: dem Salar de Tara:

Hier ging ein ordentlicher Wind und das Mittagessen stand an, also suchten wir uns den einzigen windgeschützten Platz der Ebene, hinter einigen Felsen und in einer kleinen Mulde und warteten. Der Blick war ebenso wie das Wetter wirklich wunderschön, angefangen von den schwarzen Felsen links im Bild (in der Ferne) bis über die Salzebene zu den Bergen dahinter. Aufgrund der geschlossenen Hauptroute waren wir sogar die einzigen Touristen in der Gegend.

Dann ging es über die Wildnis zurück zur Straße, wo einige Mitreisende unbedingt noch für Zuhause Fotos (im Gehen, im Laufen, im Springen, im Sitzen etc.) machen mussten, das alles bei klirrend kaltem Wind – Respekt.

Dann ging es über die „Laguna Diamante“, eigentlich ein Baggersee, der für den  Straßenbau ausgehoben wurde, und sich danach mit Schmelzwasser gefüllt hatte, das nun gefroren war – ein Highlight für die Brasilianer der Tour. Dann waren wir abber fast schon wieder zurück zum ersten Aussichtspunkt, wo wir uns vor dem letzten Wegstück mit einer kurzen Pause wieder an tiefere Gefilde akklimatisierten.

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Der erste und letzte Aussichtspunkt der Tour

Die Llamas waren leider schon weg. Ein Fakt am Ende: der zweite sichtbare Berg ist ebenso ein Vulkan wie der erste, man kann noch die Kegelbasis erkennen. Allerdings hat eine Explosion vor (ich glaube) einigen Millionen Jahren die gesamte Spitze abgerissen. Übrigens sind etwa 80% aller Berge im direkten Umkreis von San Pedro Vulkane – zumindest laut einem anderen Guide. Doch dazu später mehr…