Die Wüste erfahren

Hier sollte gesagt werden, dass ich auf meiner Reise nach San Pedro nicht nur Deutsche kennen lernte – auch Österreicher, Franzosen, Brasilianer und Schweizer waren dabei.

Am zweiten Tag meines Aufenthaltes spielte sich der folgende Dialog im gemeinsamen Schlafraum meines Hostels ab: Ich (auf Spanisch) zum neu Hinzugekommenen: „Hi, woher kommst du?“ Er (ebenso auf Spanisch): „Österreich“ – „Wo genau?“ – „Kärnten“ – „Wo genau? (hier muss er mich für ein bisschen blöd gehalten haben, wer im Ausland kennt schon Kärnten?) – „Seeboden.“ – Ich: „Weißenstein“. Er (auf Deutsch): „Am anderen Arsch der Welt, was?“ – es stellte sich heraus das genau in meinem Zimmer zwei Kärntner(!) und drei Franzosen untergebracht waren, die sich auf Auslandssemester in Chile (genauer: Santiago) befanden, und sich bei einem Sprachkurs kennengelernt hatten. Ebenso durch den Streik der Studenten im Semesterantritt verzögert, zogen sie nun durch den Norden auf Urlaub. Ihr Plan für den nächsten Tag war, mit dem Rad ins Valle de Luna zu fahren und ich hatte nichts besseres zu tun, fragte also, ob ich mitkommen könnte. Eine Radtour hatte ich sowieso geplant gehabt, da es um San Pedro einiges interessantes zu sehen gibt, das man sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad erreichen kann.

Am nächsten Morgen ging es also nach dem Frühstück und einigen Würfelspielen (Liar’s Dice, bekannt aus „Fluch der Karibik“) zum Bikeshop um die Räder startklar zu machen. Dazu gab es eine Karte und Warnweste sowie den Helm. Wasser und Essen war gepackt, es konnte also losgehen.

Leider hatte ich die paar Kilometer Radtour bei extremer Trockenheit und ziemlicher Höhe etwas unterschätzt – ebenso wie meine Kondition. Während sich einige meiner Kollegen beim offroad vergnügten, versuchte ich mit dem Gegenwind klarzukommen, der uns bei dem ersten Abschnitt entgegenblies.

Man wartete allerdings auch immer im Schatten zusammen und wir konnten so einiges bestaunen, woran ich am ersten Tag mit der Tour nur vorbeigefahren war, wie zum Beispiel die „Cavernas de Sal“, oder Salzhöhlen:

 

Es war zeitweise sogar recht dunkel und mit dem großen Rucksack den ich dabei hatte etwas ungemütlich. Dafür sehr spannend und interessant zu sehen. Zitat : „Hier brauchen wir keine Taschenlampe, das geht auch so!“ gefolgt von ziellosem Herumtapsen unsererseits bis sich jemand erbarmte und das Handy zum Ausleuchten zückte.

Die „Höhle“ endet mit einem Weg hinauf auf die umkreisenden Gesteinsformationen, wo ein wunderschön ausgeschilderter Weg wieder zurück zum Eingang führte. Hier entschieden wir uns auch, unsere erste Mittagspause im Schatten eines Felsen zu machen und ich machte auch ein paar Fotos. Der Ausgang lag direkt neben dem Einstieg in die Höhle ebenso im getrockneten Flussbett.

 

Die nächste Station war wieder die große Sanddüne. Allerdings ging das generelle Sentiment eher in die andere, nämlich entgegengesetzte Richtung – es gibt nämlich zwei Wege, einen zur Düne mit Bergkamm und den in die andere Richtung führende, weiter auf den anderen Bergkamm hinauf. Ich rannte trotzdem noch schnell Richtung Aussichtspunkt und stellte fest, dass sich auf der Düne etwas verändert hatte: jemand hatte seinen Hut hier verloren!

 

Die andere Seite der Düne hatte aber ebenso einiges zu bieten: tolle Felsformationen und einen wunderschönen Ausblick; ein kurzes „Höhenmeterraten“ führte zwar zu einer gewissen Enttäuschung – „Was 2400, ich dachte wir wären mindestens auf 3000 geradelt?“ – Ich. Dies tat dem Ganzen aber keinen Abbruch und es wurde flott drauflosdiskutiert wie die verschiedenen Felsformationen entstanden seien und wie die umliegenden Vulkane denn nun genau hießen.

Der Rest der Tour führte dann über die weitere Route ins Tal des Mondes, an einigen alten Salzmienen vorbei (in einer wurde nochmal Pause gemacht) und am Ende gab es noch eine kurze Diskussion, ob man noch ganz bis zum Ende und den „tres Marias“ schaun sollte, oder nicht – es war nämlich schon spät, das Wasser knapp und der Weg weit. Die allgemeine Neugier siegte, und nach einem fünfminütigen Aufenthalt bei den drei Marien – „Das ist das religiöseste, was ich je getan habe, soweit für drei Marien zu fahren.“ ging es, von meiner Seite schon etwas erschöpft, wieder zurück.

Nach soviel -im letzten Stück eher langsamen- Radeln meinerseits war ich dann auch äußerst froh, wieder in San Pedro zu sein und nach einer kurzen Pause am Stadtrand (wo war nochmal genau der Bikeshop?) fanden mich auch meine Kollegen wieder. Die letzte Etappe in der Wüste war damit genommen.

Beim nächsten Mal: von bunten Felsen und interessanten Guides…

Atacama – eine wüste Angelegenheit

Nun war ich also gut in der Atacamawüste angekommen. Im Flieger saß ich witzigerweise genau neben zwei Deutschen auf Südamerikareise (hallo!), die sich als irsinnig nette Leute entpuppten. Wir verstanden uns recht gut und verabredeten uns bald, am nächsten Tag eine Tour zusammen zu unternehmen.

Die Destination hieß San Pedro de Atacama. Hitze, Kälte, Staub und Sand erwarteten uns! Zuerst mit dem Flieger in Calama gelandet (ein Ort, den selbst englische Reiseführer als „hässlich und langweilig, eigentlich nur gut für den Transfer nach San Pedro“ beschreiben) ging es dann gemeinsam mit dem Transfer durch die Wüste in die ca. eine Stunde entfernte Wüstenstadt. Dabei konnten wir im regen Gespräch den ersten Sonnenuntergang in der Wüste erleben.

Ein Paar Infos zur Stadt (Dorf?) selbst: San Pedro ist vermutlich die touristisch erschlossenste Lokation in Chile. In den kleinen Gässchen aus einstöckigen Lehmbauten tummeln sich die Touristen, umzingelt von Restaurants, Reiseagenturen, Hostels, Hotels, Bikeshops und Minimärkten. Es kommt fast das Gefühl auf, in einer kleinen, eigenen Welt zu sein. Mit Wasser muss sorgsam umgegangen werden, denn die Atacamawüste ist die trockenste Region der Erde, da sie im Regenschatten von sowohl dem Küstengebirge (im Westen) als auch den Anden (im Osten) liegt. Dabei liegt San Pedro zusätzlich auf ca. 2400 Metern Seehöhe – besonderer geht’s also kaum.  Der Boden in der Wüste is zwar sehr trocken, aber dank der unzähligen Vulkane im Umkreis erstaunlich fruchtbar. Wenn es also einmal regnet, dann erblüht die ganze Wüste für einige Zeit, ein Phänomen, das als „Desierto Florido“ bekannt ist. Dank der Trockenheit ist die Landschaft auch ganz besonders, „wie von einem anderen Stern“, was zum Beispiel auch von der NASA genutzt wurde bzw. wird  um Marsrover und ähnliches unter praxisnahen (staubigen) Bedingungen zu testen. Der erste Ausflug sollte eine Tour in genau diese Gegend sein – das „Valle de la Luna„, oder auf deutsch: Tal des Mondes. Bereits die Anreise war landschaftlich erstaunlich für mich alten Bergbewohner:

Die erste Station auf der Tour ist das letzte Bild: die große Sanddüne. Der Guide war sehr professionell („Nicht vom Weg runter, genug Wasser trinken, war jeder am Klo? Hier könnt ihr super Fotos machen!…etc.“), konnte aber auch interessantes erzählen. Zum Beispiel, dass die Vulkane von den Ureinwohnern der Wüste als Schutzgottheiten verehrt wurden, und es noch heute in dem Design der Kirchen einige Hinweise auf den alten Glauben gibt (z.B. die Dreiecke/Minipyramiden an der Mauer im Titelbild – auch die Kirchenmauer ist voll mit diesen.)

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Der Blick von oben – sehr schön!

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Oben angekommen mussten wir natürlich zuerst ein paar Fotos schießen ;). Die Atacamawüste ist nicht nur die trockenste Region der Welt, sondern auch, wie unschwer zu erkennen ist, die mit dem klarstem Himmel weltweit. Daher gibt es hier auch einige Sternwarten bzw. Observatorien, wie z.B. ALMA oder das (europäische) im Bau befindliche Extremely Large Telescope (Heißt übrigens wirklich so. Ist die europäische Antwort auf das amerikanische Very Large Telescope . Auch wirklich. Leider wurde das Overwhelmingly Large Telescope abgeblasen – aber was soll man über die Kreativität von Astrophysikern schon sagen…)

Von oben auf der Düne hat man übrigens einen Wunderhübschen Blick ins Tal, bzw. den Kessel, der von hier fast wie ein Krater aussieht. Generell ist die gesamte Landschaft in der einen oder anderen Form durch vulkanische oder tektonische Aktivität entstanden – man sieht noch oft die Spuren verschiedener Ausbrüche als verschiedenfarbige Schichten im Gestein. Der Sand selbst besteht auch aus rötlichem Vulkangestein und schwarzer Asche, was zu der besonderen Farbe führt.

Auf der anderen Seite der Düne gab es einen weit eren Aussichtspunkt, wo wir noch ein paar Fotos machten, bevor wir uns auf den Weg durch das Tal machten, wo uns am Ende eine Gesteinsformation namens „Los tres Marias“(„Die drei Marien“) auf uns wartete. Hier konnte man mit etwas Fantasie (und wohl auch etwas Durst) in drei Gesteinsformationen drei Marienstatuen betrachten.

Wem sich fragt, wo die dritte Maria ist, sollte der Fairness halber gesagt werden, dass die drei Marien eigentlich die „zweieinhalb Marien“ sind, seit ein Tourist mit der linken Maria besteigenderweise ein Selfie machen wollte – das Salzgestein brach und das war’s mit den drei Marias. Mir persönlich war der Dinosaurierkopf (auch Pacman genannt) links von den Marien sowieso etwas sympathischer.

Salz ist im Valle de Luna übrigens fast allgegenwärtig. Früher hieß die Gegend „Las Salinas“ und wurde fast ausschließlich für den Salzabbau genutzt. Auch bei der Durchfahrt durch das Tal sieht man oft kleine schimmernde Flecken, die wie Wasser oder Metall aussehen, aber reines Salz sind. Mein Bart schmeckte noch am Abend salzig…

Die letzte Station war der „Mirador de Coyote“, der „Kojoten-Aussichtspunkt“. Hier sollten wir bei rasch abkühlender Temperatur den Sonnenuntergang bestaunen können. Außerdem gab es Empanadas zu kaufen, um den langsam aufkommenden Hunger zu stillen.

Am Abend war ich erschöpft genug, nach dem Essen fast direkt ins Bett zu fallen. Der erste Tag in der Wüste war spannend gewesen.