Es ist ja nun der Frühling ins Land gezogen, und das heißt man kann endlich hinaus gehen und die Natur genießen. Dazu ein kurzes Resümee:
schönes Wetter
Plaza de Armas
von der anderen Seite
Straßenkünstler
Graffiti
Der Reihe nach: ein Haus bei schönem Wetter, der Plaza de Armas (Hauptplatz), ein Straßenkünstler und Graffiti: Graffiti gibt es fast überall in irgendeiner Form, und fast immer ist es künstlerisch sogar sehr interessant! Außerdem: bei schönem Wetter kann man an vielen Kreuzungen Straßenkünstler sehen, die sich bei den an den Ampeln wartenden Autofahrern ein Trinkgeld dazuverdienen: bis jetzt waren am eindrucksvollsten: Fackel-jonglage bei Nacht, Schwert-jonglage bei Tag und Jonglage auf dem hohen Einrad (abgebildet). Man überbietet sich offenbar immer mehr.
Außerdem gibt es in der Nähe von meinem Haus eine Uni (die Inacap) mit Boulderwand, die wir endlich mal bei Schlechtwetter ausprobiert haben: Der Mensch am ersten Bild an der Wand ist übrigens genau der Guide, mit dem ich damals nach Siete Tazas gefahren bin und den wir zufällig getroffen haben – klein ist die Welt.
Ich
Darüberhinaus war eine Kulinarische Messe in der Stadt (genauer: beim Stadion): wer mich kennt, weiß das man sich sowas als guter armer Student nicht entgehen lassen darf:
Carne Asado
Live-Kochen
das Bierzelt
und mehr Fleisch
Es gab vor allem viel zu bestaunen und kosten: Von Chilipaste (Aji) über Dulce de Leche (Manjar) bis hin zu Araukarien- und Pfeffermarmelade und Eisröllchen war alles dabei: Sogar einen Kebapstand gab es (auch wenn der Besitzer es Shawarma nannte – wir wissen trotzdem alle wie es wirklich heißt) Dazu: Livemusik und eine Superstimmung. So gestärkt sollte es für den nächsten Tag kein Problem sein, etwas früher aufzustehen und eine Reise in eine ehemalige deutsche Kolonie zu unternehmen… aber dazu später mehr.
Und wie die Zeit verfliegt! Kaum angekommen, ist schon der Großteil des Semesters vorbei und es bleibt nur mehr ein Monat, bzw. etwas mehr der Reise übrig!
Ja, ich habe tatsächlich geschafft, zwischendurch auf den Kalender zu schauen und bin zu dem Schluss gekommen, dass meine Klassen ziemlich alle noch vor Weihnachten aufhören.
Die Zwischenzeit wurde unter anderem aufgelockert mit:
tanzenden Kindern
Klettern
Workshops
Feiern
Halloween
Tanzen, Klettern (abgebildet: nicht meine Kollegen), ein Artificial-Intelligence Workshop (abgebildet: ein „Roboter“), einer Feier zur sechsjährigen Akkreditierung der Uni und Halloween.
Dazwischen: Klassen, Lernen, Prüfungen und Präsentationen. Aber auch Spaß mit Extranjeros (Austauschstudenten) und Chilenen. Ich habe beim Mittagessen vor längerer Zeit eine Spanischlehrerin kennengelernt und mich sofort für den Kurs angemeldet, also kommt zu dem Ganzen noch ein Sprachkurs dazu :). Der Inhalt des Workshops zur AI deckte sich lustigerweise ziemlich genau mit den Inhalten der Vorlesungen die ich gerade besuche… spannendes Zeug.
Zu Halloween war ich zu einer Hausparty auf dem Land, bei der Freundin einer Freundin eingeladen, insgesamt lässt sich sagen: gutes Bier, gutes Essen, und die Südamerikaner tanzen auch mal 5 Stunden durch. Ich hab mein Bestes gegeben, dabei mitzuhalten. Zum Abschluss gab es dann noch Karaoke spanischer Klassiker, von denen ich genau keinen einzigen kannte. Die haben eine komplett andere Musikkultur die Lateinamerikaner… für mich haben sie dann aber auch ein englisches Lied aufgegabelt 🙂
Das Wetter wird übrigens immer schöner: Der Frühling ist zwar im Süden noch oft mit Regenschauern gebrochen, schaut aber immer stärker vorbei:
Und wir wissen alle, was das heißt: Richtig, es ist Weihnachtszeit!:
Sobald Halloween vorbei ist, sind natürlich sofort die Geschäfte fleißigst und pünktlich mit Weihnachtsdeko vollgestopft. Etwas befremdlich, dass die ganzen Schneemotive immer noch dabei sind, obwohl sie eigentlich überhaupt nicht zur Jahreszeit passen. Laut Erzählungen muss also der arme Kerl, der den Weihnachtsmann spielt, nicht nur ordentlich schwitzen, sondern auch sich gefallenlassen, wenn die Kinder seinen Bart mit klebrigen Eisfingern vollschmieren … brrr.
Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen: Mir wurde der beste Cupcakeladen Temucos gezeigt (lecker), die Mexikaner haben ein kleines Fest veranstaltet (fein) und der deutsche Einfluss zeigt sich auch in örtlichen Bierstuben:
Cupcakes
Weißbier
Mexiko
in diesem Sinne: Grüße aus Chile und bis zum nächsten Mal!
Nach längerer Pause möchte ich nun einen kleinen Einblick in den Alltag in Temuco geben:
Die beiden Autos stehen erstens in meiner Nachbarschaft (man beachte die ganzen Flaggen zum Nationalfeiertag) und zweitens im Weg auf meinem Weg zum Collectivo, den ich jeden Morgen auf die Uni beschreite. Warum habe ich gerade dieses als erstes Bild gewählt?
Hauptsächlich weil ich es lustig finde und es außerdem eine gute Metapher für meine Ansicht der Chilenischen Gesellschaft ist – ziemlich zwiegespalten zwischen Arm und Reich (nicht das das linke Auto billig wäre) und ziemlich besessen von Statussymbolen sei es Ausbildung, Sprache (Chilenisch oder „gutes“ Spanisch), Lebensstil etc.
Außerdem stehen die Chilenen generell auf Süßes aller Art – Kuchen, Torten, Kekse (die Standardwegzehrung schlechthin – „Wer will einen Keks?“ – auf Reisen öfters gehört (heute hat sogar ein Professor in die VO Kekse für uns Studierende mitgebracht …))
Passend dazu gibt es im Zentrum einen Schokoladenladen (höhö, Wortwitz):
Schoki
mehr Schoki
Torten
Die freie Zeit hier vertreibe ich mir hauptsächlich mit diversen Kursen (Klettern, Sprachkurs etc.) und damit, Fotos zu machen. Übrigens ist mittlerweile tatsächlich der Frühling im Süden angekommen:
Ein Gang
Vögel
und der Blick auf die Wiese
Weitere interesssante Beobachtungen: Nescafé ist der Kaffee #1 in Chile (wiesooo?), Mittwochs ist die Cafeterie mit ungefähr gefühlt der ganzen Uni gefüllt (es gibt nämlich Hänchen mit Pommes (offenbar gab es einmal nämlich eine Zeit, in der alles, außer eben diesem Gericht ungenießbar war, was dazu führte dass Mittwoch der einzige Tag war, an dem man ungefährdet zur Mensa konnte. Die Tradition hat sich trotz mittlerweile leckerer Alternativen erhalten.) Und ich bringe meinen Kollegen am Institut in der Freizeit Deutsch und etwas Englisch bei. Außerdem spielen noch viele Studenten Pokémon Go, offenbar.
Ein GANZES REGAL Nescafé
die Mensa, Mittwochs
„Deutsch“
Pokémon Go ist in!
Und wo geht man in Chile am besten auf ein Sandwich? Richtig, in:
so heißt das
ein Diner wie in Filmen der 80er
die Brote sind übrigens riesig
einem Diner im Stil der 80-er Filme mit passender Musik (80er- gibt eigene Radiostation dafür (nennt sich Radio Edelweiss – ehrlich)). In Chile läuft die Zeit eben etwas anders. Ich habe letztens Auf der Uni sogar Moonboots und Trompetenhosen gesehen (nicht in Kombination). Ich weiß zwar nicht, was die Mode derzeit in Europa macht, aber ich hoffe zumindest nicht das.
So, ein paar Bilder hab ich noch zum Ausklang, dann gibts beim nächsten Mal mehr von einem Ausflug aufs Land und einem in die Stadt.
Von der Gastfreundschaft der Chilenen hab ich ja schon einmal berichtet. Es dauert offenbar oft nicht lang, bis man von einem Bekannten zum Grillen („asado“) eingeladen wird. (Ist hier so ewas wie ein kleiner Nationalsport).
Auch bei mir war es nun soweit – ein Kollege von der Uni hat mich zu einem Bekannten von ihm eingeladen, in dem Örtchen Licán Ray, nahe einiger sehr touristischen Orte (weil sie halt an Seen liegen). Drei Tage sollte es dauern und eine Tour durch die eher ländlicheren Gebiete in der Region werden.
Wir brachen einen Tag früher als geplant auf, da der Wetterbericht allgemein für die nächste Woche schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.
Nach einer sehr lehrreichen Tour „Das sind Koniferen“ / „Hier gibt es einen großen Rindermarkt“ / „Ich mag das Land“ über die Autobahn kamen wir im Örtchen an.
Dort trafen wir den Freund meines Kollegen und ich merkte sofort, dass das mit der Kommunikation schwierig werden würde – ich verstand ca. 1% des Gesagten – am Land reden die Leute offenbar auch hier anders. Nichtsdestotrotz ging der erste Trip zum nahegelegenen See, der zwar etwas kalt, aber trotzdem wunderschön war.
Danach kauften wir Fleisch für die Grillerei am Abend ein und schauten auch in der Bäckerei vorbei – abgeblidet: viel Süßkram (ich hab die Roulade mit Manjar probiert – lecker)
Nach einigen Vvorbereitungen und Musiktests (mein Kollege und sein Bekannter spielen beide in einer Band (nicht der Gleichen)), die im nahegelegenen Schuppen stattfanden konnte es auch losgehen: klassisch wird beim chilenischen asado das ganze Stück Fleisch nur mit etwas Salz gewürzt über dem Feuer für 2-3 Stunden gebraten, damit es im eigenen Saft kocht. Damit es nicht zu langeweilig wurde gab es noch ein paar Langwürste dazu: „Die sind gut, die Langwürste!“, wie mein Kollege, Alejandro zu sagen pflegte.
ein asado
Zu dem Ganzen gab es Bier (mit Zitrone und Salz verfeinert – überraschend gut) und Brötchen für das Fleisch, zusammen mit ein bisschen Chilisauce (von dem Freund einer Bekannten im Ort erzeugt und sehr scharf) . Dieselbe Bekannte und noch zwei weitere Kollegen tauchten dann im Laufe des Abends auch mit Nachschub auf. Ich zeigte, dass man auch Ananas in Scheiben grillen kann und dafür wurde mir der nationale Volkstanz „Cueca“ beigebracht und die dazugehörige Musikrichtung gleich mitgezeigt. Verstanden habe ich allerdings immer noch nichts. Ich machte mich bis auf einige Kleinigkeiten („Mehr Energie! Als Mann muss das ganze mit noch mehr Kraft passieren!“) meiner Meinung nach ganz gut. Zum schluss Spielte ich den Leuten einige Österreichische Volksmusik vor und ließ mir ein Bisschen über chilenische Musik erzählen.
Am nächsten Tag stand die Wahl zwischen einer weiteren Grillerei in der Nähe des örtlichen Vulkans oder auf einem Hügel mit schönem Blick über den See. Als Vulkanaficionado wählte ich natürlich den Vulkan – obwohl ich später daraufkam dass das ganze eigentlich eher „in der Nähe des Anfangs des Vulkanes“ hieß. Trotzdem schön.
der Vulkan
Villarica
das Tal mit Ziegen
Die obigen Fotos entstanden bei einer Pause um die Kühlflüssigkeit auskühlen zu lassen, denn der Weg in den Nationalpark ging über Stock und Stein über unausgebaute Straßen. Dafür war oft lange auch kein Mensch zu sehen, und die einzige Gesellschaft einige Kühe. Als es nicht mehr weiterging (zu viele Steine am Weg) beschlossen wir, das der Ort an dem wir uns befanden ein perfekter Grillplatz war und machten uns ans Werk, aus dem Vulkangestein eine Feuerstelle zu basteln. Ich spazierte während dem Warten aufs Fleisch ein wenig herum und fand eine schöne Lichtung direkt daneben, von der aus man den Vulkan super sah.
ein Rundblick
unser Grillplatz
das Essen
Kühe
Zu essen gab es Schweinekotletts, die auf Spanisch sehr ähnlich heißen (chuleta) und Paprika in denen -offenbar typisch chilenisch?- Eier gegart wurden. Leider dauerte das ganze etwas lange, der Teller/Holzklotz den wir dabeihatten musste also auch noch als Deckel für die Paprika herhalten. Von dem unteren Teil des erstarrten Lavastromes auf dem wir uns befanden schauten uns dabei einige Kühe skeptisch beim Grillen zu. Ansonsten wurde die Stille nur von einem motivierten Mountainbiker durchbrochen.
Derart gestärkt brachen wir dann auf, wieder nach Licán Ray zurückzukehren und dabei die zweite Option des Tages zu besichtigen: den Hügel mit Ausblick. Anbei: der rechte Vulkan befindet sich in Argentinien – im Süden sind die Anden kleiner.
Wolken
Sonne im Rücken
der See
der Ort
Lican Ray
Wettertechnisch hatten wir wirklich Glück (und gute Planung), da wie am Foto zu sehen am Ende schon einige Wolken auftauchten. Zuguterletzt zogen wir uns nach dem langen Tag wieder ins Haus zurück und versuchten interessiert einen Film über die Geschichte Chiles zu schauen, bevor wir uns alle darauf einigten, dass wir müde waren und Morgen ja auch mal raus mussten. Der letzte Tag der Reise war für einen Besuch eines anderen Bekannten in Villarica geplant. Leider regnete es stark und wir konnten nicht wirklich rausgehen, aber dafür gab es selbstgemachte Empanadas und ich konnte auch einen echt chilenischen „Terremoto“- Cocktail probieren (Wein, Ananas-Eis, Grenadine, Rum) – ein Nationalgertänk zum Nationalfeiertag.
Nach all der Reise war ich schon ziemlich erschöpft. So schön alles auch war, hatte es doch auch was wieder im Süden zu sein – bei erfrischenden 10 Grad außen- und Innentemperatur… Ein kleines Bisschen vermisste ich den Norden schon.
Aus genau diesem Grund hatte ich auch (schon lange) vor, einmal einen Thermenbesuch zu machen um mich einen Tag lang richtig aufzuwärmen. Thermen gab es ja aufgrund der vielen Vulkane genug. Zufälligerweise war gerade einer meiner Bekannten zu eben so einer Therme unterwegs – in der Nähe von Villarica, dem Ort und dem gleichnamigen Vulkan. Laut Bewertungen war es zwar im Umkleideraum und Warteraum kalt, aber daran war ich eh schon gewöhnt.
Villarica aus der Ferne
Früh am Morgen ging es los
etwas näher
noch näher
und da sind wir
Nachdem wir uns frühmorgens bei der Universität trafen (die Forscherstatue am Hintereingang forscht übrigens doppelt so schnell wie der vorne – man beachte die zwei (!) Teleskope), fuhren wir gemeinsam mit ein paar Senioren (es war ein Betriebsausflug der Unibediensteten wo seine Freundin dabeiwar) los. Auf dem Weg konnten wir sogarwunderbar den Vulkan Villarica betrachten, der zu dem Zeitpunkt gerade eine kleine Rauchfahne hatte (ist einer der aktivsten Vulkane der Region).
Die Therme selber war sehr angenehm – Becken mit verschiedener Tiefe, mit verschiedener Temperatur und all das übliche Blabla. Das Wasser selbst kam hier nicht natürlich ans Tageslicht sondern wurde mit Pumpen aus der Tiefe heraufbefördert. Während ich also die Wärme genießend dalag, wurde mir von meinen Begleitern erzählt, dass diese Therme ja gar nicht natürlich sei, und überhaupt die Becken aus Beton und nicht Naturstein waren und ich also unbedingt die „echten“ Thermen probieren müsste. Mein Bekannter – David – war aus Venezuela, ebenso wie seine Freundin, also machten wir gemeinsam dem zehnjährigen Jungen, den eine andere Bekannte (übrigens Sekretärin am Matheinstitut – nicht meines) von ihm mitgebracht hatte mit Schauergeschichten über wilde Tiere aus Österreichische und Venezuelanische Angst – zumindest versuchsweise, er zeigte sich nämlich begeistert und wollte immer mehr wissen. Tja.
In der Mittagspause nach dem Essen suchten wir zwar erfolglos einen Weg zum Spazierengehen, fanden aber die Bedienstetenhäuschen und eine Seilrutsche und machten ein Paar Fotos. Am Nachmittag hatten wir sogar das große Becken für uns allein uns sprachen über Nationalfeiertage, Kekse zu Weihnachten im Sommer (gibt es hier) und Chilenisches Sushi (anders als das japanische, offenbar).
Kurz über Venezuela: Soweit mir erzählt wurde ist es ein wunderschönes Land mit toller Küche und vielfältiger Landschaft, das allerdings momentan aufgrund der politischen Situation nicht für Reisende zu empfehlen ist (Der Präsident regiert seit einiger Zeit mehr oder weniger autokratisch und das Land befindet sich in einer tiefen humanitären und wirtschaftlichen Krise). Schade und eine Schande für die dortigen Menschen. Daher ist es auch verständlich, dass viele Venezuelaner, die es sich leisten können, das Land verlassen und in andere Länder ziehen, zB nach Chile. Einige andere Bekannte, ebenso aus Venezuela luden mich nämlich am Tag danach zu einem Venezuelanischen Markt/Kulturfest ein.
Am Morgen ging es mit einem Arepa-Frühstück los (lecker) nachdem wir uns zuerst zur wohnung den größten (zumindest gefühlt), bewohnten Hügel in Temuco hochgekämpft hatten. Meine Bekannte aus Uruguay, das ziemlich flach ist kam dabei schon ziemlich ins Schnaufen. Ich war zwar auch etwas außer Puste, konnte mir aber aus Österreichschem Bergsteigerstolz heraus natürlich nichts anmerken lassen.
Nach der Ankunft bei der Fiesta war noch alles im Aufbau, also ging ich naturgemäß zuallererst natürlich in das naheliegende Geschäft um zu Mittag zu Essen und bereute es fünfzehn Minuten später sofort: Es wurden Spezialitäten in Hülle und Fülle verkauft.
Temuco von – etwas – oben
Torten
Quesillo
Manchem wird aufgefallen sein, dass ich nur selten Fotos von unversehrtem Essen hochlade. Meistens kommt mir die Idee für ein Foto nämlich erst, nachdem ich probiert habe – oder ganz erst nach dem Essen. Nun, hier war es nicht anders: das Stück Quesillo, das fehlt war mein Verdienst (sehr lecker).
Nicht nur typisches Essen gab es, man konnte sich auch die Augenbrauen zupfen lassen, Kaffee oder Bananenblätter (?) kaufen, mit Leuten aller Klassen aus Venezuela plaudern oder die Tanzeinlage bestaunen: trotz wenig Platz war es erstaunlich was die Damen vorzuführen hatten.
Zu hören: der Announcer, der sich offenbar unbedingt selber hören wollte und mir dabei fast die Ohren zerschrie. Daher gingen auch ich und der Cousin meiner Bekannten hinaus um etwas die Sonne (und die Stille) zu genießen. Leider kamen just zu diesem Zeitpunkt die Tänzerinnen fürs Fotoshooting heraus. Wir waren also auf ein paar Fotos mit drauf bis sie uns höflich baten doch vielleicht derweil hineinzugehen. (Detail: die Röcke sind im Design der venezuelanischen Flagge)
Ja, ich hab zwar länger nichts mehr geschrieben, aber es ist auch nicht sehr viel aufregendes -zumindest für die meisten meiner Leser- passiert. Allerdings ist mir langweilig, also gibt es einen Blogpost. Gern geschehn.
Vor einiger Zeit habe ich versprochen, ich würde etwas über die Fortbewegung in Temuco erzählen, also los geht´s:
Collectivo 111
Micro
Das links etwas schlecht erkennbare Auto mit dem Schild auf dem Dach nennt sich liebevoll „Collectivo“ und ist sowas wie eine Mischung aus Taxi und Bus. Es gibt mehrere verschiedene „Linien“, die meines Wissens nach sogar von verschiedenen Firmen betrieben werden und die gewisse Routen im Kreis abfahren – in beide Richtungen.
Aber – werden sich jetzt vielleicht einige fragen – woher weiß man denn genau welches Collectivo wohin fährt? Immerhin gibt es ja keinen öffentlichen Fahrplan. Außerdem ist das nicht kompliziert, falls man mal mehrere Collectivos für eine Fahrt braucht?
Die Antwort ist einfach: Und wie das kompliziert ist! Ohne ortskundige Hilfe ist man relativ aufgeschmissen, allerdings findet sich schnell wer den man fragen kann, denn die Chilenen die ich bisher getroffen habe sind alle überaus hilfsbereit (Zitat mein Prof: „Das ist, weil du weiß bist!“). Eine Fahrt kostet jedenfalls 500 Pesos oder ca. 65 Cent – das Doppelte falls es eine sehr lange Fahrt ist (etwa von mir zum Busterminal am anderen Ende der Stadt) und in der Nacht 20 Cent mehr. Sehr erschwinglich, trotzdem regen sich einige Leute die ich kenne über den unerhört hohen Preis auf. Naja.
Die Collectivos gibt es übrigens in den logisch abfolgenden Nummern 11, 11A, 11P (fährt zum Busterminal) 111 mit rotem Hintergrund, 111 mit blauen Hintergrund (meine Boys), 21, 21A, und, ich glaube, 24. Darüber hinaus gibt es normale Taxis die ich aber noch nie benutzen musste. Wochenends und spät in der Nacht ist es schwerer ein Collectivo zu finden als zu Stoßzeiten, im Stadtkern findet sich aber immer etwas.
Rechts im Bild oben zu sehen ist ein „Micro“, eine Art Bus die nach dem selben Prinzip wie die Collectivos funktionieren – sie kommen wann sie kommen. Darüberhinaus, aber langweilig: normale Busse mit geregelten Abfahrtszeiten zwischen größeren Städten.
Bonusbilder:
Grafitti
Nebel
Der Forscher forscht auch bei Regen!
Von oben nach unten und links nach rechts: Graffiti auf dem Weg zur Uni, Nebel am Morgen (am Abend sieht es ähnlich aus, allerdings abgasbedingt) und eine wunderhübsche Statue, die man aus irgendwelchen Gründen nicht auf den Werbematerialien der Ufro zu sehen bekommt. Sie stellt – was denn auch sonst – einen Forscher bei der Arbeit dar, wie man sich das eben gemeinhin vorstellt. Ich persönlich finde die Statue herrlich.
Bonus – Titelbild: Ich habe einen Kletterkurs begonnen. Nicht im Bild: Ich.
Wenn man Menschen in Temuco fragt, was sie denn von ihrer bzw. dieser Stadt halten kommt meistens als eines der ersten Wörter immer dasselbe – „tranquilo.“ – ruhig. Das ist sowohl positiv als auch negativ gemeint – den einen gefällt es total einfach mal nicht viel um sich los zu haben und in einer relativ sicheren Stadt zu wohnen, die anderen hätten wohl gerne mehr Action und Dinge zu tun.
Wobei man sagen muss, dass es um Temuco einiges zu entdecken gibt- die Küste ist nicht weit entfernt, nur ca. eine Stunde mit dem Auto und es gibt in ähnlicher Distanz einige Seen und Naturparks zu entdecken. Heute will ich aber von etwas anderem schreiben. Es gibt nämlich durchaus auch in der Stadt einiges zu erleben wie zB dieses Wochenende eine Kolumbianische Fiesta im Stadion „German Becker“ (gesprochen „Herman Becker“ – wirklich. 😉 )
Erfahren habe ich davon hauptsächlich über eine Whatsappgruppe in der sich die „extranjeros“ also Austauschstudenten, vernetzen und einige Kolumbianer hatten dezidiert zu dieser Feier eingeladen – ich war sowieso in der Gegend, also hab auch ich mal vorbeigeschaut. Zu sehen und schmecken gab es einiges, viel Kolumbianische Musik und leckeres kolumbianisches Essen und viiele Snacks. Es gab sogar eine kolumbianische Tanzvorführung.
Nach einigem Durchprobieren (Arroz con Leche (eine Art Milchreis im Becher) – lecker!) ,natürlich alles – wie gewohnt – sehr süß, und kurzem Suchen (mein Handy hatte nur vorm Klo Empfang) fand ich dann auch die Studenten aus Chile bzw. Kolumbien und wir gingen Essen. Mir wurde wärmstens die Arepa empfohlen, ein Maisfladen gefüllt mit Huhn oder Rind und Salsa. Meine Kollegen bekamen ihr Essen innerhalb einer Minute – sehr flott also.
Mein gesuchter Stand befand sich direkt am Eingang und hatte bereits eine kleine Menschentraube angesammelt -ein gutes Zeichen! Nachdem ich mich zehn Minuten angestellt hatte, wurde mir auch klar, warum: in dieser Zeit brachten die Betreiber nämlich nur gefühlte drei gefüllte Fladen aus. Sie machten nämlich sämtliche Fladen frisch und hatten wohl mit dem großen Ansturm nicht wirklich gerechnet. Die vier Damen hatten es allerdings auch nicht besonders eilig. Dazu kam erschwerend, dass im Ausgabeplan zwei Herren sich offenbar wohlwissend früher angestellt und dann abgesetzt hatten, sodass immer wieder Pause eingelegt werden musste um festzustellen, ob denn die Besteller wieder da wären („Benjamin? Claudio?“). Ich stellte in der Zwischenzeit auch fest, dass so ein Maisfladen durchaus zehn bis fünfzehn Minuten gebacken werden muss, bis er gefüllt werden kann und dass insgesamt vielleicht 6 Personen gleichzeitig auf die Bestellungen warteten bis die neuen aufgenommen wurden. Einige „Benjamin?“ und „Claudioo?“ – Durchsagen später kam nach einer halben Stunde gottseidank ein Kollege mit einem Kaffee vorbei um sich zu erkundigen, wie es mir denn ginge. Ich war zu diesem Zeitpunkt relativ tief in der sunk-cost-fallacy versunken und versicherte ihm, dass ich sicher gleich meine Bestellung aufgeben könnte, dann wäre es praktisch eine Frage von Minuten. Nach einer weiteren Viertelstunde hatte ich mich immerhin an die Vorfront vorgearbeitet, wo mittlerweile geschnittene Arepas mit Käse an die auf ihr eigentliches Essen wartenden Menschen verteilt wurden – sozusagen als kleine Entschädigung für die Wartezeit. Waren sehr lecker. Zu etwa diesem Zeitpunkt kam auch Benjamin (Claudio?) vorbei und wurde natürlich vor uns mit seinem Essen versorgt – zu diesem Zeitpunkt war ich schon etwas neidisch. Als ich dann aber drankam, konnte mir auch nicht der alte Herr, der sich vordrängelte (oder war er wirklich vor mir dagewesen? – Ich passte nicht mehr so ganz auf.) die Stimmung vermiesen. Fazit: die Arepa schmekt genau so, wie man sich es vorstellt – Maisbrot mit Hünchen und einer Soße. Eigentlich ganz lecker.
Kolumbianische Tänzerinnen
Die darauffolgende Tanzeinlage war auch so wie man sich es vorstellt: bunt, laut, und voller Farben. Ich hätte vielleicht 20 Dezibel weniger vertragen, bin aber auch bei den Lautsprechern gestanden. Alles in allem – eine spannende Erfahrung. Ein großes Lob auch an die Tänzerinnen und Tänzer die den niedrigen Temperaturen in Temuco mit Kolumbianischer Hitze begegneten.
Das Beitragsbild zeigt übrigens einen Teil meines Wegs zur Uni – eine stillgelegte Eisenbahnstrecke Richtung Meer wurde hier zum Rad/Fußweg umfunktioniert. Daneben befinden sich einige Spielplätze (für Kinder) und Trainingsplätze mit Stangen (für Erwachsene).
Zum Schluss noch ein kleiner Blick auf die Uni: wie fast überall gibt es nach Ende der Prüfungszeit musizierende und entspannende Studenten. Neu für mich ist der Kollege mit dem Schlauch in dem Mund: er raucht nicht etwa, sondern spielt ein luftbetriebenes Keyboard, das Melodica genannt wird. Auch nicht schlecht.
Der Flug von Madrid nach Santiago war dann im Vergleich zu dem bisherigem Erlebten fast zu unspektakulär. Es gab Filme (Pulp Fiction), Essen (Hamburger und Kaffee) und Nichts zu sehen (Kein Fensterplatz und Nacht). Beim Anflug auf Santiago entstand das Bild auf der ersten Seite meines Blogs, alles in allem war der Atlantik aber doch bald bezwungen.
In Santiago selber hatte ich dann noch drei Stunden zu warten. Die Spannung war groß: würde mich mein „Padrino“ wie besprochen trotz der Verspätung abholen? (Ja). Würde mein Handy auch in Chile funktionieren (eigentlich keine Frage die ich mir damals stellte, aber dafür mit umso überraschenderer Antwort – nein.) Und was konnte man in Santiago am Flughafen so alles machen? (Kaffee trinken und shoppen).
Der Flug von Santiago nach Temuco kam mir dann fast wie eine Formalität vor – was sind schon zwei Stunden Flug (eigentlich 1,5) gegen eine Reise von zwei Tagen? – Eben.
In Temuco hatte ich bald meinen Koffer abgeholt und meinen Padrino Bastian gefunden. Er fuhr mich direkt zum Haus, in dem ich zumindest das nächste Monat wohnen würde – Ich war in Chile.
So, jetzt ist es soweit, ich habe meinen eigenen Blog.
Der Content wird sich erstmal hauptsächlich über meinen Aufenthalt in Temuco, Chile drehen um Freunde und Familie am Laufenden zu halten. Mit der Zeit werde ich idealerweise immer wieder Posts und Bilder reinstellen um ein bisschen zu dokumentieren was ich so mache.
Das Foto unten ist im Flug entstanden: Beim Anflug von Santiago, über den Anden ist nach 12-Stündigem Flug gerade die Sonne aufgegangen und hat uns gezeigt, wo wir gerade drüberfliegen; Ich selbst bin zwar nicht am Fenster gesessen, aber zwei nette Mitreisende haben für mich dieses Foto geschossen.