Hohe Berge und flache Täler

In den Anden ist die Höhe für die sie ungewohnte Menschen (wie mich) allgegenwärtig. Interessant ist, dass es im Vergleich zu zB Österreich keinen krassen Übergang zwischen „Hoch“ und „Tief“ gibt – man fährt einfach nach Osten und, ohne große Steigungen zu überwinden, ist man auf einmal auf vier Kilometern Seehöhe. So sollte es auch an diesem Tag werden.

Am zweiten Tag stand nämlich eine Ganzgagestour zum „Salar de Tara“ an. Die Route zur Salzpfanne war zwar laut einigen anderen Agenturen gesperrt, wurde hier aber trotzdem angeboten (über eine etwas rumpeligere Nebenroute) – „High“light der Tour: ein Zwischenstopp auf 4800m Seehöhe und eine Besichtigung von vulkanischen Findlingen.

Geführt wurde die ganze Tour von Alex, einem in Schweden geborenen und lange in Chile lebendem Sohn von spanisch/schwedischen Eltern. Der erste Stopp fand auf ca. 3300 Metern statt, um zu Frühstücken und sich an die Höhe zu gewöhnen. Zitat: „Wir könnten da vorne stehen bleiben, aber der Blick ist fast der gleiche und hier gibt es Llamas.“ Der Blick auf den Vulkan Licancabur war tatsächlich sehr schön. (Der Vulkan hat übrigens einen Kratersee, in dem winziges Leben besteht und man kann sogar darin tauchen… wenn man will.)

Weiter nach oben wird die spärliche Vegetation immer weniger – eine Art Indikator für die immer dünner werdende Luft in der Höhe. Am höchsten Punkt der Tour angekommen, war es fast kaum zu glauben, dass es so hoch ist: keine Täler, nur Berge:

Unten angekommen konnten wir die Vulkanischen Steine betrachten, die aufgrund der Erosion interessante Formen angenommen hatten: die bekannteste davon ist wohl der „Indianerhäuptling“, in dessen oberen Part man mit etwas Fantasie ein Gesicht erkennen kann:

An der Lagune wurden wir über die Wichtigkeit, die Natur zu schützen und das natürliche Gleichgewicht in dem fragilen Ökosystem nicht zu stören aufgeklärt: dasselbe wurde von einigen anderen Touristen offenbar gekonnt ignoriert; sie befanden sich direkt am Wasser und belästigten einige Flamingos und Guanacos.

Trotzdem sehr schönes Wetter, wenn auch wie an den Bildern zu erkennen etwas kalt :).

Dann ging es durch die Hochebene und rumpelige „Straßen“ zu unserem Hauptziel: dem Salar de Tara:

Hier ging ein ordentlicher Wind und das Mittagessen stand an, also suchten wir uns den einzigen windgeschützten Platz der Ebene, hinter einigen Felsen und in einer kleinen Mulde und warteten. Der Blick war ebenso wie das Wetter wirklich wunderschön, angefangen von den schwarzen Felsen links im Bild (in der Ferne) bis über die Salzebene zu den Bergen dahinter. Aufgrund der geschlossenen Hauptroute waren wir sogar die einzigen Touristen in der Gegend.

Dann ging es über die Wildnis zurück zur Straße, wo einige Mitreisende unbedingt noch für Zuhause Fotos (im Gehen, im Laufen, im Springen, im Sitzen etc.) machen mussten, das alles bei klirrend kaltem Wind – Respekt.

Dann ging es über die „Laguna Diamante“, eigentlich ein Baggersee, der für den  Straßenbau ausgehoben wurde, und sich danach mit Schmelzwasser gefüllt hatte, das nun gefroren war – ein Highlight für die Brasilianer der Tour. Dann waren wir abber fast schon wieder zurück zum ersten Aussichtspunkt, wo wir uns vor dem letzten Wegstück mit einer kurzen Pause wieder an tiefere Gefilde akklimatisierten.

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Der erste und letzte Aussichtspunkt der Tour

Die Llamas waren leider schon weg. Ein Fakt am Ende: der zweite sichtbare Berg ist ebenso ein Vulkan wie der erste, man kann noch die Kegelbasis erkennen. Allerdings hat eine Explosion vor (ich glaube) einigen Millionen Jahren die gesamte Spitze abgerissen. Übrigens sind etwa 80% aller Berge im direkten Umkreis von San Pedro Vulkane – zumindest laut einem anderen Guide. Doch dazu später mehr…