Mit meinen neuen deutschen Bekanntschaften aus den vorvorherigen Beiträgen suchten wir am darauffolgenden Abend noch eine Bar für einen Abschiedstrunk. Überraschenderweise gibt es in San Pedro fast nur Restaurants, die auch nur Getränke UND Essen gemeinsam verkaufen, allerdings nicht getrennt – komisch.
Davor waren wir in einem Restaurant mit Sitzgarten gewesen, was spät abends doch sehr kühl werden konnte. Immerhin gab es eine Bierverkostung mit echt atacamesischen Biersorten zu probieren – und zwar gratis! Die Biere waren leider eines schlechter als das andere, dafür mit vielen interessanten Zutaten gebraut. Wir einigten us darauf, dass das Reinheitsgebot wohl tatsächlich seinen Grund hatte und sprachen statt über das Bier über den hervorragenden chilenischen Wein. Danach war es allerdings, wie gesagt, etwas kalt und die Suche nach der neuen Sitzgelegenheit begann. Nach einer kurzen Wanderung durch die Straßen kamen wir zu dem Schluss, dass es in San Pedro genau eine einzige Bar gibt, die nicht gleichzeitig ein Restaurant ist – die war allerdings leider erstens sehr laut und zweitens voll. Also ging es weiter – im Minimarkt kann man übrigens auch kein Bier kaufen wie wir noch im Vorbeigehen feststellten.
Erst als wir fast schon fast aufgeben wollten, fanden wir ein Restaurant das, am Ende eines etwas versteckten Ganges, in einen Innenhof gelegen, auch gewillt war, „nur“ Getränke auszuschenken – zumindest hatten wir die Bestätigung des Kassiers – gut genug für uns. Der Kellner wollte es uns anfangs nicht ganz glauben, auf den Verweis auf den Kassier hin willigte er aber ein und stellte uns (alibihalber) ein paar Brötchen mit Aufstrich hin – für die wir später nichts zahlen mussten. Der Abend war alles in allem sehr schön und ich freue mich sehr, so nette Bekanntschaften geschlossen zu haben.
Am nächsten Tag war eine Tour mit meinen Zimmergenossen zum „Valle del Arcoíris“ geplant – dem Regenbogental (arco wie arc und iris wie Regenbogenhaut). Hierzu wurde zuerst die billigste Agentur gesucht und voll ausgenutzt, dass wir sechs Studenten waren (Massen – UND Studentenrabatt). In der Früh ging es dann auch los, zuerst zu den Petroglyphen (Felszeichnungen), die in einen riesigen, – natürlich- vulkanischen Stein geritzt waren, der sich in der Nähe auf einer Ebene befand. Der Fels diente wohl als Rastplatz für vorüberziehende Karawanen von Indios, die sich hier während der Pause künstlerisch betätigten – man sagt, dass sie für jeden Tag der Reise bisher ein Tier in den Fels ritzten ( diese Praxis gab es noch bis vor nur 500 Jahren – die „Vorgeschichte“ in Amerika ist wesentlich jünger als in Europa!). Allerdings gab es nicht nur „alte“ Zeichnungen, sondern auch „neue“, wo heutige Touristen ähnlich mitteilungsbedürftig waren wie die Menschen vor tausenden von Jahren.
Unser Guide erklärte uns auch, was wir denn von den verschiedenen Zeichnungen wissen, nämlich offenbar fast nichts. Oft ist es nicht einmal klar, was genau das Tier darstellen soll, sei es Guanaco, Vicuña oder Llama. Es gab auch einige mystische Zeichnungen von Fabeltieren oder Gottheiten. Außerdem interessant: viele abgebildete Tiere sind in der Region nicht einmal einheimisch. Die Menschen wollten offenbar die für sie unbekannten Tiere, die sie aus anderen Gebieten mitgebracht oder auch nur gesehen hatten verewigen. Auch klar – alltägliches hält man nicht unbedingt fest. Unser Guide, Oswaldo, erzählte nicht nur von alledem, sondern auch davon, wie man denn „neue“ von „alten“ Ritzereien unterscheidet. Danach gab es ein mittelmäßiges Frühstück (wir hatten immerhin die billigste Tour), aber die Gruppe neben uns aß nicht auf, und so kamen wir dennoch in den Genuss der höchst qualitativen Brötchen und Kekse – hat sich also gelohnt.
Danach ging es zum eigentlichen Kernstück der Tour – dem Valle de Arcoiris oder Regenbogental. So genannt nicht, weil es etwa so schöne Wasserfälle gibt, sondern, weil es in diesem Tal Felsen in (fast) allen Farben des Regenbogens gibt. Oswaldo fragte uns zuerst, ob wir denn Spanisch verstünden („natürlich!“) und begann dann über die geologische Entstehung und tektonische Geschichte der Region und der Gesteine allgemein zu erzählen – auf spanisch. Leider merkten wir das unser Vokabular für derart technische Erläuterungen etwas mangelhaft war. Dennoch nahmen wir einiges aus den anschaulichen Zeichnungen, die er mit dem Messer in den Sand ritzte mit. Und fünfzig Prozent verstanden wir immerhin allemal. Das Tal ist übrigens sehr schön und nicht einmal naturgeschützt, man kann also Steine mit nachhause nehmen, was z.B. im Valle de Luna verboten ist.
Wir machten eine kleine Wanderung um den Größten „Hügel“ herum, und auf der Hinterseite offenbarte sich eine Farbenvielfalt, die man in der Wüste für kaum möglich halten würde (klicken zum Vergrößern (wie alle Bilder im Blog übrigens)):
Auch interessant war eine Felsformation in den Farben der italienischen Flagge und die schroffen Felsen am „Ausgang“:
Am schönsten soll es hier übrigens abends und morgens sein – was man sich gut vorstellen kann. Es heißt, im Valle de Arcoiris hat man zu jeder Tageszeit neue Eindrücke wenn das Sonnenlicht im Laufe der Zeit auf die verschiedenfarbigen Gesteine trifft.
Auf der Rückfahrt plauderten wir noch ein wenig mit Oswaldo (jetzt auf Englisch), der zu viielen Themen etwas zu sagen hatte, von Politik in Südamerika über die besten Tourismuszeiten bis hin zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten im Umkreis und seinem persönlichen Werdegang. (Es gibt übrigens eine App mit der man sich sämtliche Erdbeben der letzten Tage in Chile und Umgebung anzeigen lassen kann – und somit die vulkanische Aktivität verfolgen kann.) Er selbst ist seit seinem siebten Lebensjahr auf den Bergen unterwegs und seit über zehn Jahren Guide in San Pedro. Er sieht auch ein bisschen aus wie ein Pirat- mit Goldohrring und nur einem funktionierendem Auge.
Für den nächsten Tag war eine der Hauptattraktionen der Region geplant: die Geysiere von Tatio. Es würde früh auf und hoch hinaus gehen, um fünf Zhr Abfahrt auf 4300 Meter Seehöhe bei -13 Grad. Wir waren gespannt.
