Fiesta de los Naciones – parte dos

So, weiter ging es also mit einer Zweimannband aus Haiti – eine stimmungsvolle Konstellation, begleitet von zwei Tänzern, die auch mal lustig waren – „Jetzt was auf französisch, wir sprechen alle Sprachen!“, wenn auch gelegentlich der Playback offensichtlich war. Die Chilenen waren gewohnt still und kühl, bei der Aufforderung mitzutanzen („Wer kennt diesen Tanz? Niemand?“) waren sie also wie erwartet eher schüchtern. Gerettet wurde das Ganze -natürlich – von den Venezuelanern, die daraufhin bei (fast) jeder Tanzeinlage mit Publikumspartizipation mit auf der Bühne standen – siehe Video zwei in der Liste:

Gefolgt wurde das ganze von den Vertretern der „Afrikanischen Gesellschaft Temuco“ (oder so ähnlich), die wieder ganz andere Rhythmen anschlugen – auch hier wurde natürlich wieder mit den Venezuelanern getanzt 🙂 – der Tänzer brachte den Neulingen die Schritte live bei, während der andere Kollege für den Beat sorgte.

Natürlich wollten sich dann aber auch die Chilenen nicht lumpen lassen, und führten eine spektakuläre Show des traditionellen Volkstanzes vor – Cueca: Dabei musste ich feststellen: Den klassischen 3/4 – Takt mit *klatsch* – *klatsch* – *pause* klatschen gefühlt 1/3 der Chilenen selber falsch – es lag also nicht nur an mir, das ich das anfangs nicht rausgehört habe. Die Cueca selber ist übrigens am Balztanz des Hahnes und der Henne angelehnt bzw. entnommen – mit viel Fußstampfen und Herumposieren- sieht man auf den folgenden Videos auch ganz schön. Besonderes Augenmerk liegt auf den klassischen Gewändern – (das der Huasos). (Die Videos sind übrigens sehr kurz, also nur ein kleiner Ausschnitt des gezeigten).

Dann ging es von Übersee weiter – Asien war mit China vertreten und eine Chinesin zeigte einen dynamischen Tanz mit Fächer, und ein Prof des örtlichen Chinesischinstituts zeigte einige sehr coole Tai-Chi moves. (Mein heimlicher Favorit!). Mit genau diesem hatte ich übrigens vor dem großen Rummel gesprochen, unter anderem über die Sprache – auf die Frage, wie lange man denn nun Chinesisch lernen müsste um es wirklich zu können meinte er, so sechs Jahre – ist also wirklich schwierig für Menschen aus unserem Kulturkreis, denen der Background fehlt.

Danach wurde es rhythmisch – eine brasilianische Sambagruppe trat auf. Nur aus Perkussion bestehend waren sie sehr laut. Mit dabei auch ein kleiner Junge, der zwischen den Acts immer wieder auf die Bühne rannte und jetzt offenbar genug Mut gesammelt hatte, auch selbst mitzumachen – auf Video 2 trommelt er sogar mit :D. Auch die Mitarbeiter des Brasilianischen Ständchens ließen es sich nicht nehmen mit Fläggchen bewaffnet auf die Bühne zu stürmen um den Samba mitzutanzen – ein bisschen Rio in Temuco.

Zum Abschluss gab es dann noch einen chilenischen Sänger bzw. Band, die eher traditionell spielte und im Vergleich zu allem Anderen sterbenslangweilig war. Die Omas im Publikum haben trotzdem mitgeklatscht, offenbar war das Lied bekannt („Ich glaube, auch wer das Lied nicht kennt, hat es trotzdem im Herzen“) – so der Sänger. Naja.

Zum Abschluss noch ein bisschen Essen: wusstet ihr, dass Erdbeeren ursprünglich aus Südamerika stammen? Hier verkaufen die alle möglichen Beeren im Sommer auf der Straße und machen leckere Desserts und Kuchen (heißt hier wirklich so!) damit.

Daneben: die klassischen chilenischen Mittagsgerichte, Cazuela und (im Hintergrund) Pastel de Choclo. Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

Ein Wochenende in Temuco

Zu den Vorteilen, die ein Austauschstudent genießt zählt nicht nur die Bekanntschaft mit anderen Austauschis, sondern auch die Bespaßung die die ansässige Bevölkerung für einen bereithält. Auf gut Deutsch: es gibt eigene Kurse bezüglich Kultur und Bräuche, die eigens für die Austauschstudenten angeboten werden. Zu solch einem hab ich mich kürzlich angemeldet (hauptsächlich, weil ein Ausflug zu einer Mapuche – Community geplant war und dieser mit einheimischer Küche in Verbindung stehen sollte).

Der Kurs erstreckte sich eigentlich über drei Tage, der erste mit einer kurzen Einführung in die Kultur der Mapuche, der zweite über die chilenische Sprache und der dritte mit der besagten Führung. Gut, am zweiten Tag hatte ich leider keine Zeit, aber dafür konnte ich die chilenische Sprache samt „Modismen“, also eigenen Wortkreationen (wie bei uns Paradeiser statt Tomate etc.) ja selbst jeden Tag mit eigenen Ohren hören. Am Tag der Führung traf ich also bei meiner Uni ein – praktisch! – und war mit ein paar deutschen – natürlich! – als erster da. Kein Problem, Regen stärkt schließlich die Gesundheit und so schlimm wie bei uns ist der Regen auch lange nicht – mehr so eine Art fallender Nebel.

Der Worte waren bald genug gewechselt, und wir brachen endlich zu der Mapuche-Community auf. Der Busfahrer verfuhr sich zwar einmal, aber dafür wurden wir den letzten Teil des Weges von einigen Einheimischen geführt – nett. Die Landschaft sieht übrigens gerade in der Region fast aus wie zuhause in Österreich am Land.

Nun wohlbehalten angekommen, wurden wir in ein Haus im Stil einer „Ruka„, also der traditionellen einheimischen Behausung geleitet und der örtliche „Erzähler“ redete mit uns über die Kultur, Kosmologie, Geschichte und momentane Situation der Mapuche in Chile. An der Wand hing eine typische Trommel, die offenbar sehr alt und in der Region offenbar berühmt ist – sehr unscheinbar.

Was ich unter anderem mitgenommen habe, ist, dass die Mapuche zeitweise kulturell ziemlich unterdrückt wurden (Verbote in der Schule die Sprache zu sprechen etc.), und dass nicht nur das Blut sondern auch die Tradition einen zum Mapuche macht. Die Ruka war übrigens gerade im Aufbau, also mehr ein modernes Wohnhaus im Stil einer traditionellen Behausung. Danach gab es lecker selbstgemachtes Essen mit lokalen Zutaten – Sopaipillas mit Getreide, Aji-Pebre soße mit Quinoa, Joghurtsauce, Honig, Haferkekse, Getreidekaffee, Quinoa – Marmeladennachtisch und selbstgemachte Getränke auf Quinoa – und Kräuterbasis – seehr lecker 🙂 (und komplett vegetarisch).

Draußen wurden wurden wir aufs herzlichste von den Mapuche verabschiedet, direkt bei der traditionellen Gebetsstelle beim den ihnen heiligen Zimtbaum.

Danach sollte es noch zu einem Wasserfall in der Nähe gehen. Dafür, dass die gesamte Landschaft sehr flach war, gibt es überraschend viele Wasserfälle, die offenbar einfach in ein Loch in der Landschaft fallen.

Danach war ich noch bei einem Kollegen eingeladen, auf eine kleine Grillerei. Derweil galt es aber noch etwas Zeit totzuschlagen: also auf auf einen Kaffee zu Omas Brot (das Kaffeehaus / Geschäft, nicht das Gebäck). Zu sehen: das berühmte Bier mit Zitrone und Salz, im Tequilastil.

Am Sonntag war dann etwas Ruhe angesagt: ein Perfekter Tag, um das örtliche Zug/Dichtermuseum zu besuchen! Hintergrund: es gibt offenbar ein Zugmuseum und der Vater des hier geborenen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda war Eisenbahner, also haben sie das aus irgendwelchen Gründen kombiniert.

Außerdem gibt es nicht nur Züge und Gedichte mit Zugbezug zu bestaunen, sondern auch Gemälde, bei denen die Künstler wohl an das eine oder andere davon gedacht haben. Nicht, dass man das unbedingt merkt, aber der Gedanke zählt.

Die Züge konnte man übrigens besichtigen: Darin wurde auch ein kleines schwer verständliches Video über Pablo Neruda gespielt. Genuss in leeren Zügen (ha ha). Unter anderem konnte man hierbei auch die Präsidentensuite besichtigen, die aus Pietätsgründen von der Suite der first Lady getrennt war .. allerdings mit „Geheimtür“ zwischen den beiden. Tja. Außerdem: ein Auto, dass auf Schienen fahren kann und zusätzlich für die Straße umgerüstet werden kann.

Ausklang für den Abend war dann ein kleines klassisches Konzert: ein Bekannter hatte noch Karten übrig für das „Orquestra Sinfónica Juvenil“, oder auf gut deutsch Jugendsynphonieorchester. Gespielt wurde vieles, von chilenischen Komponisten bis hin zu Wagner, Tschaikovski und anderen Klassikern. Ein Funken Europa in Chile also. Ich habe fast etwas an Wien denken müssen. Beendet wurde das ganze  – wie auch sonst- mit einer Cueca. Das Theater wo das ganze stattfand ist übrigens sehr hübsch, mit Gemälden und Skulpturen im Foyer verstreut – das ganze ist auch erst 20 Jahre alt, was sich mit etwas lauten Heizkörpern direkt neben uns bemerkbar machte. Naja.

Auch an verregneten Tagen gibt es also in Temuco was zu tun – überraschenderweise.