Die Chaxa-Lagune – Teil 1

Für den letzten Tag der Reise (zufällig mein Geburtstag) hatte ich mir etwas besonderes ausgesucht. Findige Leser werden vielleicht schon bemerkt haben, dass in einigen der hochgelegenen „lagunas“ (also Seen aber ohne natürlichen Abfluss) einiges Getier lebt, unter anderem eben auch Flamingos. Mich hat das ganze ziemlich überrascht, weil ich ja Flamingos nicht gerade mit großen Höhen verband. Das musste ich mir genauer anschaun.

Also war für den letzten Tag natürlich eine Flamingotour angesagt. Glücklicherweise musste ich nicht einmal lange suchen um einen Anbieter zu finden, denn in meinem Hostal war ein eigens dafür zuständiger „Agent“ angestellt um die perfekten Touren zu finden. Ich hatte schon einmal mit ihm geredet, bevor ich den Plan mit meinen Zimmerkollegen hatte, woraufhin er mir unter anderem eine Vulkanbesteigung eines der vielen über 4000 Meter hohen Vulkane der Umgebung als passenden Ausklang für meine Reise anbot. Ich lehnte damals dankend ab. Hier aber plauderten wir etwas über die anderen Touren die ich schon gemacht hatte und offenbar waren ihm sowohl mein alter Anbieter als auch Guide bekannt. Nach einigen Fotos war ich überzeugt und buchte die Tour für den nächsten Tag.

Der Plan für den Trip war die Lagune Chaxa (Teil des Nationalreservats Los Flamencos) , die zwar eigentlich nicht so heißt, aber aus touristischen Gründen nennen sie den Trip zu den Lagunen „Burro Muerto“ (Toter Esel) und „Barro Negro“ (schwarzer Sumpf) so – irgendwie verständlich. Die „echte“ Laguna Chaxa liegt weiter hinten und ist nur für Forschungszwecke zugänglich. Die Hoffnung war dennoch, einige Flamingos in freier Wildbahn zu sehen. Aus den letzten Trips gelernt, buchte ich auch nicht mehr die allerbilligste Tour. Das sollte sich absolut lohnen: Wir waren die zweite Gruppe an der Lagune und direkt zum Sonnenaufgang flogen die Flamingos von der einen in die andere Lagune – man konnte sogar einige im direkten Flug über sich betrachten. Die Gruppen nach uns konnten ihnen nur mehr sehensüchtig hinterherblicken als sie im Sonnenaufgang verschwanden – tja.

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Panorama der Lagune

Die Aufgehende Sonne lieferte auch einige interssante Panoramafotos mit den in weiter Ferne liegenden Anden. Nicht zu sehen ist wieder der Geruch: die Lagunen sind kaustisch und riechen gerade am Morgen stark nach Schwefel bzw. faulen Eiern. Mit längerem Aufenthalt wurde es aber entweder besser oder wir gewöhnten uns zumindest langsam daran. Zum Frühstück machte es uns jedenfalls nichts mehr aus.

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Der Boden bestand fast ausschließlich aus dem auf den Fotos sichtbaren zerklüfteten Salzgestein, von einigen Wegen durch den Fels zerschnitten:

Leider stellte ich fest, das der Zoom meiner Handykamera nicht unbedingt so gut wie erhofft war. Daher kann der geneigte Leser sich die auf den Bildern in der Ferne kaum sichtbaren Flamingos bitte farbenfroh und interessant vorstellen – so wie ich sie eben in Wirklichkeit gesehen habe. Dafür habe ich später ein paar im Flug erwischt:

In der Lagune gibt es drei verschiedene Arten von Flamingos, die sich hauptsächlich in ihrem Federkleid unterscheiden (rosa mit schwarzen Fülgelspitzen, rosafarbige und weiße Flamingos). Die Flamingos ernähren sich hauptsächlich von kleinen Lebewesen, die im Wasser der Lagune leben und den Flamingos auch ihre markante rosarote Farbe geben.

Leider war ich von der Vielzahl an Vögel und der einzigartigen Landschaft so abgelenkt, dass ich vor lauter Fotos dem Guide, der von der Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung der Lagune redete, kaum Aufmerksamkeit schenkte. Dafür hab ich dann ein Foto von der Tafel gemacht, wo praktisch das Gleiche draufstand. Ist ja fast Dasselbe.

Damit ist für einen Post aber erstmal genug, den Rest der Tagestour werde ich dann in einem weiteren Teil beschreiben. Bis dann!

 

Naturpark 2 – Conguillío harder

Nun, was könnte besser sein als einen schönen Naturpark inkl. Vulkan zu besuchen? Natürlich dasselbe nochmal zu machen, diesmal an einem etwas anderem Ort mit anderer Begleitung :D.

Kurzgesagt: Die UFRO hat ein Betreuungsprogramm für die postgrads und ich bin da mit dabei. Der diessemestrige Ausflug ging geführt weiter in den Naturpark Conguillío hinein als ich letztens war. Zudem ist schon etwas Zeit vergangen, das heißt im Vergleich zu vorher lag weniger Schnee, dafür etwas mehr Vegetation. Das Wetter spielte auch mit und wir bekamen wieder einmal ein spektakuläres Naturschauspiel zu sehen.

Empfohlene Musik: Bob Dylan

Den Anfang bildete wieder mal die Laguna Verde: Diesmal mit mehr Sonne und mit Guides die uns über die Fischbestände und Befischungsrechte (verboten, außer vom Ufer aus) sowie den Wasserpegel (niedrig, weil aufgrund von Erdbeben einiges Wasser abgeflossen ist) aufklärten.

 

Auf einigen Fotos kann man fast erkennen, wo der Wasserstand einmal war und dass die Lagune früher wohl noch größer gewesen sein muss.

Zum zweiten Mal hatte ich aber ein Gefäß für den schwarzen Sand als Andenken vergessen – dafür habe ich später einen Vulkanstein mitgenommen. Auch fein.

Weiter ging es zur Regenbogenlagune, mit dem kristallklaren blauen Wasser. Dort sahen wir dann auch, was der eigentliche Grund für viele unserer Zentralamerikanischen Begleiter war, die Fahrt mitzumachen: Schnee. Zu meiner Überraschung war ich bei der Abstimmung, wer denn schonmal Schnee gesehen hätte, in der Unterzahl. Das würde sich allerdings bald ändern.

 

Derart angespornt konnte dann der richtige Teil der Tour beginnen: die Wanderung durch den Schnee zum Aussichtspunkt über den Conguillío-See. Dort war ich beim letzten Mal jedenfalls nicht. Der Weg führte nicht nur durch Matsch und Schnee (frisch aufgetaute Straßen), sondern auch an wunderschönen Araukarienwäldern vorbei. Die Araukarie hab ich ja schonmal zumindest klein gezeigt, hier entfalteten sich die uralten Bäume aber in voller Pracht – es ist leicht zu sehen warum dieser Baum aufgrund seiner kerzengeraden Wuchsweise bei Holzfällern so begehrt war, dass er nun unter Schutz steht:

 

Pause gab es dann an einer weiteren Lagune/See: bei Brötchen konnte man die sich im Wasser spiegelnden Anden bestaunen, worauf hin es mit bambusähnlichen Spazierstöcken bewaffnet den Berg hinaufging, zum ersten Aussichtspunkt (Mirador – siehe Beitragsbild).

 

Nach ca. zweistündiger Wanderung ging es dann über Stock, Stein, Schnee und Eis, was für viele unserer Begleiter und auch mich eine rutschige Angelegenheit war. Am Ende kamen wir aber alle unbeschadet oben an:

 

Überraschenderweise oder gottseidank hatte die Organisatorin die Vorraussicht Kaffee mitzunehmen (Hurra!) und machte sich ans ausschenken. Zu etwa dem gleichen Zeitpunkt dachten sich auch zwei Kondore, dass sie uns gerne Gesellschaft leisten würden:

 

Leider fotografiert es sich mit Kaffee in der Hand nicht allzu gut. Naja.

Danach folgte der Abstieg, inkl. Schneeballschlacht und Rutschen auf dem Weg. Aufgrund von fortgeschrittener Dunkelheit seitens des Tages und Müdigkeit seitens der Studierenden wurde der Plan noch einen Wasserfall zu besuchen („Man könnte immerhin das Rauschen hören!“) offenbar verworfen. Auch schön.

 

Conguillío – Asche am Ende der Welt

Nachdem ich meine Mitreisenden mit meinem Schnupfen angesteckt hatte – der zum Zeitpunkt des Schreibens übrigens wieder wesentlich besser ist – brachen wir am nächsten Tag also auf, um uns den Nationalpark näher anzusehen. Die letzte Eruption des Llaima – so heißt der Vulkan im Zentrum – war 2009, also ist noch ziemlich viel Drumherum mit Vulkanischem Gestein und Asche bedeckt. Trotzdem kann man schon oft die Natur durchblinzeln sehen.

Vorher aber: ein Zwischenstopp bei der geologisch interessanten Felsformation wo nicht nur die Spuren der bis zu 13000 Jahre alten Vulkanaktivitäten sichtbar waren, es gab sogar eine kleine Erklärung auf Englisch und Spanisch, was denn jede einzelne Schicht zu bedeuten hatte, bzw. wie sie entstanden ist. Dazu eine kleine Einführung in die Mythologie der Mapuche (so heißen die Ureinwohner von Chile). 20180803_144256

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Sogar mit etwas Sonne

Übrigens sind viele Begriffe und Ortsbezeichnungen in der Region in der Sprache der Mapuche, Mapundungun gehalten: Melipeuco heißt zum Beispiel „Treffen der vier Wasser“ (im Bezug auf die vier Flüsse der Region), Conquillío selbst heißt „Wasser mit Araukaniensamen“.

Nachdem wir uns hier sattgesehen hatten, ging es zum eigentlichen Kernstück: dem Park Conquillío. Hier wollten wir uns heute vor allem die Lagunen anschaun, die durch das schmelzende Gletscherwasser entstehen und teilweise den dort bestehenden Wald überflutet hatten. Die Tour selbst ist übrigens nichts für Kleinwagen: der Weg durch den Nationalpark ist eine fast wortwörtliche Schotterpiste, nur an Stelle von Schotter fährt man über den schwarzen Sand der kilometerweit das Land bedeckt. Trotzdem blickt überall die Natur durch und Büsche und kleine Sträucher bedecken den Boden rund um ältere Bäume, die dem Feuer zum Opfer fielen. Der erste Stopp auf unserer Tour im Park Conguillío war die Laguna Verde, oder „grüne Lagune“: 20180803_151421

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Im Herbst soll es hier besonders schön sein, wenn die Bäume in allen Farben leuchten und den Kontrast zur schwarzen Erde und dem grünen Wasser bilden. Allerdings hat auch die beschneite Landschaft im Chilenischen Winter ihren Reiz:

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Danach ging es weiter mit dem Auto: zu einer etwas kleineren, dafür ebenso schönen Lagune. Nur ein kleines Problem gab es dabei: 20180803_155233Die Straße war für Autos gesperrt. Also ging es zu Fuß weiter. Durch den Matsch und Schnee stapfend wurden richtig Heimatgefühle wach, und das im August! Dafür bekamen wir dann auch etwas zu bestaunen:

 

Alles in Allem kann man den Ausflug mit zwei Worten beschreiben: sehr Cool.