Geysiere am Morgen

Der Abend am vorherigen Tag verlief eher ruhig, denn: es hieß um halb fünf aufstehen um um fünf mit dem auto zu den hochgelegenen Tatio-Geysieren zu fahren. Warum so früh? Nun, je kälter die Luft, desto besser sieht man die vielen aufsteigenden Geysiere und Dampfsäulen wenn sie kondensieren. Daher planen die Agenturen die Fahrt so, dass man ziemlich genau vor Sonnenaufgang dort ist. Wir hatten uns im Vorfeld warm eingepackt, denn oben auf der Höhe von 4300 Metern konnte es ohne Sonne sehr kalt werden (-13° Celsius). Unser Guide war wieder Oswaldo („I’m coming for the fucking frenchmen!“ – „Oh no!“). Der erste Tipp: wir sollten uns erst oben richtig warm anziehen und uns vorher etwas an die Kälte gewöhnen, nicht im warmen Auto in voller Montur losziehen – macht Sinn.

Nach einigen Schwierigkeiten mit der Wagentür (sie ging nicht richtig auf) ging es dann los: wir fuhren über rumpelige Straßen im stockfinsteren und merkten, dass der Wagen auch bezüglich der Federung nicht unbedingt auf neuestem Stand war. Dafür war es billig gewesen, dachte ich mir. Nach einiger Zeit und einigen Versuchen zu schlafen (teilweise erfolgreich), kamen wir dann auch am ersten Zwischenstopp an: einer Raststätte mit WCs, wo man Eintritt zahlen musste. Hier zogen wir uns auch wieder unsere warmen Jacken an und versuchten uns durch etwas rhytmische Bewegung aufzuwärmen.

Eine Bemerkung am Rande: ich wusste vorher nicht, dass es auf der ganzen Welt nur sechs große Geysierfelder gibt, von denen wir nun eines besuchen würden. Die Tatio-Geysiere liegen direkt am namensgebenden Vulkan und stellen insgesamt ca. 8% der weltweit vorkommenden Geysiere dar – ziemlich cool. Für warmes Wasser sind Geysiere ziemlich selten.

Bevor wir allerdings aufs Feld durften, gab es zuerst Frühstück. Oswaldo erklärte uns, dass die Höhenkrankheit oft eher psychologischer Natur ist und es seiner Erfahrung nach nur ca. ein Prozent der Bevölkerung wirklich merkbar betrifft. Außerdem sollten wir bitte aufpassen und auf den Wegen bleiben, es wäre seine tausendzweiundsechzigste Tour zu den Geysieren und er hätte schon drei Menschen verunglücken sehen. Darauf tranken wir erstmal einen Tee und machten hinter der Mauer ein Foto.

20180825_063819

Andere Tours waren schon unterwegs, wir verfolgten aber die clevere Strategie zuerst zu frühstücken und dann den Weg von der anderen Seite zu verfolgen, um weniger ins Gedränge zu kommen. Das ganze funktionierte ziemlich gut:

Nicht zu sehen: der leichte Schwefelgeruch in der Luft und die Kälte abseits der Geysiere. Oswaldo stellte uns über einen kleinen „Bach“ aus warmem Wasser um uns aufzuwärmen, während er ein Mädchen versorgte, das die Höhenkrankheit spürte („Sie ist das eine Prozent!“) Außerdem sagte er, wir sollten keine Angst vor eventuellen Vulkanausbrüchen oder Ähnlichem haben, denn der Vulkan ginge hoch, ob man denn nun Angst hätte oder nicht, also sei es wesentlich entspannender, keine Angst zu haben. Derart beruhigt machten wir die Tour weiter.

Außerdem, sagte er, sei man in einem Gebiet mit vielen Vulkanen generell sicherer als mit wenigen, denn der Druck könne dann über mehrere Vulkane entweichen, statt sich anzustauen und zu explodieren. So gesehen ist San Pedro wohl eine der sichersten Gegenden der Welt.

20180825_071303
Der Rundumblick auf Tatio

Nun ging aber langasm die Sonne auf, und wir machten uns auf den Weg zu der nächsten Station: es gab nämlich ein Schwimmbecken, in dem heißes und kaltes Wasser zusammentreffen, das also tatsächlich zum Baden geeignet ist. Diese Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen und hopste zusammen mit einigen anderen hinein. Das Becken hatte mittlere zwanzig Grad mit einigen heißeren Quellen und einem tiefen aber kühleren Ende. Ehrlich gesagt ging es mir weniger um den Badespaß, als darum sagen zu können, einmal auf 4300 Metern gebadet zu haben.

Nach flotten fünf Minuten im Wasser (zwanzig Grad sind doch nicht soviel wie ich vorher vielleicht dachte) trockneten wir uns, hopsten ins Auto und warteten auf den Rest der Gruppe, der noch mit Selfiesmachen beschäftigt war um dann zum nächsten Stopp zu fahren: einem kleinen Bergdorf wo man noch echtes, leckeres Llamafleisch probieren konnte (keine Fotos).

Außerdem im Dorf: eine kleine Kirche mit kleinem Llama, mit dem man gegen eine kleine Gebühr Fotos machen konnte. Die Eltern des Kleinen wurden offenbar von einem Puma gerissen.

Die Stufen zur Kirche hinauf wollten übrigens mit Ruhe genommen werden, schließlich waren wir immer noch auf über dreitausend Metern Höhe. Was spätestens oben allen klar war.

Die letzte Etappe des Tages war dann ein Tal mit einem Bach, Kakteen und hervorragendem Echo, wo wir uns über die Entstehung der Salzwüsten in und um San Pedro unterhielten (Kurzform: manches war früher Meeresboden, aber nicht alles). Die Kakteen waren zwar etwas weit entfernt, aber das Tal gab einen vorzüglichen Fotohintergrund ab. Leider kann ich nicht Jodeln.

Als Bonus für soweit Durchhaltende gibt es noch ein paar Bilder vom Hauptplatz von San Pedro de Atacama, die entstanden während wir ein Grillhuhngeschäft suchten:

Damit war mein Urlaub in San Pedro auch schon fast am Ende. Für meine Kollegen aus Österreich und Frankreich war er das jedenfalls. Am Nachmittag würfelten wir noch etwas, teilten unsere Nummern und verabschiedeten uns voneinander. Für den letzten Tag hatte ich mir etwas besonderes geplant: eine Salzlagune mit Flamingos (Chaxa).