International Week

Als Austauschstudent hat man nicht nur Möglichkeiten, sondern auch (zumindest soziale) Pflichten. So haben die Organisatoren der Austauschgruppe uns gefragt, ob wir im Zuge der „International Week“ ein Bisschen unsere Länder bzw. Heimatunis präsentieren können. Das ganze fand an einem Montag über den ganzen Tag verteilt statt, und wir sollten mit Kaffee und Essen belohnt werden.

Zu meiner Überraschung war das ganze weniger eine kleine Präsentation und mehr eine kleine Messe, wo ich als Österreicher mit Deutschland und den Niederlanden einen kleinen gemeinsamen Stand hatte. Immerhin stimmte die Sprache (fast). Die felligen Beine gehören zu einem Teddy in Lederhosen, die die Bayrin mitgebracht hatte

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Unser Stand – wir hatten Lernmaterialien dabei

Nach einigem Nachfragen für den Kaffee (jawohl!) kamen immer wieder interessierte Studenten vorbei, die genaue Anfragen zu Förderprogrammen etc. stellten, die wir natürlich nicht beantworten konnten. Immerhin hatten die Niederländerinnen Bier als Ausstellungsobjekt mitgebracht, sowie Hagelslag zum probieren, mit denen wir dezent den ganzen Boden vollsauten. Außerdem hatten wir sogar Promomaterialien von der AAU – woher auch immer, ich war nicht wählerisch. Zusätzlich hatte ich ein paar hübsche Bilder von Österreich als Untermalung mitgebracht.  Als Unterhaltung trat eine Chilenische Tanzgruppe auf, die mit viel Energie und Schellenklang die Stimmung zum kochen brachte.

 

Dann ging es am Mittwoch weiter: wir wurden gebeten, jeweils typische Gerichte aus unserer Heimat mitzubringen um den Studenten (und uns gegenseitig) einen kulinarischen Austausch zu ermöglichen. Ich und die andere Österreicherin haben zusammen einen Topf voll Kaiserschmarrn und Apfelkompott gemacht, der sehr gut ankam (nicht abgebildet). Aber auch die anderen Studenten haben sich nicht lumpen lassen:

 

 

Von deutschem Kartoffelsalat über spanische Tapas, französische Quiche, mexikanischen Tacos und Limonenkuchen war alles dabei. Dann ging es zu einer Tanzvorführung von typisch Lateinamerikanischen Tänzen:

 

 

 

Bekannterweise gehört ja auch die Osterinsel (Rapa Nui) zu Chile, wo hier einige tapfere Tänzerinnen und Tänzer der Kälte trotzten und typische Tänze mit viel Energie vorführten.

Danach war die Gruppe aus Kolumbien dran (dieselbe wie auf der Kolumbischen Fiesta übrigens) und führte den Typischen Cumbia vor.

Danach hieß es „alles Cumbia“ und wir durften gemeinsam mittanzen – eine neue und sehr lustige Erfahrung – egal wie gut wir dabei waren.

 

Licán Rayy

Von der Gastfreundschaft der Chilenen hab ich ja schon einmal berichtet. Es dauert offenbar oft nicht lang, bis man von einem Bekannten zum Grillen („asado“) eingeladen wird. (Ist hier so ewas wie ein kleiner Nationalsport).

Auch bei mir war es nun soweit – ein Kollege von der Uni hat mich zu einem Bekannten von ihm eingeladen, in dem Örtchen Licán Ray, nahe einiger sehr touristischen Orte (weil sie halt an Seen liegen). Drei Tage sollte es dauern und eine Tour durch die eher ländlicheren Gebiete in der Region werden.

Wir brachen einen Tag früher als geplant auf, da der Wetterbericht allgemein für die nächste Woche schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.

Nach einer sehr lehrreichen Tour „Das sind Koniferen“ / „Hier gibt es einen großen Rindermarkt“ / „Ich mag das Land“ über die Autobahn kamen wir im Örtchen an.

Dort trafen wir den Freund meines Kollegen und ich merkte sofort, dass das mit der Kommunikation schwierig werden würde – ich verstand ca. 1% des Gesagten – am Land reden die Leute offenbar auch hier anders. Nichtsdestotrotz ging der erste Trip zum nahegelegenen See, der zwar etwas kalt, aber trotzdem wunderschön war.

Danach kauften wir Fleisch für die Grillerei am Abend ein und schauten auch in der Bäckerei vorbei – abgeblidet: viel Süßkram (ich hab die Roulade mit Manjar probiert – lecker)

Nach einigen Vvorbereitungen und Musiktests (mein Kollege und sein Bekannter spielen beide in einer Band (nicht der Gleichen)), die im nahegelegenen Schuppen stattfanden konnte es auch losgehen: klassisch wird beim chilenischen asado das ganze Stück Fleisch nur mit etwas Salz gewürzt über dem Feuer für 2-3 Stunden gebraten, damit es im eigenen Saft kocht. Damit es nicht zu langeweilig wurde gab es noch ein paar Langwürste dazu: „Die sind gut, die Langwürste!“, wie mein Kollege, Alejandro zu sagen pflegte.

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ein asado

Zu dem Ganzen gab es Bier (mit Zitrone und Salz verfeinert – überraschend gut) und Brötchen für das Fleisch, zusammen mit ein bisschen Chilisauce (von dem Freund einer Bekannten im Ort erzeugt und sehr scharf) . Dieselbe Bekannte und noch zwei weitere Kollegen tauchten dann im Laufe des Abends auch mit Nachschub auf. Ich zeigte, dass man auch Ananas in Scheiben grillen kann und dafür wurde mir der nationale Volkstanz „Cueca“ beigebracht und die dazugehörige Musikrichtung gleich mitgezeigt. Verstanden habe ich allerdings immer noch nichts. Ich machte mich bis auf einige Kleinigkeiten („Mehr Energie! Als Mann muss das ganze mit noch mehr Kraft passieren!“) meiner Meinung nach ganz gut. Zum schluss Spielte ich den Leuten einige Österreichische Volksmusik vor und ließ mir ein Bisschen über chilenische Musik erzählen.

Am nächsten Tag stand die Wahl zwischen einer weiteren Grillerei in der Nähe des örtlichen Vulkans oder auf einem Hügel mit schönem Blick über den See. Als Vulkanaficionado wählte ich natürlich den Vulkan – obwohl ich später daraufkam dass das ganze eigentlich eher „in der Nähe des Anfangs des Vulkanes“ hieß. Trotzdem schön.

Die obigen Fotos entstanden bei einer Pause um die Kühlflüssigkeit auskühlen zu lassen, denn der Weg in den Nationalpark ging über Stock und Stein über unausgebaute Straßen. Dafür war oft lange auch kein Mensch zu sehen, und die einzige Gesellschaft einige Kühe. Als es nicht mehr weiterging (zu viele Steine am Weg) beschlossen wir, das der Ort an dem wir uns befanden ein perfekter Grillplatz war und machten uns ans Werk, aus dem Vulkangestein eine Feuerstelle zu basteln. Ich spazierte während dem Warten aufs Fleisch ein wenig herum und fand eine schöne Lichtung direkt daneben, von der aus man den Vulkan super sah.

Zu essen gab es Schweinekotletts, die auf Spanisch sehr ähnlich heißen (chuleta) und Paprika in denen -offenbar typisch chilenisch?- Eier gegart wurden. Leider dauerte das ganze etwas lange, der Teller/Holzklotz den wir dabeihatten musste also auch noch als Deckel für die Paprika herhalten. Von dem unteren Teil des erstarrten Lavastromes auf dem wir uns befanden schauten uns dabei einige Kühe skeptisch beim Grillen zu. Ansonsten wurde die Stille nur von einem motivierten Mountainbiker durchbrochen.

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Derart gestärkt brachen wir dann auf, wieder nach Licán Ray zurückzukehren und dabei die zweite Option des Tages zu besichtigen: den Hügel mit Ausblick. Anbei: der rechte Vulkan befindet sich in Argentinien – im Süden sind die Anden kleiner.

Wettertechnisch hatten wir wirklich Glück (und gute Planung), da wie am Foto zu sehen am Ende schon einige Wolken auftauchten. Zuguterletzt zogen wir uns nach dem langen Tag wieder ins Haus zurück und versuchten interessiert einen Film über die Geschichte Chiles zu schauen, bevor wir uns alle darauf einigten, dass wir müde waren und Morgen ja auch mal raus mussten. Der letzte Tag der Reise war für einen Besuch eines anderen Bekannten in Villarica geplant. Leider regnete es stark und wir konnten nicht wirklich rausgehen, aber dafür gab es selbstgemachte Empanadas und ich konnte auch einen echt chilenischen „Terremoto“- Cocktail probieren (Wein, Ananas-Eis, Grenadine, Rum) – ein Nationalgertänk zum Nationalfeiertag.

 

Santiago de Chile – Teil 3

Die Kurzfassung der Geschichte der chilenischen Dikatatur wäre wohl (Achtung, Meinung):

In Chile wurde der weltweit erste demokratisch gewählte Sozialistische Präsident gewählt. Das schmeckte allerdings aufgrunde von Reformen bzw. Ideologischen und wohl auch wirtschaftlichen Gründen sowohl den Großgrundbesitzern, als auch den damaligen USA unter Nixon nicht. Nach einigen destabilisierenden Maßnahmen beider Vorhergenannten gab es dann einen von denselben gestützten Militärputsch und daraufhin ca. 20 Jahre Diktatur mit allen Schrecklichkeiten, die man sich dabei vorstellen kann. Im Jahre 1988 wurde er, als es wirtschaftlich ungünstig wurde, eine Diktatur zu sein, abgewählt, blieb jedoch straffrei. Heute ist Chile eine recht funktionierende Demokratie soweit ich das beurteilen kann.

Dies und mehr zur allgemeinen Vergangenheitsbewältigung erzählte uns Camil, wobei seine Sicht als angehender Soziologe sicher auch einige interessante Einblicke gewährte. Generell haben wir während der Tour mit ihm einiges über Politik und Bildungssysteme in Chile geredet.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass Chile in etwa so ist, wie ich mir Österreich in den 70ern vorstelle: Die erste Generation nach der Diktatur („Generation ohne Angst“) ist alt genug, politisch aktiv zu werden und das Land kämpft noch mit der Aufarbeitung seiner politischen Vergangenheit. Auch der Unterschied zwischen Arm und Reich ist recht groß: Die Uni kostet so 700 $ im Monat, das Medianeinkommen liegt bei 500$… Tja.

Dazu kommt, dass das Sozialsystem oft erst bei wirklich Armen Menschen greift, d.h. es gibt eine große Schicht an Menschen, die zwar arm, aber nicht „arm genug“ sind, um Förderungen zu erhalten. Dazu kommt, das der Steuersatz in Chile bei 20% – Chile ist eines der klassisch neoliberalsten Länder.

Nach der Geschichtsstunde bedankten wir uns bei unserem Guide und zahlten gleich am Friedhof („I don’t want to get robbed in the Metro.“) Beim Hinausgehen plauderten wir noch über zukünftige Pläne (Er will in die Politik gehen, vielleicht einen Doktor machen) und Klimawandel („Viel zu heiß für Winter“) – es waren doch 20 Grad.

Anschließend und um die Stimmung wieder etwas zu heben beschlossen die zwei deutschen Studenten (Timon und Christin) und ich, zu den Restaurants am Markt zu gehen und die Chilenische Küche, die uns empfohlen wurde zu verköstigen.

Nach etwas längerer Zeit als geplant und einer unbeabsichtigten weiteren Tour des Marktes (er ist überraschend verwinkelt!) fanden wir dann auch was wir fanden – ein buntes Durcheinander aus Tischen, umringt von Restaurants und gefüllt mit Einheimischen, die schwatzend ihr Mittagessen zu sich nahmen. Wir setzten uns und ich bestellte eine chilenische Späzialität für eigentlich kältere Tage – Cazuela:

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Die chilenische Antwort auf Ramen

Die Cazuela besteht wie im Bild aus einem großen Stück Fleisch, Nudeln, Gemüse, einer Kartoffel, einem halben Maiskolben (unter dem Fleisch), einem Stück Kürbis (ebenso), das ganze in einer Suppe gekocht und serviert – sehr lecker und sehr füllend für knappe 3000 Pesos (~4€),  inklusive Salat. Das dazubestellte Wasser ohne Gas war etwas komplizierter – sie hatten keines mehr und nach verzweifeltem Nachfragen bei den anderen Restaurants (hatten auch keines mehr!) nahm ich unter einem kleinen Augenzwinkern der Verkäuferin eines mit Kohlensäure.

Weitere Highlights, leider ohne Foto: Ein Mann der ca. 1m große Kreuze, inklusive Heiland feilbat – und sogar eines verkaufte! Ein weiterer spielte in der Menge Saxophon, bis ein Polizist herantrat (es war wohl im Markt verboten) und ihn nur anstarren zu brauchte, bis dieser sich schleunigst unter Danksagungen ans Publikum selbst hinauskomplimentierte.

Danach gingen ich und meine Mitreisenden noch ein Stück des Weges gemeinsam (ich wollte noch zum Mueso de Bellas Artes und sie zum Cierro Santa Lucía), bevor wir uns im Museum angekommen alles Gute weiterhin wünschten und getrennte Wege gingen.

Im Museum gab es zwar nicht sehr viele Ausstellungsstücke – aber immerhin Vielfältigkeit war geboten. Von einer Japanischen traditionellen Kunstausstellung über Kopien bekannter Skulpturen, kirchliche Kunst und moderne Ausstellungsstücke war viel geboten. Auch das Gebäude selbst ist äußerst besichtigenswert.

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Bellas Artes – ein Hauch Europa

Danach und schon etwas müde beschloss ich ins gleich gegenüberliegende Castillo Forestal auf einen Kaffee und etwas Süßes zu gehen. Nach der vorherigen Tour war der Kontrast zu den bodenständigen Restaurants am Marktplatz ein ziemlich großer. Die Tarte Tatin war zwar lecker, der Kaffee kam aber leider ohne Wasser (hier offenbar nicht so üblich). 20180726_151125

Insgesamt kostete der Spaß 7000 Pesos, also ca. 9 Euro- das Doppelte, das mein Mittagessen gekostet hatte.

Nun derart gestärkt plante ich ins Museo de los Derechos Humanos, oder Menschenrechtsmuseum zu gehen. Leider lag dies am anderen Ende des Zentrums.

Auf dem Weg dorthin wurde mir auch wieder klar, warum ich nicht so ganz der Großstadttyp bin – wenn man müde ist, ist der ganze Lärm und die vielen Menschen einfach zuviel. Über das Museum selbst kann ich nicht viel schreiben, da ich zu dem Zeitpunkt schon recht müde war und die Ausstellungsstücke (die sich hauptsächlich mit der Diktatur befassen) großteils in Spanisch gehalten waren.

Den Abend beschloss ich dann im riesigen Einkaufszentrum/Hochhaus Costanegra, das von einem Deutschen Supermarktgründer (die Kette Jumbo, die auch in der Temuco Mall zu finden ist) finanziert wurde. Die Metro in Santiago ist übrigens sehr effektiv, es gibt ein Kartensystem das man aufladen kann und als Student oder Senior zahlt man verbilligte Preise. Interessant ist, das zu verschiedenen Tageszeiten etwas verschiedene Tarife gelten.

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Costanera Tower – eigentlich Gran Torre Santiago, von der Metro aus

Nach soviel neuen Eindrücken und Spaziergängen durch die Stadt freute ich mich auch wieder auf den Nachtbus, der mich schlafend wieder nach Temuco bringen würde.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus der letzten Woche, die vorher nirgends Platz fand:

Ich: „Qué es el deporte national de Chile? (Was ist der chilenische nationalsport?)“ – Antwort: „Mentir.“ – „Qué significa eso? (Was ist das?)“ – „Lying.“ … Ich liebe den Chilenischen Humor.