Die erste Woche in Chile

…Verlief relativ ereignislos. Zwar war es ein Anfang ein kleiner Kultur- und Kälteschock (Spanisch, Keine Wärmedämmung in den Häusern und 10 Grad außen- sowie Innentemperatur) aber der ließ sich recht rasch beheben (mittels etwas Englisch, Heizdecke und Heizstrahler).

Vielleicht schreibe ich später mehr übers Einleben in der ersten Woche in Chile, heute ist das Thema doch ein anderes: Das erste Treffen mit dem Leiter des Instituts für Modellierung und wissenschaftliche Berechnungen (CEMCC – Centro de Modelación y Computación Científica) und Leiter von drei meiner vier Vorlesungen die ich dieses Semester zu besuchen plane :

Andrés Barrera, ein etwas chaotischer aber netter Mensch mit etwas eigenem Humor („Wir haben hier keine Klos, wir warten bis wir Zuhause sind! – Da drüben ist es.“) hat mir einiges erklärt, das sich für mich persönlich am besten mit einem gute Nachricht – schlechte Nachricht – Schema erklären lässt:

Die Studenten in Temuco sind politisch sehr aktiv (gut!)- Daher haben sie letztes Semester gestreikt und der Semesterbeginn hat sich einen Monat nach hinten verschoben (also auf September) (schlecht!) – allerdings können wir schon diese Woche mit einer Blockvorlesung beginnen (gut!) – da er ab September nicht da sein wird (schlecht! -Übrigens ausgerechnet in Deutschland) –  aber er hat Ersatz gefunden (gut!) – der allerdings hauptsächlich Spanisch spricht (gut/schlecht? – jedenfalls gut fürs Sprachelernen.) – dafür kann er mich derweil auch auf einige Konferenzen in ganz Chile schicken (gut!) – die nächste davon ist in 3 Tagen in Santiago (Überraschung!) – wobei ich die achtstündige Busfahrt in beide Richtungen selbst zahlen muss – die ist aber billig – dafür hab ich am Tag darauf wieder Vorlesung, also wird es nichts mit Santiago erkunden. Außerdem ist es möglich dass ich ein Praktikum bei Equifax bekomme, die offenbar ihre ganze Programmierarbeit jetzt nach Chile auslagern.

Soweit mein Vormittag.

Außerdem hatte ich heute Morgensport, da ich den Bus zur Uni verpasst hatte und mich kurzerhand statdessen entschlossen hatte zu Fuß zu gehen. Dabei bin ich unter anderem am – übrigens überraschend schönen – Stadion „German Becker“ vorbeigekommen. Zurück bin ich mit einer wesentlich besseren Verbindung. Irgendwann schreibe ich noch über Transportmittel in Temuco – ein ganz eigenes Thema für sich.

Am Nachmittag hatte ich etwas Zeit und habe mit einigen sehr netten Mitarbeitern des Instituts Kaffee getrunken und uns gegenseitig Fotos von Kärnten bzw. Ausflugszielen in der Umgebung von Temuco gezeigt. Sie verstehen immerhin mein Spanisch, auch wenn ich sie noch nicht so ganz verstehe. Ich bin immer mehr der festen Überzeugung, dass Chilenisch schon fast eine eigene Sprachbezeichnung verdient- wenn Schwedisch und Norwegisch verschiedene Sprachen sind, sollte auch Lateinamerika das Privileg haben.

Danach war noch eine Campustour geführt von einer deutschstämmigen Mitarbeiterin des Instituts inklusive Cafétips und Kulturkunde an der Reihe. Im Laufe des Nachmittags habe ich offenbar mehr oder weniger zugesagt, einmal Semmelknödel bzw. Kaiserschmarrn zu kochen. Das kommt davon wenn man im CV Hobbys angibt.

Das Titelbild ist übrigens der Blick vom Institut auf den Campus.

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Detailansicht des Titelbildes: Im Hintergrund ist einer der vielen Vulkane Chiles zu erahnen.
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Blick von einem Seiteneingang des Campus, im Hintergrund in Grau: das Gebäude der Rechtswissenschaften