Die Chaxa-Lagune – Teil 1

Für den letzten Tag der Reise (zufällig mein Geburtstag) hatte ich mir etwas besonderes ausgesucht. Findige Leser werden vielleicht schon bemerkt haben, dass in einigen der hochgelegenen „lagunas“ (also Seen aber ohne natürlichen Abfluss) einiges Getier lebt, unter anderem eben auch Flamingos. Mich hat das ganze ziemlich überrascht, weil ich ja Flamingos nicht gerade mit großen Höhen verband. Das musste ich mir genauer anschaun.

Also war für den letzten Tag natürlich eine Flamingotour angesagt. Glücklicherweise musste ich nicht einmal lange suchen um einen Anbieter zu finden, denn in meinem Hostal war ein eigens dafür zuständiger „Agent“ angestellt um die perfekten Touren zu finden. Ich hatte schon einmal mit ihm geredet, bevor ich den Plan mit meinen Zimmerkollegen hatte, woraufhin er mir unter anderem eine Vulkanbesteigung eines der vielen über 4000 Meter hohen Vulkane der Umgebung als passenden Ausklang für meine Reise anbot. Ich lehnte damals dankend ab. Hier aber plauderten wir etwas über die anderen Touren die ich schon gemacht hatte und offenbar waren ihm sowohl mein alter Anbieter als auch Guide bekannt. Nach einigen Fotos war ich überzeugt und buchte die Tour für den nächsten Tag.

Der Plan für den Trip war die Lagune Chaxa (Teil des Nationalreservats Los Flamencos) , die zwar eigentlich nicht so heißt, aber aus touristischen Gründen nennen sie den Trip zu den Lagunen „Burro Muerto“ (Toter Esel) und „Barro Negro“ (schwarzer Sumpf) so – irgendwie verständlich. Die „echte“ Laguna Chaxa liegt weiter hinten und ist nur für Forschungszwecke zugänglich. Die Hoffnung war dennoch, einige Flamingos in freier Wildbahn zu sehen. Aus den letzten Trips gelernt, buchte ich auch nicht mehr die allerbilligste Tour. Das sollte sich absolut lohnen: Wir waren die zweite Gruppe an der Lagune und direkt zum Sonnenaufgang flogen die Flamingos von der einen in die andere Lagune – man konnte sogar einige im direkten Flug über sich betrachten. Die Gruppen nach uns konnten ihnen nur mehr sehensüchtig hinterherblicken als sie im Sonnenaufgang verschwanden – tja.

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Panorama der Lagune

Die Aufgehende Sonne lieferte auch einige interssante Panoramafotos mit den in weiter Ferne liegenden Anden. Nicht zu sehen ist wieder der Geruch: die Lagunen sind kaustisch und riechen gerade am Morgen stark nach Schwefel bzw. faulen Eiern. Mit längerem Aufenthalt wurde es aber entweder besser oder wir gewöhnten uns zumindest langsam daran. Zum Frühstück machte es uns jedenfalls nichts mehr aus.

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Der Boden bestand fast ausschließlich aus dem auf den Fotos sichtbaren zerklüfteten Salzgestein, von einigen Wegen durch den Fels zerschnitten:

Leider stellte ich fest, das der Zoom meiner Handykamera nicht unbedingt so gut wie erhofft war. Daher kann der geneigte Leser sich die auf den Bildern in der Ferne kaum sichtbaren Flamingos bitte farbenfroh und interessant vorstellen – so wie ich sie eben in Wirklichkeit gesehen habe. Dafür habe ich später ein paar im Flug erwischt:

In der Lagune gibt es drei verschiedene Arten von Flamingos, die sich hauptsächlich in ihrem Federkleid unterscheiden (rosa mit schwarzen Fülgelspitzen, rosafarbige und weiße Flamingos). Die Flamingos ernähren sich hauptsächlich von kleinen Lebewesen, die im Wasser der Lagune leben und den Flamingos auch ihre markante rosarote Farbe geben.

Leider war ich von der Vielzahl an Vögel und der einzigartigen Landschaft so abgelenkt, dass ich vor lauter Fotos dem Guide, der von der Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung der Lagune redete, kaum Aufmerksamkeit schenkte. Dafür hab ich dann ein Foto von der Tafel gemacht, wo praktisch das Gleiche draufstand. Ist ja fast Dasselbe.

Damit ist für einen Post aber erstmal genug, den Rest der Tagestour werde ich dann in einem weiteren Teil beschreiben. Bis dann!

 

Geysiere am Morgen

Der Abend am vorherigen Tag verlief eher ruhig, denn: es hieß um halb fünf aufstehen um um fünf mit dem auto zu den hochgelegenen Tatio-Geysieren zu fahren. Warum so früh? Nun, je kälter die Luft, desto besser sieht man die vielen aufsteigenden Geysiere und Dampfsäulen wenn sie kondensieren. Daher planen die Agenturen die Fahrt so, dass man ziemlich genau vor Sonnenaufgang dort ist. Wir hatten uns im Vorfeld warm eingepackt, denn oben auf der Höhe von 4300 Metern konnte es ohne Sonne sehr kalt werden (-13° Celsius). Unser Guide war wieder Oswaldo („I’m coming for the fucking frenchmen!“ – „Oh no!“). Der erste Tipp: wir sollten uns erst oben richtig warm anziehen und uns vorher etwas an die Kälte gewöhnen, nicht im warmen Auto in voller Montur losziehen – macht Sinn.

Nach einigen Schwierigkeiten mit der Wagentür (sie ging nicht richtig auf) ging es dann los: wir fuhren über rumpelige Straßen im stockfinsteren und merkten, dass der Wagen auch bezüglich der Federung nicht unbedingt auf neuestem Stand war. Dafür war es billig gewesen, dachte ich mir. Nach einiger Zeit und einigen Versuchen zu schlafen (teilweise erfolgreich), kamen wir dann auch am ersten Zwischenstopp an: einer Raststätte mit WCs, wo man Eintritt zahlen musste. Hier zogen wir uns auch wieder unsere warmen Jacken an und versuchten uns durch etwas rhytmische Bewegung aufzuwärmen.

Eine Bemerkung am Rande: ich wusste vorher nicht, dass es auf der ganzen Welt nur sechs große Geysierfelder gibt, von denen wir nun eines besuchen würden. Die Tatio-Geysiere liegen direkt am namensgebenden Vulkan und stellen insgesamt ca. 8% der weltweit vorkommenden Geysiere dar – ziemlich cool. Für warmes Wasser sind Geysiere ziemlich selten.

Bevor wir allerdings aufs Feld durften, gab es zuerst Frühstück. Oswaldo erklärte uns, dass die Höhenkrankheit oft eher psychologischer Natur ist und es seiner Erfahrung nach nur ca. ein Prozent der Bevölkerung wirklich merkbar betrifft. Außerdem sollten wir bitte aufpassen und auf den Wegen bleiben, es wäre seine tausendzweiundsechzigste Tour zu den Geysieren und er hätte schon drei Menschen verunglücken sehen. Darauf tranken wir erstmal einen Tee und machten hinter der Mauer ein Foto.

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Andere Tours waren schon unterwegs, wir verfolgten aber die clevere Strategie zuerst zu frühstücken und dann den Weg von der anderen Seite zu verfolgen, um weniger ins Gedränge zu kommen. Das ganze funktionierte ziemlich gut:

Nicht zu sehen: der leichte Schwefelgeruch in der Luft und die Kälte abseits der Geysiere. Oswaldo stellte uns über einen kleinen „Bach“ aus warmem Wasser um uns aufzuwärmen, während er ein Mädchen versorgte, das die Höhenkrankheit spürte („Sie ist das eine Prozent!“) Außerdem sagte er, wir sollten keine Angst vor eventuellen Vulkanausbrüchen oder Ähnlichem haben, denn der Vulkan ginge hoch, ob man denn nun Angst hätte oder nicht, also sei es wesentlich entspannender, keine Angst zu haben. Derart beruhigt machten wir die Tour weiter.

Außerdem, sagte er, sei man in einem Gebiet mit vielen Vulkanen generell sicherer als mit wenigen, denn der Druck könne dann über mehrere Vulkane entweichen, statt sich anzustauen und zu explodieren. So gesehen ist San Pedro wohl eine der sichersten Gegenden der Welt.

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Der Rundumblick auf Tatio

Nun ging aber langasm die Sonne auf, und wir machten uns auf den Weg zu der nächsten Station: es gab nämlich ein Schwimmbecken, in dem heißes und kaltes Wasser zusammentreffen, das also tatsächlich zum Baden geeignet ist. Diese Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen und hopste zusammen mit einigen anderen hinein. Das Becken hatte mittlere zwanzig Grad mit einigen heißeren Quellen und einem tiefen aber kühleren Ende. Ehrlich gesagt ging es mir weniger um den Badespaß, als darum sagen zu können, einmal auf 4300 Metern gebadet zu haben.

Nach flotten fünf Minuten im Wasser (zwanzig Grad sind doch nicht soviel wie ich vorher vielleicht dachte) trockneten wir uns, hopsten ins Auto und warteten auf den Rest der Gruppe, der noch mit Selfiesmachen beschäftigt war um dann zum nächsten Stopp zu fahren: einem kleinen Bergdorf wo man noch echtes, leckeres Llamafleisch probieren konnte (keine Fotos).

Außerdem im Dorf: eine kleine Kirche mit kleinem Llama, mit dem man gegen eine kleine Gebühr Fotos machen konnte. Die Eltern des Kleinen wurden offenbar von einem Puma gerissen.

Die Stufen zur Kirche hinauf wollten übrigens mit Ruhe genommen werden, schließlich waren wir immer noch auf über dreitausend Metern Höhe. Was spätestens oben allen klar war.

Die letzte Etappe des Tages war dann ein Tal mit einem Bach, Kakteen und hervorragendem Echo, wo wir uns über die Entstehung der Salzwüsten in und um San Pedro unterhielten (Kurzform: manches war früher Meeresboden, aber nicht alles). Die Kakteen waren zwar etwas weit entfernt, aber das Tal gab einen vorzüglichen Fotohintergrund ab. Leider kann ich nicht Jodeln.

Als Bonus für soweit Durchhaltende gibt es noch ein paar Bilder vom Hauptplatz von San Pedro de Atacama, die entstanden während wir ein Grillhuhngeschäft suchten:

Damit war mein Urlaub in San Pedro auch schon fast am Ende. Für meine Kollegen aus Österreich und Frankreich war er das jedenfalls. Am Nachmittag würfelten wir noch etwas, teilten unsere Nummern und verabschiedeten uns voneinander. Für den letzten Tag hatte ich mir etwas besonderes geplant: eine Salzlagune mit Flamingos (Chaxa).

Fiesta, Felsen, Farben

Mit meinen neuen deutschen Bekanntschaften aus den vorvorherigen Beiträgen suchten wir am darauffolgenden Abend noch eine Bar für einen Abschiedstrunk. Überraschenderweise gibt es in San Pedro fast nur Restaurants, die auch nur Getränke UND Essen gemeinsam verkaufen, allerdings nicht getrennt – komisch.

Davor waren wir in einem Restaurant mit Sitzgarten gewesen, was spät abends doch sehr kühl werden konnte. Immerhin gab es eine Bierverkostung mit echt atacamesischen Biersorten zu probieren – und zwar gratis! Die Biere waren leider eines schlechter als das andere, dafür mit vielen interessanten Zutaten gebraut. Wir einigten us darauf, dass das Reinheitsgebot wohl tatsächlich seinen Grund hatte und sprachen statt über das Bier über den hervorragenden chilenischen Wein. Danach war es allerdings, wie gesagt, etwas kalt und die Suche nach der neuen Sitzgelegenheit begann. Nach einer kurzen Wanderung durch die Straßen kamen wir zu dem Schluss, dass es in San Pedro genau eine einzige Bar gibt, die nicht gleichzeitig ein Restaurant ist – die war allerdings leider erstens sehr laut und zweitens voll. Also ging es weiter – im Minimarkt kann man übrigens auch kein Bier kaufen wie wir noch im Vorbeigehen feststellten.

Erst als wir fast schon fast aufgeben wollten, fanden wir ein Restaurant das, am Ende eines etwas versteckten Ganges, in einen Innenhof gelegen, auch gewillt war, „nur“ Getränke auszuschenken – zumindest hatten wir die Bestätigung des Kassiers – gut genug für uns. Der Kellner wollte es uns anfangs nicht ganz glauben, auf den Verweis auf den Kassier hin willigte er aber ein und stellte uns (alibihalber) ein paar Brötchen mit Aufstrich hin – für die wir später nichts zahlen mussten. Der Abend war alles in allem sehr schön und ich freue mich sehr, so nette Bekanntschaften geschlossen zu haben.

Am nächsten Tag war eine Tour mit meinen Zimmergenossen zum „Valle del Arcoíris“ geplant – dem Regenbogental (arco wie arc und iris wie Regenbogenhaut). Hierzu wurde zuerst die billigste Agentur gesucht und voll ausgenutzt, dass wir sechs Studenten waren (Massen – UND Studentenrabatt). In der Früh ging es dann auch los, zuerst zu den Petroglyphen (Felszeichnungen), die in einen riesigen, – natürlich- vulkanischen  Stein geritzt waren, der sich in der Nähe auf einer Ebene befand. Der Fels diente wohl als Rastplatz für vorüberziehende Karawanen von Indios, die sich hier während der Pause künstlerisch betätigten – man sagt, dass sie für jeden Tag der Reise bisher ein Tier in den Fels ritzten ( diese Praxis gab es noch bis vor nur 500 Jahren – die „Vorgeschichte“ in Amerika ist wesentlich jünger als in Europa!). Allerdings gab es nicht nur „alte“ Zeichnungen, sondern auch „neue“, wo heutige Touristen ähnlich mitteilungsbedürftig waren wie die Menschen vor tausenden von Jahren.

Unser Guide erklärte uns auch, was wir denn von den verschiedenen Zeichnungen wissen, nämlich offenbar fast nichts. Oft ist es nicht einmal klar, was genau das Tier darstellen soll, sei es Guanaco, Vicuña oder Llama. Es gab auch einige mystische Zeichnungen von Fabeltieren oder Gottheiten. Außerdem interessant: viele abgebildete Tiere sind in der Region nicht einmal einheimisch. Die Menschen wollten offenbar die für sie unbekannten Tiere, die sie aus anderen Gebieten mitgebracht oder auch nur gesehen hatten verewigen. Auch klar – alltägliches hält man nicht unbedingt fest. Unser Guide, Oswaldo, erzählte nicht nur von alledem, sondern auch davon, wie man denn „neue“ von „alten“ Ritzereien unterscheidet. Danach gab es ein mittelmäßiges Frühstück (wir hatten immerhin die billigste Tour), aber die Gruppe neben uns aß nicht auf, und so kamen wir dennoch in den Genuss der höchst qualitativen Brötchen und Kekse – hat sich also gelohnt.

Danach ging es zum eigentlichen Kernstück der Tour – dem Valle de Arcoiris oder Regenbogental. So genannt nicht, weil es etwa so schöne Wasserfälle gibt, sondern, weil es in diesem Tal Felsen in (fast) allen Farben des Regenbogens gibt. Oswaldo fragte uns zuerst, ob wir denn Spanisch verstünden („natürlich!“) und begann dann über die geologische Entstehung und tektonische Geschichte der Region und der Gesteine allgemein zu erzählen – auf spanisch. Leider merkten wir das unser Vokabular für derart technische Erläuterungen etwas mangelhaft war. Dennoch nahmen wir einiges aus den anschaulichen Zeichnungen, die er mit dem Messer in den Sand ritzte mit. Und fünfzig Prozent verstanden wir immerhin allemal. Das Tal ist übrigens sehr schön und nicht einmal naturgeschützt, man kann also Steine mit nachhause nehmen, was z.B. im Valle de Luna verboten ist.

Wir machten eine kleine Wanderung um den Größten „Hügel“ herum, und auf der Hinterseite offenbarte sich eine Farbenvielfalt, die man in der Wüste für kaum möglich halten würde (klicken zum Vergrößern (wie alle Bilder im Blog übrigens)):

Auch interessant war eine Felsformation in den Farben der italienischen Flagge und die schroffen Felsen am „Ausgang“:

Am schönsten soll es hier übrigens abends und morgens sein – was man sich gut vorstellen kann. Es heißt, im Valle de Arcoiris hat man zu jeder Tageszeit neue Eindrücke wenn das Sonnenlicht im Laufe der Zeit auf die verschiedenfarbigen Gesteine trifft.

Auf der Rückfahrt plauderten wir noch ein wenig mit Oswaldo (jetzt auf Englisch), der zu viielen Themen etwas zu sagen hatte, von Politik in Südamerika über die besten Tourismuszeiten bis hin zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten im Umkreis und seinem persönlichen Werdegang. (Es gibt übrigens eine App mit der man sich sämtliche Erdbeben der letzten Tage in Chile und Umgebung anzeigen lassen kann – und somit die vulkanische Aktivität verfolgen kann.) Er selbst ist seit seinem siebten Lebensjahr auf den Bergen unterwegs und seit über zehn Jahren Guide in San Pedro. Er sieht auch ein bisschen aus wie ein Pirat- mit Goldohrring und nur einem funktionierendem Auge.

Für den nächsten Tag war eine der Hauptattraktionen der Region geplant: die Geysiere von Tatio. Es würde früh auf und hoch hinaus gehen, um fünf Zhr Abfahrt auf 4300 Meter Seehöhe bei -13 Grad. Wir waren gespannt.

 

 

 

Die Wüste erfahren

Hier sollte gesagt werden, dass ich auf meiner Reise nach San Pedro nicht nur Deutsche kennen lernte – auch Österreicher, Franzosen, Brasilianer und Schweizer waren dabei.

Am zweiten Tag meines Aufenthaltes spielte sich der folgende Dialog im gemeinsamen Schlafraum meines Hostels ab: Ich (auf Spanisch) zum neu Hinzugekommenen: „Hi, woher kommst du?“ Er (ebenso auf Spanisch): „Österreich“ – „Wo genau?“ – „Kärnten“ – „Wo genau? (hier muss er mich für ein bisschen blöd gehalten haben, wer im Ausland kennt schon Kärnten?) – „Seeboden.“ – Ich: „Weißenstein“. Er (auf Deutsch): „Am anderen Arsch der Welt, was?“ – es stellte sich heraus das genau in meinem Zimmer zwei Kärntner(!) und drei Franzosen untergebracht waren, die sich auf Auslandssemester in Chile (genauer: Santiago) befanden, und sich bei einem Sprachkurs kennengelernt hatten. Ebenso durch den Streik der Studenten im Semesterantritt verzögert, zogen sie nun durch den Norden auf Urlaub. Ihr Plan für den nächsten Tag war, mit dem Rad ins Valle de Luna zu fahren und ich hatte nichts besseres zu tun, fragte also, ob ich mitkommen könnte. Eine Radtour hatte ich sowieso geplant gehabt, da es um San Pedro einiges interessantes zu sehen gibt, das man sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad erreichen kann.

Am nächsten Morgen ging es also nach dem Frühstück und einigen Würfelspielen (Liar’s Dice, bekannt aus „Fluch der Karibik“) zum Bikeshop um die Räder startklar zu machen. Dazu gab es eine Karte und Warnweste sowie den Helm. Wasser und Essen war gepackt, es konnte also losgehen.

Leider hatte ich die paar Kilometer Radtour bei extremer Trockenheit und ziemlicher Höhe etwas unterschätzt – ebenso wie meine Kondition. Während sich einige meiner Kollegen beim offroad vergnügten, versuchte ich mit dem Gegenwind klarzukommen, der uns bei dem ersten Abschnitt entgegenblies.

Man wartete allerdings auch immer im Schatten zusammen und wir konnten so einiges bestaunen, woran ich am ersten Tag mit der Tour nur vorbeigefahren war, wie zum Beispiel die „Cavernas de Sal“, oder Salzhöhlen:

 

Es war zeitweise sogar recht dunkel und mit dem großen Rucksack den ich dabei hatte etwas ungemütlich. Dafür sehr spannend und interessant zu sehen. Zitat : „Hier brauchen wir keine Taschenlampe, das geht auch so!“ gefolgt von ziellosem Herumtapsen unsererseits bis sich jemand erbarmte und das Handy zum Ausleuchten zückte.

Die „Höhle“ endet mit einem Weg hinauf auf die umkreisenden Gesteinsformationen, wo ein wunderschön ausgeschilderter Weg wieder zurück zum Eingang führte. Hier entschieden wir uns auch, unsere erste Mittagspause im Schatten eines Felsen zu machen und ich machte auch ein paar Fotos. Der Ausgang lag direkt neben dem Einstieg in die Höhle ebenso im getrockneten Flussbett.

 

Die nächste Station war wieder die große Sanddüne. Allerdings ging das generelle Sentiment eher in die andere, nämlich entgegengesetzte Richtung – es gibt nämlich zwei Wege, einen zur Düne mit Bergkamm und den in die andere Richtung führende, weiter auf den anderen Bergkamm hinauf. Ich rannte trotzdem noch schnell Richtung Aussichtspunkt und stellte fest, dass sich auf der Düne etwas verändert hatte: jemand hatte seinen Hut hier verloren!

 

Die andere Seite der Düne hatte aber ebenso einiges zu bieten: tolle Felsformationen und einen wunderschönen Ausblick; ein kurzes „Höhenmeterraten“ führte zwar zu einer gewissen Enttäuschung – „Was 2400, ich dachte wir wären mindestens auf 3000 geradelt?“ – Ich. Dies tat dem Ganzen aber keinen Abbruch und es wurde flott drauflosdiskutiert wie die verschiedenen Felsformationen entstanden seien und wie die umliegenden Vulkane denn nun genau hießen.

Der Rest der Tour führte dann über die weitere Route ins Tal des Mondes, an einigen alten Salzmienen vorbei (in einer wurde nochmal Pause gemacht) und am Ende gab es noch eine kurze Diskussion, ob man noch ganz bis zum Ende und den „tres Marias“ schaun sollte, oder nicht – es war nämlich schon spät, das Wasser knapp und der Weg weit. Die allgemeine Neugier siegte, und nach einem fünfminütigen Aufenthalt bei den drei Marien – „Das ist das religiöseste, was ich je getan habe, soweit für drei Marien zu fahren.“ ging es, von meiner Seite schon etwas erschöpft, wieder zurück.

Nach soviel -im letzten Stück eher langsamen- Radeln meinerseits war ich dann auch äußerst froh, wieder in San Pedro zu sein und nach einer kurzen Pause am Stadtrand (wo war nochmal genau der Bikeshop?) fanden mich auch meine Kollegen wieder. Die letzte Etappe in der Wüste war damit genommen.

Beim nächsten Mal: von bunten Felsen und interessanten Guides…

Hohe Berge und flache Täler

In den Anden ist die Höhe für die sie ungewohnte Menschen (wie mich) allgegenwärtig. Interessant ist, dass es im Vergleich zu zB Österreich keinen krassen Übergang zwischen „Hoch“ und „Tief“ gibt – man fährt einfach nach Osten und, ohne große Steigungen zu überwinden, ist man auf einmal auf vier Kilometern Seehöhe. So sollte es auch an diesem Tag werden.

Am zweiten Tag stand nämlich eine Ganzgagestour zum „Salar de Tara“ an. Die Route zur Salzpfanne war zwar laut einigen anderen Agenturen gesperrt, wurde hier aber trotzdem angeboten (über eine etwas rumpeligere Nebenroute) – „High“light der Tour: ein Zwischenstopp auf 4800m Seehöhe und eine Besichtigung von vulkanischen Findlingen.

Geführt wurde die ganze Tour von Alex, einem in Schweden geborenen und lange in Chile lebendem Sohn von spanisch/schwedischen Eltern. Der erste Stopp fand auf ca. 3300 Metern statt, um zu Frühstücken und sich an die Höhe zu gewöhnen. Zitat: „Wir könnten da vorne stehen bleiben, aber der Blick ist fast der gleiche und hier gibt es Llamas.“ Der Blick auf den Vulkan Licancabur war tatsächlich sehr schön. (Der Vulkan hat übrigens einen Kratersee, in dem winziges Leben besteht und man kann sogar darin tauchen… wenn man will.)

Weiter nach oben wird die spärliche Vegetation immer weniger – eine Art Indikator für die immer dünner werdende Luft in der Höhe. Am höchsten Punkt der Tour angekommen, war es fast kaum zu glauben, dass es so hoch ist: keine Täler, nur Berge:

Unten angekommen konnten wir die Vulkanischen Steine betrachten, die aufgrund der Erosion interessante Formen angenommen hatten: die bekannteste davon ist wohl der „Indianerhäuptling“, in dessen oberen Part man mit etwas Fantasie ein Gesicht erkennen kann:

An der Lagune wurden wir über die Wichtigkeit, die Natur zu schützen und das natürliche Gleichgewicht in dem fragilen Ökosystem nicht zu stören aufgeklärt: dasselbe wurde von einigen anderen Touristen offenbar gekonnt ignoriert; sie befanden sich direkt am Wasser und belästigten einige Flamingos und Guanacos.

Trotzdem sehr schönes Wetter, wenn auch wie an den Bildern zu erkennen etwas kalt :).

Dann ging es durch die Hochebene und rumpelige „Straßen“ zu unserem Hauptziel: dem Salar de Tara:

Hier ging ein ordentlicher Wind und das Mittagessen stand an, also suchten wir uns den einzigen windgeschützten Platz der Ebene, hinter einigen Felsen und in einer kleinen Mulde und warteten. Der Blick war ebenso wie das Wetter wirklich wunderschön, angefangen von den schwarzen Felsen links im Bild (in der Ferne) bis über die Salzebene zu den Bergen dahinter. Aufgrund der geschlossenen Hauptroute waren wir sogar die einzigen Touristen in der Gegend.

Dann ging es über die Wildnis zurück zur Straße, wo einige Mitreisende unbedingt noch für Zuhause Fotos (im Gehen, im Laufen, im Springen, im Sitzen etc.) machen mussten, das alles bei klirrend kaltem Wind – Respekt.

Dann ging es über die „Laguna Diamante“, eigentlich ein Baggersee, der für den  Straßenbau ausgehoben wurde, und sich danach mit Schmelzwasser gefüllt hatte, das nun gefroren war – ein Highlight für die Brasilianer der Tour. Dann waren wir abber fast schon wieder zurück zum ersten Aussichtspunkt, wo wir uns vor dem letzten Wegstück mit einer kurzen Pause wieder an tiefere Gefilde akklimatisierten.

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Der erste und letzte Aussichtspunkt der Tour

Die Llamas waren leider schon weg. Ein Fakt am Ende: der zweite sichtbare Berg ist ebenso ein Vulkan wie der erste, man kann noch die Kegelbasis erkennen. Allerdings hat eine Explosion vor (ich glaube) einigen Millionen Jahren die gesamte Spitze abgerissen. Übrigens sind etwa 80% aller Berge im direkten Umkreis von San Pedro Vulkane – zumindest laut einem anderen Guide. Doch dazu später mehr…

Atacama – eine wüste Angelegenheit

Nun war ich also gut in der Atacamawüste angekommen. Im Flieger saß ich witzigerweise genau neben zwei Deutschen auf Südamerikareise (hallo!), die sich als irsinnig nette Leute entpuppten. Wir verstanden uns recht gut und verabredeten uns bald, am nächsten Tag eine Tour zusammen zu unternehmen.

Die Destination hieß San Pedro de Atacama. Hitze, Kälte, Staub und Sand erwarteten uns! Zuerst mit dem Flieger in Calama gelandet (ein Ort, den selbst englische Reiseführer als „hässlich und langweilig, eigentlich nur gut für den Transfer nach San Pedro“ beschreiben) ging es dann gemeinsam mit dem Transfer durch die Wüste in die ca. eine Stunde entfernte Wüstenstadt. Dabei konnten wir im regen Gespräch den ersten Sonnenuntergang in der Wüste erleben.

Ein Paar Infos zur Stadt (Dorf?) selbst: San Pedro ist vermutlich die touristisch erschlossenste Lokation in Chile. In den kleinen Gässchen aus einstöckigen Lehmbauten tummeln sich die Touristen, umzingelt von Restaurants, Reiseagenturen, Hostels, Hotels, Bikeshops und Minimärkten. Es kommt fast das Gefühl auf, in einer kleinen, eigenen Welt zu sein. Mit Wasser muss sorgsam umgegangen werden, denn die Atacamawüste ist die trockenste Region der Erde, da sie im Regenschatten von sowohl dem Küstengebirge (im Westen) als auch den Anden (im Osten) liegt. Dabei liegt San Pedro zusätzlich auf ca. 2400 Metern Seehöhe – besonderer geht’s also kaum.  Der Boden in der Wüste is zwar sehr trocken, aber dank der unzähligen Vulkane im Umkreis erstaunlich fruchtbar. Wenn es also einmal regnet, dann erblüht die ganze Wüste für einige Zeit, ein Phänomen, das als „Desierto Florido“ bekannt ist. Dank der Trockenheit ist die Landschaft auch ganz besonders, „wie von einem anderen Stern“, was zum Beispiel auch von der NASA genutzt wurde bzw. wird  um Marsrover und ähnliches unter praxisnahen (staubigen) Bedingungen zu testen. Der erste Ausflug sollte eine Tour in genau diese Gegend sein – das „Valle de la Luna„, oder auf deutsch: Tal des Mondes. Bereits die Anreise war landschaftlich erstaunlich für mich alten Bergbewohner:

Die erste Station auf der Tour ist das letzte Bild: die große Sanddüne. Der Guide war sehr professionell („Nicht vom Weg runter, genug Wasser trinken, war jeder am Klo? Hier könnt ihr super Fotos machen!…etc.“), konnte aber auch interessantes erzählen. Zum Beispiel, dass die Vulkane von den Ureinwohnern der Wüste als Schutzgottheiten verehrt wurden, und es noch heute in dem Design der Kirchen einige Hinweise auf den alten Glauben gibt (z.B. die Dreiecke/Minipyramiden an der Mauer im Titelbild – auch die Kirchenmauer ist voll mit diesen.)

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Der Blick von oben – sehr schön!

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Oben angekommen mussten wir natürlich zuerst ein paar Fotos schießen ;). Die Atacamawüste ist nicht nur die trockenste Region der Welt, sondern auch, wie unschwer zu erkennen ist, die mit dem klarstem Himmel weltweit. Daher gibt es hier auch einige Sternwarten bzw. Observatorien, wie z.B. ALMA oder das (europäische) im Bau befindliche Extremely Large Telescope (Heißt übrigens wirklich so. Ist die europäische Antwort auf das amerikanische Very Large Telescope . Auch wirklich. Leider wurde das Overwhelmingly Large Telescope abgeblasen – aber was soll man über die Kreativität von Astrophysikern schon sagen…)

Von oben auf der Düne hat man übrigens einen Wunderhübschen Blick ins Tal, bzw. den Kessel, der von hier fast wie ein Krater aussieht. Generell ist die gesamte Landschaft in der einen oder anderen Form durch vulkanische oder tektonische Aktivität entstanden – man sieht noch oft die Spuren verschiedener Ausbrüche als verschiedenfarbige Schichten im Gestein. Der Sand selbst besteht auch aus rötlichem Vulkangestein und schwarzer Asche, was zu der besonderen Farbe führt.

Auf der anderen Seite der Düne gab es einen weit eren Aussichtspunkt, wo wir noch ein paar Fotos machten, bevor wir uns auf den Weg durch das Tal machten, wo uns am Ende eine Gesteinsformation namens „Los tres Marias“(„Die drei Marien“) auf uns wartete. Hier konnte man mit etwas Fantasie (und wohl auch etwas Durst) in drei Gesteinsformationen drei Marienstatuen betrachten.

Wem sich fragt, wo die dritte Maria ist, sollte der Fairness halber gesagt werden, dass die drei Marien eigentlich die „zweieinhalb Marien“ sind, seit ein Tourist mit der linken Maria besteigenderweise ein Selfie machen wollte – das Salzgestein brach und das war’s mit den drei Marias. Mir persönlich war der Dinosaurierkopf (auch Pacman genannt) links von den Marien sowieso etwas sympathischer.

Salz ist im Valle de Luna übrigens fast allgegenwärtig. Früher hieß die Gegend „Las Salinas“ und wurde fast ausschließlich für den Salzabbau genutzt. Auch bei der Durchfahrt durch das Tal sieht man oft kleine schimmernde Flecken, die wie Wasser oder Metall aussehen, aber reines Salz sind. Mein Bart schmeckte noch am Abend salzig…

Die letzte Station war der „Mirador de Coyote“, der „Kojoten-Aussichtspunkt“. Hier sollten wir bei rasch abkühlender Temperatur den Sonnenuntergang bestaunen können. Außerdem gab es Empanadas zu kaufen, um den langsam aufkommenden Hunger zu stillen.

Am Abend war ich erschöpft genug, nach dem Essen fast direkt ins Bett zu fallen. Der erste Tag in der Wüste war spannend gewesen.

 

 

 

Naturpark 2 – Conguillío harder

Nun, was könnte besser sein als einen schönen Naturpark inkl. Vulkan zu besuchen? Natürlich dasselbe nochmal zu machen, diesmal an einem etwas anderem Ort mit anderer Begleitung :D.

Kurzgesagt: Die UFRO hat ein Betreuungsprogramm für die postgrads und ich bin da mit dabei. Der diessemestrige Ausflug ging geführt weiter in den Naturpark Conguillío hinein als ich letztens war. Zudem ist schon etwas Zeit vergangen, das heißt im Vergleich zu vorher lag weniger Schnee, dafür etwas mehr Vegetation. Das Wetter spielte auch mit und wir bekamen wieder einmal ein spektakuläres Naturschauspiel zu sehen.

Empfohlene Musik: Bob Dylan

Den Anfang bildete wieder mal die Laguna Verde: Diesmal mit mehr Sonne und mit Guides die uns über die Fischbestände und Befischungsrechte (verboten, außer vom Ufer aus) sowie den Wasserpegel (niedrig, weil aufgrund von Erdbeben einiges Wasser abgeflossen ist) aufklärten.

 

Auf einigen Fotos kann man fast erkennen, wo der Wasserstand einmal war und dass die Lagune früher wohl noch größer gewesen sein muss.

Zum zweiten Mal hatte ich aber ein Gefäß für den schwarzen Sand als Andenken vergessen – dafür habe ich später einen Vulkanstein mitgenommen. Auch fein.

Weiter ging es zur Regenbogenlagune, mit dem kristallklaren blauen Wasser. Dort sahen wir dann auch, was der eigentliche Grund für viele unserer Zentralamerikanischen Begleiter war, die Fahrt mitzumachen: Schnee. Zu meiner Überraschung war ich bei der Abstimmung, wer denn schonmal Schnee gesehen hätte, in der Unterzahl. Das würde sich allerdings bald ändern.

 

Derart angespornt konnte dann der richtige Teil der Tour beginnen: die Wanderung durch den Schnee zum Aussichtspunkt über den Conguillío-See. Dort war ich beim letzten Mal jedenfalls nicht. Der Weg führte nicht nur durch Matsch und Schnee (frisch aufgetaute Straßen), sondern auch an wunderschönen Araukarienwäldern vorbei. Die Araukarie hab ich ja schonmal zumindest klein gezeigt, hier entfalteten sich die uralten Bäume aber in voller Pracht – es ist leicht zu sehen warum dieser Baum aufgrund seiner kerzengeraden Wuchsweise bei Holzfällern so begehrt war, dass er nun unter Schutz steht:

 

Pause gab es dann an einer weiteren Lagune/See: bei Brötchen konnte man die sich im Wasser spiegelnden Anden bestaunen, worauf hin es mit bambusähnlichen Spazierstöcken bewaffnet den Berg hinaufging, zum ersten Aussichtspunkt (Mirador – siehe Beitragsbild).

 

Nach ca. zweistündiger Wanderung ging es dann über Stock, Stein, Schnee und Eis, was für viele unserer Begleiter und auch mich eine rutschige Angelegenheit war. Am Ende kamen wir aber alle unbeschadet oben an:

 

Überraschenderweise oder gottseidank hatte die Organisatorin die Vorraussicht Kaffee mitzunehmen (Hurra!) und machte sich ans ausschenken. Zu etwa dem gleichen Zeitpunkt dachten sich auch zwei Kondore, dass sie uns gerne Gesellschaft leisten würden:

 

Leider fotografiert es sich mit Kaffee in der Hand nicht allzu gut. Naja.

Danach folgte der Abstieg, inkl. Schneeballschlacht und Rutschen auf dem Weg. Aufgrund von fortgeschrittener Dunkelheit seitens des Tages und Müdigkeit seitens der Studierenden wurde der Plan noch einen Wasserfall zu besuchen („Man könnte immerhin das Rauschen hören!“) offenbar verworfen. Auch schön.

 

Alltagsg’schichten

Ja, ich hab zwar länger nichts mehr geschrieben, aber es ist auch nicht sehr viel aufregendes -zumindest für die meisten meiner Leser- passiert. Allerdings ist mir langweilig, also gibt es einen Blogpost. Gern geschehn.

Vor einiger Zeit habe ich versprochen, ich würde etwas über die Fortbewegung in Temuco erzählen, also los geht´s:

Das links etwas schlecht erkennbare Auto mit dem Schild auf dem Dach nennt sich liebevoll „Collectivo“ und ist sowas wie eine Mischung aus Taxi und Bus. Es gibt mehrere verschiedene „Linien“, die meines Wissens nach sogar von verschiedenen Firmen betrieben werden und die gewisse Routen im Kreis abfahren – in beide Richtungen.

Aber – werden sich jetzt vielleicht einige fragen – woher weiß man denn genau welches Collectivo wohin fährt? Immerhin gibt es ja keinen öffentlichen Fahrplan. Außerdem ist das nicht kompliziert, falls man mal mehrere Collectivos für eine Fahrt braucht?

Die Antwort ist einfach: Und wie das kompliziert ist! Ohne ortskundige Hilfe ist man relativ aufgeschmissen, allerdings findet sich schnell wer den man fragen kann, denn die Chilenen die ich bisher getroffen habe sind alle überaus hilfsbereit (Zitat mein Prof: „Das ist, weil du weiß bist!“). Eine Fahrt kostet jedenfalls 500 Pesos oder ca. 65 Cent – das Doppelte falls es eine sehr lange Fahrt ist (etwa von mir zum Busterminal am anderen Ende der Stadt) und in der Nacht 20 Cent mehr. Sehr erschwinglich, trotzdem regen sich einige Leute die ich kenne über den unerhört hohen Preis auf. Naja.

Die Collectivos gibt es übrigens in den logisch abfolgenden Nummern 11, 11A, 11P (fährt zum Busterminal) 111 mit rotem Hintergrund, 111 mit blauen Hintergrund (meine Boys), 21, 21A, und, ich glaube, 24. Darüber hinaus gibt es normale Taxis die ich aber noch nie benutzen musste. Wochenends und spät in der Nacht ist es schwerer ein Collectivo zu finden als zu Stoßzeiten, im Stadtkern findet sich aber immer etwas.

Rechts im Bild oben zu sehen ist ein „Micro“, eine Art Bus die nach dem selben Prinzip wie die Collectivos funktionieren – sie kommen wann sie kommen. Darüberhinaus, aber langweilig: normale Busse mit geregelten Abfahrtszeiten zwischen größeren Städten.

Bonusbilder:

Von oben nach unten und links nach rechts: Graffiti auf dem Weg zur Uni, Nebel am Morgen (am Abend sieht es ähnlich aus, allerdings abgasbedingt) und eine wunderhübsche Statue, die man aus irgendwelchen Gründen nicht auf den Werbematerialien der Ufro zu sehen bekommt. Sie stellt – was denn auch sonst – einen Forscher bei der Arbeit dar, wie man sich das eben gemeinhin vorstellt. Ich persönlich finde die Statue herrlich.

Bonus – Titelbild: Ich habe einen Kletterkurs begonnen. Nicht im Bild: Ich.

Conguillío – Asche am Ende der Welt

Nachdem ich meine Mitreisenden mit meinem Schnupfen angesteckt hatte – der zum Zeitpunkt des Schreibens übrigens wieder wesentlich besser ist – brachen wir am nächsten Tag also auf, um uns den Nationalpark näher anzusehen. Die letzte Eruption des Llaima – so heißt der Vulkan im Zentrum – war 2009, also ist noch ziemlich viel Drumherum mit Vulkanischem Gestein und Asche bedeckt. Trotzdem kann man schon oft die Natur durchblinzeln sehen.

Vorher aber: ein Zwischenstopp bei der geologisch interessanten Felsformation wo nicht nur die Spuren der bis zu 13000 Jahre alten Vulkanaktivitäten sichtbar waren, es gab sogar eine kleine Erklärung auf Englisch und Spanisch, was denn jede einzelne Schicht zu bedeuten hatte, bzw. wie sie entstanden ist. Dazu eine kleine Einführung in die Mythologie der Mapuche (so heißen die Ureinwohner von Chile). 20180803_144256

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Sogar mit etwas Sonne

Übrigens sind viele Begriffe und Ortsbezeichnungen in der Region in der Sprache der Mapuche, Mapundungun gehalten: Melipeuco heißt zum Beispiel „Treffen der vier Wasser“ (im Bezug auf die vier Flüsse der Region), Conquillío selbst heißt „Wasser mit Araukaniensamen“.

Nachdem wir uns hier sattgesehen hatten, ging es zum eigentlichen Kernstück: dem Park Conquillío. Hier wollten wir uns heute vor allem die Lagunen anschaun, die durch das schmelzende Gletscherwasser entstehen und teilweise den dort bestehenden Wald überflutet hatten. Die Tour selbst ist übrigens nichts für Kleinwagen: der Weg durch den Nationalpark ist eine fast wortwörtliche Schotterpiste, nur an Stelle von Schotter fährt man über den schwarzen Sand der kilometerweit das Land bedeckt. Trotzdem blickt überall die Natur durch und Büsche und kleine Sträucher bedecken den Boden rund um ältere Bäume, die dem Feuer zum Opfer fielen. Der erste Stopp auf unserer Tour im Park Conguillío war die Laguna Verde, oder „grüne Lagune“: 20180803_151421

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Im Herbst soll es hier besonders schön sein, wenn die Bäume in allen Farben leuchten und den Kontrast zur schwarzen Erde und dem grünen Wasser bilden. Allerdings hat auch die beschneite Landschaft im Chilenischen Winter ihren Reiz:

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Danach ging es weiter mit dem Auto: zu einer etwas kleineren, dafür ebenso schönen Lagune. Nur ein kleines Problem gab es dabei: 20180803_155233Die Straße war für Autos gesperrt. Also ging es zu Fuß weiter. Durch den Matsch und Schnee stapfend wurden richtig Heimatgefühle wach, und das im August! Dafür bekamen wir dann auch etwas zu bestaunen:

 

Alles in Allem kann man den Ausflug mit zwei Worten beschreiben: sehr Cool.

Von Nationalparks und Vulkanen

…beides gibt es in Chile jedenfalls reichlich. Besonders in der Umgebung von Temuco liegen einige schöne Nationalparkt bzw. Naturreserven und auch mindestens zwei noch aktive Vulkane (die aber eher weiter weg.) Einer davon war schon auf dem Bild von der Uni in einem früheren Post zu sehen.

Nun hat es sich jedenfalls zugetragen, dass zur besseren touristischen Zusammenarbeit der Guides und Herbergenbesitzer in dem Gebiet um Melipeuco eine Datensammlung bezüglich eines Projektes der Universität stattfand. Und ich wurde gefragt, ob ich denn gerne mitfahren würde, zwei Tage, einige Interviews, ich sollte derweil bisschen Tourist spielen und später geht es in den Park. Natürlich habe ich Ja gesagt.

Die erste Fahrt ging etwas weiter Richtung Berge, zu einem kleinen Häuschen, in ein sympathisches Ehepaar lebte, die aus Araukarien (Übrigens das Wahrzeichen der Region – wie schon im Blog über Santiago erwähnt) Mitbringsel herstellen und direkt vor einem Wanderpfad leben. Während des Interviews bin ich ein wenig den Weg hinaufgekraxelt – von Befestigung kann leider nicht wirklich die Rede sein, für Kinder also eher ungeeignet. Dafür bot sich mir schon bald dieser herrliche Blick:

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Fast wie bei mir zuhause in den Alpen – und doch anders

Danach gab es Kuchen und Kaffee (sehr beliebt in Chile: Nescafé – und mit beliebt meine ich: es ist der Standardkaffee außer man bestellt dezidiert „echten“ Kaffee! Ein Graus für Kaffeesnobs.) und uns wurden wunderschöne Objekte aus dem Holz der Araukarie geszeigt. Im Bild: eine Zuckerdose, ein Laminiertes Stück Holz und ein versteinerter? Rindenblock.

Später ging es dann noch durch das Dorf Melipeuco zu einem Wasserfall des Flusses Truful-Truful. Dann war es aber auch schon spät geworden und wir wollten unsere Übernachtungsmöglichkeit besichtigen: ein wunderschön hergerichtetes Häuschen von einem bereits vorher interviewten Herren, der uns sogar einen Spezialpreis anbot.

Am nächsten Tag ging es dann nach getaner Arbeit auf in den Nationalpark Conguillío. Dort gab es einiges zu sehen, so dass ich dafür lieber einen weitern Post anlege.