Update – el tiempo vuela

Und wie die Zeit verfliegt! Kaum angekommen, ist schon der Großteil des Semesters vorbei und es bleibt nur mehr ein Monat, bzw. etwas mehr der Reise übrig!

Ja, ich habe tatsächlich geschafft, zwischendurch auf den Kalender zu schauen und bin zu dem Schluss gekommen, dass meine Klassen ziemlich alle noch vor Weihnachten aufhören.

Die Zwischenzeit wurde unter anderem aufgelockert mit:

Tanzen, Klettern (abgebildet: nicht meine Kollegen), ein Artificial-Intelligence Workshop (abgebildet: ein „Roboter“), einer Feier zur sechsjährigen Akkreditierung der Uni und Halloween.

Dazwischen: Klassen, Lernen, Prüfungen und Präsentationen. Aber auch Spaß mit Extranjeros (Austauschstudenten) und Chilenen. Ich habe beim Mittagessen vor längerer Zeit eine Spanischlehrerin kennengelernt und mich sofort für den Kurs angemeldet, also kommt zu dem Ganzen noch ein Sprachkurs dazu :). Der Inhalt des Workshops zur AI deckte sich lustigerweise ziemlich genau mit den Inhalten der Vorlesungen die ich gerade besuche… spannendes Zeug.

Zu Halloween war ich zu einer Hausparty auf dem Land, bei der Freundin einer Freundin eingeladen, insgesamt lässt sich sagen: gutes Bier, gutes Essen, und die Südamerikaner tanzen auch mal 5 Stunden durch. Ich hab mein Bestes gegeben, dabei mitzuhalten. Zum Abschluss gab es dann noch Karaoke spanischer Klassiker, von denen ich genau keinen einzigen kannte. Die haben eine komplett andere Musikkultur die Lateinamerikaner… für mich haben sie dann aber auch ein englisches Lied aufgegabelt 🙂

Das Wetter wird übrigens immer schöner: Der Frühling ist zwar im Süden noch oft mit Regenschauern gebrochen, schaut aber immer stärker vorbei:

Und wir wissen alle, was das heißt: Richtig, es ist Weihnachtszeit!:

Sobald Halloween vorbei ist, sind natürlich sofort die Geschäfte fleißigst und pünktlich mit Weihnachtsdeko vollgestopft. Etwas befremdlich, dass die ganzen Schneemotive immer noch dabei sind, obwohl sie eigentlich überhaupt nicht zur Jahreszeit passen. Laut Erzählungen muss also der arme Kerl, der den Weihnachtsmann spielt, nicht nur ordentlich schwitzen, sondern auch sich gefallenlassen, wenn die Kinder seinen Bart mit klebrigen Eisfingern vollschmieren … brrr.

Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen: Mir wurde der beste Cupcakeladen Temucos gezeigt (lecker), die Mexikaner haben ein kleines Fest veranstaltet (fein) und der deutsche Einfluss zeigt sich auch in örtlichen Bierstuben:

in diesem Sinne: Grüße aus Chile und bis zum nächsten Mal!

International Week

Als Austauschstudent hat man nicht nur Möglichkeiten, sondern auch (zumindest soziale) Pflichten. So haben die Organisatoren der Austauschgruppe uns gefragt, ob wir im Zuge der „International Week“ ein Bisschen unsere Länder bzw. Heimatunis präsentieren können. Das ganze fand an einem Montag über den ganzen Tag verteilt statt, und wir sollten mit Kaffee und Essen belohnt werden.

Zu meiner Überraschung war das ganze weniger eine kleine Präsentation und mehr eine kleine Messe, wo ich als Österreicher mit Deutschland und den Niederlanden einen kleinen gemeinsamen Stand hatte. Immerhin stimmte die Sprache (fast). Die felligen Beine gehören zu einem Teddy in Lederhosen, die die Bayrin mitgebracht hatte

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Unser Stand – wir hatten Lernmaterialien dabei

Nach einigem Nachfragen für den Kaffee (jawohl!) kamen immer wieder interessierte Studenten vorbei, die genaue Anfragen zu Förderprogrammen etc. stellten, die wir natürlich nicht beantworten konnten. Immerhin hatten die Niederländerinnen Bier als Ausstellungsobjekt mitgebracht, sowie Hagelslag zum probieren, mit denen wir dezent den ganzen Boden vollsauten. Außerdem hatten wir sogar Promomaterialien von der AAU – woher auch immer, ich war nicht wählerisch. Zusätzlich hatte ich ein paar hübsche Bilder von Österreich als Untermalung mitgebracht.  Als Unterhaltung trat eine Chilenische Tanzgruppe auf, die mit viel Energie und Schellenklang die Stimmung zum kochen brachte.

 

Dann ging es am Mittwoch weiter: wir wurden gebeten, jeweils typische Gerichte aus unserer Heimat mitzubringen um den Studenten (und uns gegenseitig) einen kulinarischen Austausch zu ermöglichen. Ich und die andere Österreicherin haben zusammen einen Topf voll Kaiserschmarrn und Apfelkompott gemacht, der sehr gut ankam (nicht abgebildet). Aber auch die anderen Studenten haben sich nicht lumpen lassen:

 

 

Von deutschem Kartoffelsalat über spanische Tapas, französische Quiche, mexikanischen Tacos und Limonenkuchen war alles dabei. Dann ging es zu einer Tanzvorführung von typisch Lateinamerikanischen Tänzen:

 

 

 

Bekannterweise gehört ja auch die Osterinsel (Rapa Nui) zu Chile, wo hier einige tapfere Tänzerinnen und Tänzer der Kälte trotzten und typische Tänze mit viel Energie vorführten.

Danach war die Gruppe aus Kolumbien dran (dieselbe wie auf der Kolumbischen Fiesta übrigens) und führte den Typischen Cumbia vor.

Danach hieß es „alles Cumbia“ und wir durften gemeinsam mittanzen – eine neue und sehr lustige Erfahrung – egal wie gut wir dabei waren.

 

Siete Tazas – Sieben Tassen

Letztes Wochenende war wieder mal ereignisreich: Ich bin zum Nationalpark „Siete Tazas“ gefahren, der etwa sieben Stunden mit dem Bus im Norden von Temuco liegt. So weit, so gut, denn es gibt ja schließlich die Möglichkeit in der Nacht loszufahren, die Hinfahrt zu verschlafen und dann die Rückfahrt ähnlich zu verbringen.

Zuvor aber noch ein Foto von der Araukarie an der Ecke, an der ich immer auf mein Collectivo warte:

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(Übrigens hab ich beim Collectivo schon ein paarmal die falsche Richtung erwischt – meistens am Morgen, wenn ich noch übermüdet bin. Kein Problem allerdings , in der Innenstadt kann man nämlich umsteigen auf einen Microbus der ebenso zur Uni fährt – sogar direkter. Wenn ich also komplett übermüdet bin, komme ich sozusagen automatisch direkt bei der Uni an anstatt etwas gehen zu müssen – praktisch.)

Dies zu dem, bezüglich des Nationalparks gibt es zu sagen: der Bus sollte planmäßig um ein uhr morgens abfahren, also kam ich um 0:40 – natürlich – als erster an, wartete und wir fuhren tatsächlich schon um ca. 1:30 los. Als ich aufwachte, waren wir bei einer Raststätte in der Nähe des Parkes und nach einem Kaffee kamen wir zur ersten Grenze des Naturparks: einem kleinen Fluss. Die erste Station war dann der „Salto de la Novia“, oder Wasserfall der Braut: mit viiiel Fantasie könnte man im Wasser den Brautschleier erkennen. Dann diskutierten wir ein bisschen mit dem Guide über die Bäume und Vegetation die es hier, aber nicht in Österreich gibt und umgekehrt. Fazit: ich habe keine Ahnung wie Baumsorten auf spanisch heißen und sollte das nachholen.

Danach ging es zu dem eigentlichen Spektakel: die Siete Tazas, oder sieben Tassen, bzw. sieben Becken mit Wasser, durch die das ebengenannte Flüssiggut fließt und dabei hübsch aussieht.

Zu sehen waren trotz vielfältiger Holzaussichtsplatformen allerdings nur etwa drei bis vier der Tassen – immerhin hatten sie diesmal genug Wasser, denn nach einem Erdbeben kann es vorkommen, dass das Grundwasser woandershin abfließt und das war es dann mit Naturpark und Naturschauspiel – was hier einige Jahre vorher sogar passiert ist.

Mein persönliches Highlight im Park war allerdings der „Salto de la Leona“, oder Löwinnenwasserfall: Ca. 20 Minuten von den Siete Tazas über einen wunderhübschen Weg erreichbar ist dieser Wasserfall, der eine unglaublich tiefe Furche ins Gestein gegraben hat.

Man kann sogar neben dem wunderschönen Fluss bis hinauf zum Becken des Wasserfalles laufen und – nach Wunsch – darin baden. Aufgrund der Temperaturen haben die meisten davon abgesehen, aber einige Mutige haben es dann doch gewagt.

Der Wasserfall war dann auch der Ort für die mittlerweile wohlverdiente Essenspause: Empanadas und selbstemachte Brötchen rundeten die Rast wunderbar ab. Danach wurde mit den Mitreisenden und dem Guide bei Matetee (lecker!) über andere schöne Ausflugsziele in der Region um Temuco und in Chile generell geredet. Fazit: Torres del Paine ist offenbar ein Muss… mal sehen ob ich dafür Zeit haben werde.

Auch wenn er auf den Bildern eher klein aussieht, ist der Wasserfall überraschend groß: man beachte die Menschen am Ufer: (die kamen übrigens von der anderen Seite, wo auch ein anderer Nationalpark liegt. Auf Winken haben sie kaum reagiert.)

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Oben zu erkennen sind auch die vorhingenannten mutigen (badenden) Menschen, die nach kurzer Eintauchphase und schmerzverzerrten Gesichtern allgemein lieber in der seichten Mitte des Wassers blieben – verständlich.

Die Rückfahrt war dann wenig aufregend, fast aktiv langweilig sogar. Es gab noch einen zwischenstopp in einem Weinshop, die Wein teurer als im Supermarkt verkaufen und zwei Zwischenstopps wegen Motorproblemen, sodass wir dann gegen 2 Uhr morgens in Temuco ankamen. Am Sonntag habe ich dann ungefähr gar nichts mehr getan, außer mich vom Urlaub zu erholen.

Ein Wochenende in Temuco

Zu den Vorteilen, die ein Austauschstudent genießt zählt nicht nur die Bekanntschaft mit anderen Austauschis, sondern auch die Bespaßung die die ansässige Bevölkerung für einen bereithält. Auf gut Deutsch: es gibt eigene Kurse bezüglich Kultur und Bräuche, die eigens für die Austauschstudenten angeboten werden. Zu solch einem hab ich mich kürzlich angemeldet (hauptsächlich, weil ein Ausflug zu einer Mapuche – Community geplant war und dieser mit einheimischer Küche in Verbindung stehen sollte).

Der Kurs erstreckte sich eigentlich über drei Tage, der erste mit einer kurzen Einführung in die Kultur der Mapuche, der zweite über die chilenische Sprache und der dritte mit der besagten Führung. Gut, am zweiten Tag hatte ich leider keine Zeit, aber dafür konnte ich die chilenische Sprache samt „Modismen“, also eigenen Wortkreationen (wie bei uns Paradeiser statt Tomate etc.) ja selbst jeden Tag mit eigenen Ohren hören. Am Tag der Führung traf ich also bei meiner Uni ein – praktisch! – und war mit ein paar deutschen – natürlich! – als erster da. Kein Problem, Regen stärkt schließlich die Gesundheit und so schlimm wie bei uns ist der Regen auch lange nicht – mehr so eine Art fallender Nebel.

Der Worte waren bald genug gewechselt, und wir brachen endlich zu der Mapuche-Community auf. Der Busfahrer verfuhr sich zwar einmal, aber dafür wurden wir den letzten Teil des Weges von einigen Einheimischen geführt – nett. Die Landschaft sieht übrigens gerade in der Region fast aus wie zuhause in Österreich am Land.

Nun wohlbehalten angekommen, wurden wir in ein Haus im Stil einer „Ruka„, also der traditionellen einheimischen Behausung geleitet und der örtliche „Erzähler“ redete mit uns über die Kultur, Kosmologie, Geschichte und momentane Situation der Mapuche in Chile. An der Wand hing eine typische Trommel, die offenbar sehr alt und in der Region offenbar berühmt ist – sehr unscheinbar.

Was ich unter anderem mitgenommen habe, ist, dass die Mapuche zeitweise kulturell ziemlich unterdrückt wurden (Verbote in der Schule die Sprache zu sprechen etc.), und dass nicht nur das Blut sondern auch die Tradition einen zum Mapuche macht. Die Ruka war übrigens gerade im Aufbau, also mehr ein modernes Wohnhaus im Stil einer traditionellen Behausung. Danach gab es lecker selbstgemachtes Essen mit lokalen Zutaten – Sopaipillas mit Getreide, Aji-Pebre soße mit Quinoa, Joghurtsauce, Honig, Haferkekse, Getreidekaffee, Quinoa – Marmeladennachtisch und selbstgemachte Getränke auf Quinoa – und Kräuterbasis – seehr lecker 🙂 (und komplett vegetarisch).

Draußen wurden wurden wir aufs herzlichste von den Mapuche verabschiedet, direkt bei der traditionellen Gebetsstelle beim den ihnen heiligen Zimtbaum.

Danach sollte es noch zu einem Wasserfall in der Nähe gehen. Dafür, dass die gesamte Landschaft sehr flach war, gibt es überraschend viele Wasserfälle, die offenbar einfach in ein Loch in der Landschaft fallen.

Danach war ich noch bei einem Kollegen eingeladen, auf eine kleine Grillerei. Derweil galt es aber noch etwas Zeit totzuschlagen: also auf auf einen Kaffee zu Omas Brot (das Kaffeehaus / Geschäft, nicht das Gebäck). Zu sehen: das berühmte Bier mit Zitrone und Salz, im Tequilastil.

Am Sonntag war dann etwas Ruhe angesagt: ein Perfekter Tag, um das örtliche Zug/Dichtermuseum zu besuchen! Hintergrund: es gibt offenbar ein Zugmuseum und der Vater des hier geborenen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda war Eisenbahner, also haben sie das aus irgendwelchen Gründen kombiniert.

Außerdem gibt es nicht nur Züge und Gedichte mit Zugbezug zu bestaunen, sondern auch Gemälde, bei denen die Künstler wohl an das eine oder andere davon gedacht haben. Nicht, dass man das unbedingt merkt, aber der Gedanke zählt.

Die Züge konnte man übrigens besichtigen: Darin wurde auch ein kleines schwer verständliches Video über Pablo Neruda gespielt. Genuss in leeren Zügen (ha ha). Unter anderem konnte man hierbei auch die Präsidentensuite besichtigen, die aus Pietätsgründen von der Suite der first Lady getrennt war .. allerdings mit „Geheimtür“ zwischen den beiden. Tja. Außerdem: ein Auto, dass auf Schienen fahren kann und zusätzlich für die Straße umgerüstet werden kann.

Ausklang für den Abend war dann ein kleines klassisches Konzert: ein Bekannter hatte noch Karten übrig für das „Orquestra Sinfónica Juvenil“, oder auf gut deutsch Jugendsynphonieorchester. Gespielt wurde vieles, von chilenischen Komponisten bis hin zu Wagner, Tschaikovski und anderen Klassikern. Ein Funken Europa in Chile also. Ich habe fast etwas an Wien denken müssen. Beendet wurde das ganze  – wie auch sonst- mit einer Cueca. Das Theater wo das ganze stattfand ist übrigens sehr hübsch, mit Gemälden und Skulpturen im Foyer verstreut – das ganze ist auch erst 20 Jahre alt, was sich mit etwas lauten Heizkörpern direkt neben uns bemerkbar machte. Naja.

Auch an verregneten Tagen gibt es also in Temuco was zu tun – überraschenderweise.

Temuco im Frühling

Hallo zusammen!

Nach längerer Pause möchte ich nun einen kleinen Einblick in den Alltag in Temuco geben:

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Die beiden Autos stehen erstens in meiner Nachbarschaft (man beachte die ganzen Flaggen zum Nationalfeiertag) und zweitens im Weg auf meinem Weg zum Collectivo, den ich jeden Morgen auf die Uni beschreite. Warum habe ich gerade dieses als erstes Bild gewählt?

Hauptsächlich weil ich es lustig finde und es außerdem eine gute Metapher für meine Ansicht der Chilenischen Gesellschaft ist – ziemlich zwiegespalten zwischen Arm und Reich (nicht das das linke Auto billig wäre) und ziemlich besessen von Statussymbolen sei es Ausbildung, Sprache (Chilenisch oder „gutes“ Spanisch), Lebensstil etc.

Außerdem stehen die Chilenen generell auf Süßes aller Art – Kuchen, Torten, Kekse (die Standardwegzehrung schlechthin – „Wer will einen Keks?“ – auf Reisen öfters gehört (heute hat sogar ein Professor in die VO Kekse für uns Studierende mitgebracht …))

Passend dazu gibt es im Zentrum einen Schokoladenladen (höhö, Wortwitz):

Die freie Zeit hier vertreibe ich mir hauptsächlich mit diversen Kursen (Klettern, Sprachkurs etc.) und damit, Fotos zu machen. Übrigens ist mittlerweile tatsächlich der Frühling im Süden angekommen:

Weitere interesssante Beobachtungen: Nescafé ist der Kaffee #1 in Chile (wiesooo?), Mittwochs ist die Cafeterie mit ungefähr gefühlt der ganzen Uni gefüllt (es gibt nämlich Hänchen mit Pommes (offenbar gab es einmal nämlich eine Zeit, in der alles, außer eben diesem Gericht ungenießbar war, was dazu führte dass Mittwoch der einzige Tag war, an dem man ungefährdet zur Mensa konnte. Die Tradition hat sich trotz mittlerweile leckerer Alternativen erhalten.)  Und ich bringe meinen Kollegen am Institut in der Freizeit Deutsch und etwas Englisch bei. Außerdem spielen noch viele Studenten Pokémon Go, offenbar.

Und wo geht man in Chile am besten auf ein Sandwich? Richtig, in:

einem Diner im Stil der 80-er Filme mit passender Musik (80er- gibt eigene Radiostation dafür (nennt sich Radio Edelweiss – ehrlich)). In Chile läuft die Zeit eben etwas anders. Ich habe letztens Auf der Uni sogar Moonboots und Trompetenhosen gesehen (nicht in Kombination). Ich weiß zwar nicht, was die Mode derzeit in Europa macht, aber ich hoffe zumindest nicht das.

So, ein paar Bilder hab ich noch zum Ausklang, dann gibts beim nächsten Mal mehr von einem Ausflug aufs Land und einem in die Stadt.

Bis dann!

Licán Rayy

Von der Gastfreundschaft der Chilenen hab ich ja schon einmal berichtet. Es dauert offenbar oft nicht lang, bis man von einem Bekannten zum Grillen („asado“) eingeladen wird. (Ist hier so ewas wie ein kleiner Nationalsport).

Auch bei mir war es nun soweit – ein Kollege von der Uni hat mich zu einem Bekannten von ihm eingeladen, in dem Örtchen Licán Ray, nahe einiger sehr touristischen Orte (weil sie halt an Seen liegen). Drei Tage sollte es dauern und eine Tour durch die eher ländlicheren Gebiete in der Region werden.

Wir brachen einen Tag früher als geplant auf, da der Wetterbericht allgemein für die nächste Woche schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.

Nach einer sehr lehrreichen Tour „Das sind Koniferen“ / „Hier gibt es einen großen Rindermarkt“ / „Ich mag das Land“ über die Autobahn kamen wir im Örtchen an.

Dort trafen wir den Freund meines Kollegen und ich merkte sofort, dass das mit der Kommunikation schwierig werden würde – ich verstand ca. 1% des Gesagten – am Land reden die Leute offenbar auch hier anders. Nichtsdestotrotz ging der erste Trip zum nahegelegenen See, der zwar etwas kalt, aber trotzdem wunderschön war.

Danach kauften wir Fleisch für die Grillerei am Abend ein und schauten auch in der Bäckerei vorbei – abgeblidet: viel Süßkram (ich hab die Roulade mit Manjar probiert – lecker)

Nach einigen Vvorbereitungen und Musiktests (mein Kollege und sein Bekannter spielen beide in einer Band (nicht der Gleichen)), die im nahegelegenen Schuppen stattfanden konnte es auch losgehen: klassisch wird beim chilenischen asado das ganze Stück Fleisch nur mit etwas Salz gewürzt über dem Feuer für 2-3 Stunden gebraten, damit es im eigenen Saft kocht. Damit es nicht zu langeweilig wurde gab es noch ein paar Langwürste dazu: „Die sind gut, die Langwürste!“, wie mein Kollege, Alejandro zu sagen pflegte.

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ein asado

Zu dem Ganzen gab es Bier (mit Zitrone und Salz verfeinert – überraschend gut) und Brötchen für das Fleisch, zusammen mit ein bisschen Chilisauce (von dem Freund einer Bekannten im Ort erzeugt und sehr scharf) . Dieselbe Bekannte und noch zwei weitere Kollegen tauchten dann im Laufe des Abends auch mit Nachschub auf. Ich zeigte, dass man auch Ananas in Scheiben grillen kann und dafür wurde mir der nationale Volkstanz „Cueca“ beigebracht und die dazugehörige Musikrichtung gleich mitgezeigt. Verstanden habe ich allerdings immer noch nichts. Ich machte mich bis auf einige Kleinigkeiten („Mehr Energie! Als Mann muss das ganze mit noch mehr Kraft passieren!“) meiner Meinung nach ganz gut. Zum schluss Spielte ich den Leuten einige Österreichische Volksmusik vor und ließ mir ein Bisschen über chilenische Musik erzählen.

Am nächsten Tag stand die Wahl zwischen einer weiteren Grillerei in der Nähe des örtlichen Vulkans oder auf einem Hügel mit schönem Blick über den See. Als Vulkanaficionado wählte ich natürlich den Vulkan – obwohl ich später daraufkam dass das ganze eigentlich eher „in der Nähe des Anfangs des Vulkanes“ hieß. Trotzdem schön.

Die obigen Fotos entstanden bei einer Pause um die Kühlflüssigkeit auskühlen zu lassen, denn der Weg in den Nationalpark ging über Stock und Stein über unausgebaute Straßen. Dafür war oft lange auch kein Mensch zu sehen, und die einzige Gesellschaft einige Kühe. Als es nicht mehr weiterging (zu viele Steine am Weg) beschlossen wir, das der Ort an dem wir uns befanden ein perfekter Grillplatz war und machten uns ans Werk, aus dem Vulkangestein eine Feuerstelle zu basteln. Ich spazierte während dem Warten aufs Fleisch ein wenig herum und fand eine schöne Lichtung direkt daneben, von der aus man den Vulkan super sah.

Zu essen gab es Schweinekotletts, die auf Spanisch sehr ähnlich heißen (chuleta) und Paprika in denen -offenbar typisch chilenisch?- Eier gegart wurden. Leider dauerte das ganze etwas lange, der Teller/Holzklotz den wir dabeihatten musste also auch noch als Deckel für die Paprika herhalten. Von dem unteren Teil des erstarrten Lavastromes auf dem wir uns befanden schauten uns dabei einige Kühe skeptisch beim Grillen zu. Ansonsten wurde die Stille nur von einem motivierten Mountainbiker durchbrochen.

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Derart gestärkt brachen wir dann auf, wieder nach Licán Ray zurückzukehren und dabei die zweite Option des Tages zu besichtigen: den Hügel mit Ausblick. Anbei: der rechte Vulkan befindet sich in Argentinien – im Süden sind die Anden kleiner.

Wettertechnisch hatten wir wirklich Glück (und gute Planung), da wie am Foto zu sehen am Ende schon einige Wolken auftauchten. Zuguterletzt zogen wir uns nach dem langen Tag wieder ins Haus zurück und versuchten interessiert einen Film über die Geschichte Chiles zu schauen, bevor wir uns alle darauf einigten, dass wir müde waren und Morgen ja auch mal raus mussten. Der letzte Tag der Reise war für einen Besuch eines anderen Bekannten in Villarica geplant. Leider regnete es stark und wir konnten nicht wirklich rausgehen, aber dafür gab es selbstgemachte Empanadas und ich konnte auch einen echt chilenischen „Terremoto“- Cocktail probieren (Wein, Ananas-Eis, Grenadine, Rum) – ein Nationalgertänk zum Nationalfeiertag.

 

Back again – into hot water (& a fiesta)

Nach all der Reise war ich schon ziemlich erschöpft. So schön alles auch war, hatte es doch auch was wieder im Süden zu sein – bei erfrischenden 10 Grad außen- und Innentemperatur… Ein kleines Bisschen vermisste ich den Norden schon.

Aus genau diesem Grund hatte ich auch (schon lange) vor, einmal einen Thermenbesuch zu machen um mich einen Tag lang richtig aufzuwärmen. Thermen gab es ja aufgrund der vielen Vulkane genug.  Zufälligerweise war gerade einer meiner Bekannten zu eben so einer Therme unterwegs – in der Nähe von Villarica, dem Ort und dem gleichnamigen Vulkan. Laut Bewertungen war es zwar im Umkleideraum und Warteraum kalt, aber daran war ich eh schon gewöhnt.

Nachdem wir uns frühmorgens bei der Universität trafen (die Forscherstatue am Hintereingang forscht übrigens doppelt so schnell wie der vorne – man beachte die zwei (!) Teleskope), fuhren wir gemeinsam mit ein paar Senioren (es war ein Betriebsausflug der Unibediensteten wo seine Freundin dabeiwar) los. Auf dem Weg konnten wir sogarwunderbar den Vulkan Villarica betrachten, der zu dem Zeitpunkt gerade eine kleine Rauchfahne hatte (ist einer der aktivsten Vulkane der Region).

Die Therme selber war sehr angenehm – Becken mit verschiedener Tiefe, mit verschiedener Temperatur und all das übliche Blabla. Das Wasser selbst kam hier nicht natürlich ans Tageslicht sondern wurde mit Pumpen aus der Tiefe heraufbefördert. Während ich also die Wärme genießend dalag, wurde mir von meinen Begleitern erzählt, dass diese Therme ja gar nicht natürlich sei, und überhaupt die Becken aus Beton und nicht Naturstein waren und ich also unbedingt die „echten“ Thermen probieren müsste. Mein Bekannter – David – war aus Venezuela, ebenso wie seine Freundin, also machten wir gemeinsam dem zehnjährigen Jungen, den eine andere Bekannte (übrigens Sekretärin am Matheinstitut – nicht meines)  von ihm mitgebracht hatte mit Schauergeschichten über wilde Tiere aus Österreichische und Venezuelanische Angst – zumindest versuchsweise, er zeigte sich nämlich begeistert und wollte immer mehr wissen. Tja.

In der Mittagspause nach dem Essen suchten wir zwar erfolglos einen Weg zum Spazierengehen, fanden aber die Bedienstetenhäuschen und eine Seilrutsche und machten ein Paar Fotos. Am Nachmittag hatten wir sogar das große Becken für uns allein uns sprachen über Nationalfeiertage, Kekse zu Weihnachten im Sommer (gibt es hier) und Chilenisches Sushi (anders als das japanische, offenbar).

Kurz über Venezuela: Soweit mir erzählt wurde ist es ein wunderschönes Land mit toller Küche und vielfältiger Landschaft, das allerdings momentan aufgrund der politischen Situation nicht für Reisende zu empfehlen ist (Der Präsident regiert seit einiger Zeit mehr oder weniger autokratisch und das Land befindet sich in einer tiefen humanitären und wirtschaftlichen Krise).  Schade und eine Schande für die dortigen Menschen. Daher ist es auch verständlich, dass viele Venezuelaner, die es sich leisten können, das Land verlassen und in andere Länder ziehen, zB nach Chile. Einige andere Bekannte, ebenso aus Venezuela luden mich nämlich am Tag danach zu einem Venezuelanischen Markt/Kulturfest ein.

Am Morgen ging es mit einem Arepa-Frühstück los (lecker) nachdem wir uns zuerst zur wohnung den größten (zumindest gefühlt), bewohnten Hügel in Temuco hochgekämpft hatten. Meine Bekannte aus Uruguay, das ziemlich flach ist kam dabei schon ziemlich ins Schnaufen. Ich war zwar auch etwas außer Puste, konnte mir aber aus Österreichschem Bergsteigerstolz heraus natürlich nichts anmerken lassen.

Nach der Ankunft bei der Fiesta war noch alles im Aufbau, also ging ich naturgemäß zuallererst natürlich in das naheliegende Geschäft um zu Mittag zu Essen und bereute es fünfzehn Minuten später sofort: Es wurden Spezialitäten in Hülle und Fülle verkauft.

Manchem wird aufgefallen sein, dass ich nur selten Fotos von unversehrtem Essen hochlade. Meistens kommt mir die Idee für ein Foto nämlich erst, nachdem ich probiert habe – oder ganz erst nach dem Essen. Nun, hier war es nicht anders: das Stück Quesillo, das fehlt war mein Verdienst (sehr lecker).

Nicht nur typisches Essen gab es, man konnte sich auch die Augenbrauen zupfen lassen, Kaffee oder Bananenblätter (?) kaufen, mit Leuten aller Klassen aus Venezuela plaudern oder die Tanzeinlage bestaunen: trotz wenig Platz war es erstaunlich was die Damen vorzuführen hatten.

Zu hören: der Announcer, der sich offenbar unbedingt selber hören wollte und mir dabei fast die Ohren zerschrie. Daher gingen auch ich und der Cousin meiner Bekannten hinaus um etwas die Sonne (und die Stille) zu genießen. Leider kamen just zu diesem Zeitpunkt die Tänzerinnen fürs Fotoshooting heraus. Wir waren also auf ein paar Fotos mit drauf bis sie uns höflich baten doch vielleicht derweil hineinzugehen. (Detail: die Röcke sind im Design der venezuelanischen Flagge)

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Ein schönes Bild

 

Museo de Arte Precolombino

Nun also im Präkolumbianischen Museum angekommen, verstauten wir unsere Sachen und kauften zwei Tickets. Sofort danach fiel uns natürlich auf, dass wir technisch gesehen für den Schulklassenrabatt in Frage kämen: (1 Student, 1 Professor), das ignorierten wir dann aber.

Im Museum gibt es (wie der Name vermuten lässt) Exponate aus Zentral- und Südamerika, über fast alle Epochen der derzeit bekannten bzw. ausgegrabenen Kulturen und Völker. Fun fact: Tenoctitlan, die ehemalige in einem See gelegene Hauptstadt des Atztekenreiches liegt heute in Mexico City (aber ohne See).

Interessant für mich war unter anderem auch, dass die Azteken, die man ja eher als „alte“ Kultur einschätzt eine relativ junge Hochkultur waren (so ist z.B. die Universität Oxford älter als das Reich der Azteken). Außerdem erkennbar: die Inkas hatten im Laufe ihres Bestehens große Teile Südamerikas erobert (daher im englischen auch: Incan empire). In den meisten archäologischen Museen und Führungen (zB Atacama) gibt es deswegen auch immer die Einteilung in vor und nach den Inkaeroberungen (natürlich nicht in Südchile, wo die Mapuche wieder mal alle Eindringlinge (inklusive den Spaniern) bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich abwehrten.)

Leider habe ich wieder mal den Fehler gemacht, keinen Audioguide mitzunehmen (wir hatten nur wenig Zeit) und kann daher nicht so viel über die Hintergrundgeschichten weitergeben wie ich eigentlich gerne würde. Interessant war aber auch, dass es in Südamerika eine Kultur namens „Chinchorro“ gab, von der wir eigentlich nur wissen, weil sie eine sehr ausgefinkelte Mumifizierungstechnik hatten. Die Mumien sind auf bis zu 5000 v. chr datiert, und damit meines Wissens nach die ältesten Fundstücke in Südamerika.

Außerdem im Museum: eine Ausstellungen zu den Mapuche, inklusive traditioneller Trommel (die heute so etwas wie ein „Wahrzeichen“ der Mapuche- Kultur ist, vergleiche auch das Logo der Ufro). Die Knotenschnur im Bild ist eine faszinierende Methode der Buchhaltung und wahrscheinlich auch Schrift, die von den Inkas verwendet wurde und bis heute nicht entziffert ist: Quipu. Am Ende machten wir dann noch einen Abstecher in die interaktive Kinderecke wo man spielerisch die typischen Gewächse, Sprachen und Länder Südamerikas betrachten konnte. Es gab auch ein Geruchsrätsel :). Wusstet ihr, dass zum Beispiel so alltägliche Gewächse wie Kürbis, Tomate, Mais, Erdbeere und Kartoffel vor dem kolumbianischen Austausch nicht in Europa heimisch waren? Derart informiert ging es dann in Richtung Flughafen, alledings nicht ohne aber vorher einen kleinen Abstecher durch die Stadt zum Präsidentenpalast zu machen:

Dieser wurde im Putsch von 1973 vom Militär angegriffen – sieht man aber heute nichts mehr davon. Übrigens: die Metro-Karte in Santiago heißt „Bip!“ – nach dem Geräusch, dass sie macht wenn man damit zahlt. Außerdem interessant: die Fußgängerampel in Santiago ist animiert, das heißt der kleine grüne Mann powerwalkt erst sehr selbstbewusst in der Ampel, nur um sich, wenn die Zeit knapper wird immer mehr anzustrengen: Video , für dies interessiert.

Am Flughafen hatte Patricio (mein Prof)  glücklicherweise Mitgliedschaft in der richtigen Kreditkarte, die mit der VIP-Lounge verkuppelt war. Dort verbrachten wir bei Gratisbuffet (Sushi, Obstsalat, Brote, Gebäck…) und Gratisgetränken (so ziemlich Alles) die letzte Zeit bis zum gestaffelten Rückflug nach Temuco (ich hatte einen anderen Flug gebucht bekommen als er). Dort ging es nach einem langen Tag ab ins Bett.

Santiago, oh Santiago!

Der nächste Stopp war wie gesagt wieder einmal Santiago. Hier würde ich mich mit einem meiner Professoren treffen um mit einer Firma ein Projekt zu besprechen. Wer meinen Blog schon gelesen hat, weiß, dass Santiago nicht unbedingt meine Stadt ist – die Ungleichheit in der Gesellschaft ist hier einfach zu groß für meinen Geschmack. Im letzten Beitrag habe ich über die „ärmeren“ Teile der Stadt geschrieben, so wie ich sie eben wahrgenommen habe. Der Eindruck der Zweiklassengesellschaft bestätigte sich auch bei der Fahrt vom Flughafen – ich sah einige Bereiche mit Slums, die offenbar gerade „bereinigt“ worden waren. „Fun“ Fact: der Grenzwert der Vermögensverteilung ist, wenn ich das richtig verstehe eine quasi-Einpunktverteilung. Mit Geld ist es eben immer leichter, mehr Geld zu machen.

Dieses Mal sollten wir auch diese Seite von Santiago sehen – das Businessviertel in der Umgebung vom Costanera Center: überall gestresste Geschäftsleute im Anzug mit gestylten Frisuren und Bärten, und Geschäfte, die Antioxidanzientees und Bioprodukte für für Chilenen recht hohe Preise anbieten. Außerdem versuchen die Bars hier wenigstens, das Menü auf Englisch zu schreiben – manchmal besser, manchmal schlechter. Zum Abendessen kauften wir uns Kakteen: den Birnenkaktus, der fast so schmeckt wie er heißt, man muss nur beim Schälen aufpassen, dass man sich nicht sticht. (Mit Erfolg übrigens!)

Am letztenTag hatten wir etwas Zeit die Stadt selbst zu erkunden: es gibt zB. offenbar ein Fastfoodgeschäft, das die angeblich besten typisch Chilenischen Completos verkauft – eine Art Hotdog mit viel Tomate, Zwiebel, hausgemachter Mayonaise und eventuell Avocado-Mus. Dann wollte sich mein Prof ein neues Uhrband kaufen und ging dafür zu einem der vielen Spezialisten, die sich in kleinsten Ständen ihrem Geschäft widmen:

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Dann ging es zur Erkundungstour auf den Plaza de Armas, den großen Platz in Santiago, wo sich gerade eine Menge um einen Schausteller gebildet hatte, der mit offenbar sehr viel Witz sich über die nichtspanischsprechenden Touristen in derselben lustig machte – sehr zum Amusement der Chilenen. Da der gute Herr auch noch Chilenisch sprach, verstand ich ebenfalls nichts und schlug unauffällig vor, wir sollten doch zum nahegelegenen Präkolumbianischen Museum weitergehen. Dort gibt es nämlich Ausstellungsstücke der gesamten vorkolumbianischen (also vor ~1500) Indianischen Geschichte Süd – und Mittelamerikas. Das aber in einem neuen Post.

Bevor ich es vergesse: offenbar eine der Attraktionen in Santiago ist das „Café mit Beinen„, ein Café in dem die Kellnerinnen kurze Röcke tragen und der Tresen auf Stelzen steht, damit man das ja auch sieht. Wir gingen zwar nicht hin, aber bei kurzem Vorbeischauen machte sich bei mir der Eindruck breit, dass die Klienten ebenso wie die Bedienung schon etwas in die Jahre gekommen waren. Tja, offenbar blieb Bedienung wie Kundschaft seit ca. zwanzig Jahren dieselbe. Damit: bis zum nächsten Mal!

Chaxa und der letzte Tag – Teil 2

Nun zum letzten Teil meiner Atacama-Serie: nachdem wir die Chaxa-Lagune fast vollständig erkundet war ging es (endlich) zum Frühstück. Wie bereits angedeutet war das diesige Frühstück eines der besten in der Wüste. Kuchen, Kokatee, Kaffee, Marmelade und Kekse gab es im Überfluss – ebenso wie frisches Avocadomus (hier Palta genannt). Darüberhinaus gab es beim Infopoint in der Nähe ein Aquarium zu bestaunen, in dem man das winzige Getier, von dem die Flamingos lebten, näher beobachten konnte. Auch ein kleiner Vogel gesellte sich neben uns und ein älterer Mitreisender packte seine Tinwhistle aus um uns mit einer Version von „El Condor Pasa“ (Der Kondor zieht vorüber) zu unterhalten. Ich durfte mich selbst mit mäßigem Erfolg an einer Version von „Amazing Grace“ versuchen.

Danach ging es für einen kleinen Geschichts- und auch Klostopp in ein kleines Dorf mit hübschem Kirchturm, wo uns Alex von der Kosmologie und Glaubensverständnis der Einheimischen im Wandel der Zeit erzählte – die Dreiteilung der Welt (Himmel(früher: Gotteswelt) – Erde – Unterwelt (später Hölle)) kann man noch oft in den Christlichen Gotteshäusern, die hier oft dreistufig gebaut wurden, erkennen. Interessant: sowohl Dach als auch Tür des Turmes bestanden aus getrockneten Kakteen. Während wir da waren kam sogar eine Nonne vorbeigehuscht um die Glocken im Turm zu läuten. So rasch wie sie kam, verschwand sie aber dann auch wieder.

Die letzte Etappe des Tages sollte der Besuch einer kleinen Oase werden, in der einige Einheimische seit Generationen ihre Gärten haben und durch die ein kleiner Fluss fließt. Hier erzählte uns Alex noch von der Geschichte der Indios in Amerika und auch über den aktuellen Forschungsstand. Auch Felszeichnungen (Petroglyphen) gab es etwas höhergelegen. Wir kraxelten also, machten einige Fotos, plauderten mit Alex über seine persönlichen Favoriten in der Gegend (Valle Arcoiris) und konnten bei der Heimfahrt sogar das berühmte Alma-Observatorium aus der Ferne sehen.

Am darauffolgenden Morgen konnte ich übrigens, während ich den Kaffee um unchristliche 4 Uhr morgens schlürfte, endlich das Kreuz des Südens sehen – bis jetzt war der Mond meistens zu hell gewesen, und ich meistens zu abgelenkt um zum Himmel zu sehen. Damit waren dann sämtliche Ziele meiner Atacamareise erfüllt und es ging im Flieger zur nächsten Station – Santiago.