Ein Wortspiel mit „Pazifik“

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und so auch die Semester der anderen Unis, auf denen es keine Streiks gegeben hat. Dazu gab es auch mal eine Semesterabschlussparty – von der Universidad Autonoma genau genommen – auf die ich mal schauen wollte.

Die Party war fast wie ein kleines Festival aufgezogen, mit einem kleinen Unterschied: es gab zum Zeitpunkt meiner Ankunft noch kein Essen. Was schade war, denn ich hatte riesigen Hunger. Dazu spielte gerade wahlweise ein viel zu Lautes Technozelt oder die schlechteste Akustik-Regatongruppe die ich in meinem Leben gehört hatte. Mahlzeit.

Während der Suche nach einem Choripán – eine Art chilenischem Hotdog machten sich aber gottseidank die Headliner bereit – Villa Carino, eine Cumbia-Band, die jetzt offenbar unter Studenten der letzte Schrei ist. (hier eine Kostprobe). Die Show war allerdings auch ziemlich super:

Dabei wurde auch auf die letzten Mapuche-bezogenen Proteste eingegangen: ein Mapuche wurde von der Polizei bei einer Untersuchung getötet, worauf im ganzen Land Proteste von Studenten und Mapuche losgingen – so auch in Temuco. Die Flagge, die das Mädchen im Publikum auf dem letzten Bild hält und auf dem zweiten im Hintergrund läuft, ist die offizielle Flagge der Mapuche. Wallmapu – so nennen sie die Gegend in der sie Leben, von Argentinien bis Chile. Eine verzwickte Angelegenheit.

Am Sonntag war es dann soweit: es ging an ein weiteres Reiseziel für mich für die Region, das ich schon ewig aufgeschoben hatte: der Pazifik. Der Weg führte von Temuco über Carahue (wo es eine ganze Straße voller alter Triebfahrzeuge gibt) nach Nehuentue und Puerto Saavedra, was direkt am Pazifik liegt. Begleitet hat mich dabei eine Physikprofessorin vom Institut, der andere Kollege war leider gerade krank.

Ein Bisschen zur Geographie: Nehuentue liegt eigentlich nur am Fluss direkt ins Meer, der wird aber nur durch so wenig Land vom Meer geteilt, dass man das Rauschen und den Wind bis an das Ufer hört. Die Klassische Wochenendversion des Ausfluges ist, mit der Familie ans Meer zu fahren und Meeresfrüchte zu essen (klicken zum vergrößern):

Der Wind war übrigens überraschenderweise trotz sonnigen 26 Grad saukalt, also war ich froh meine Jacke mitgenommen zu haben.

Über den besagten Fluss (Rio Imperial) setzten wir mit der Fähre über, um dann zu Fuß ein Stück nach Puerto Saavedra zu gehen – es wurde uns versichert, es seinen nur so 20 Minuten. Na dann. Der Weg war übrigens superschön, kaum ein Mensch außer uns war zu sehen und allerlei Getier kreuchte und fleuchte durch die sumpfige Wiese neben der Straße:

Nach ca. 20 Minuten waren wir auch schon um die erste Kurve der Straße gekommen, mit noch einigem mehr zu laufen. Also entschlossen wir uns, Autostopp zu machen, bei den beiden Autos, die alle 20 min. von der Fähre ans ander Ufer kutschiert wurden. Wir hatten Glück, das zweite Auto stoppte und einige freundliche Chilenen nahmen uns mit („Sprich du, dann haben sie Mitleid mit dem Touristen!“). Nach einem kurzen Ausflug ins Landesinnere („Sicher, dass der Aussichtspunkt zum Meer in die Richtung liegt?“) kamen wir dann auch an: der Pazifik war gar nicht so still wie es der Name vielleicht vermuten lässt:

Mehr dazu beim nächsten Mal.

Fiesta de los Naciones – parte dos

So, weiter ging es also mit einer Zweimannband aus Haiti – eine stimmungsvolle Konstellation, begleitet von zwei Tänzern, die auch mal lustig waren – „Jetzt was auf französisch, wir sprechen alle Sprachen!“, wenn auch gelegentlich der Playback offensichtlich war. Die Chilenen waren gewohnt still und kühl, bei der Aufforderung mitzutanzen („Wer kennt diesen Tanz? Niemand?“) waren sie also wie erwartet eher schüchtern. Gerettet wurde das Ganze -natürlich – von den Venezuelanern, die daraufhin bei (fast) jeder Tanzeinlage mit Publikumspartizipation mit auf der Bühne standen – siehe Video zwei in der Liste:

Gefolgt wurde das ganze von den Vertretern der „Afrikanischen Gesellschaft Temuco“ (oder so ähnlich), die wieder ganz andere Rhythmen anschlugen – auch hier wurde natürlich wieder mit den Venezuelanern getanzt 🙂 – der Tänzer brachte den Neulingen die Schritte live bei, während der andere Kollege für den Beat sorgte.

Natürlich wollten sich dann aber auch die Chilenen nicht lumpen lassen, und führten eine spektakuläre Show des traditionellen Volkstanzes vor – Cueca: Dabei musste ich feststellen: Den klassischen 3/4 – Takt mit *klatsch* – *klatsch* – *pause* klatschen gefühlt 1/3 der Chilenen selber falsch – es lag also nicht nur an mir, das ich das anfangs nicht rausgehört habe. Die Cueca selber ist übrigens am Balztanz des Hahnes und der Henne angelehnt bzw. entnommen – mit viel Fußstampfen und Herumposieren- sieht man auf den folgenden Videos auch ganz schön. Besonderes Augenmerk liegt auf den klassischen Gewändern – (das der Huasos). (Die Videos sind übrigens sehr kurz, also nur ein kleiner Ausschnitt des gezeigten).

Dann ging es von Übersee weiter – Asien war mit China vertreten und eine Chinesin zeigte einen dynamischen Tanz mit Fächer, und ein Prof des örtlichen Chinesischinstituts zeigte einige sehr coole Tai-Chi moves. (Mein heimlicher Favorit!). Mit genau diesem hatte ich übrigens vor dem großen Rummel gesprochen, unter anderem über die Sprache – auf die Frage, wie lange man denn nun Chinesisch lernen müsste um es wirklich zu können meinte er, so sechs Jahre – ist also wirklich schwierig für Menschen aus unserem Kulturkreis, denen der Background fehlt.

Danach wurde es rhythmisch – eine brasilianische Sambagruppe trat auf. Nur aus Perkussion bestehend waren sie sehr laut. Mit dabei auch ein kleiner Junge, der zwischen den Acts immer wieder auf die Bühne rannte und jetzt offenbar genug Mut gesammelt hatte, auch selbst mitzumachen – auf Video 2 trommelt er sogar mit :D. Auch die Mitarbeiter des Brasilianischen Ständchens ließen es sich nicht nehmen mit Fläggchen bewaffnet auf die Bühne zu stürmen um den Samba mitzutanzen – ein bisschen Rio in Temuco.

Zum Abschluss gab es dann noch einen chilenischen Sänger bzw. Band, die eher traditionell spielte und im Vergleich zu allem Anderen sterbenslangweilig war. Die Omas im Publikum haben trotzdem mitgeklatscht, offenbar war das Lied bekannt („Ich glaube, auch wer das Lied nicht kennt, hat es trotzdem im Herzen“) – so der Sänger. Naja.

Zum Abschluss noch ein bisschen Essen: wusstet ihr, dass Erdbeeren ursprünglich aus Südamerika stammen? Hier verkaufen die alle möglichen Beeren im Sommer auf der Straße und machen leckere Desserts und Kuchen (heißt hier wirklich so!) damit.

Daneben: die klassischen chilenischen Mittagsgerichte, Cazuela und (im Hintergrund) Pastel de Choclo. Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

Fiesta de las Naciones?

So, nach einiger Zeit wird wieder was geschrieben, genauer: von der vergangenen „Fiesta de las Naciones“, oder dem „Fest der Nationen“ in Temuco. Jedes Jahr wird nämlich von den örtlichen Vereinen eine Feier veranstaltet, bei der man traditionelles Essen, Getränke, Tänze, Musik und Menschen der einzelnen Länder näher kennenlernen kann – da sag noch einer wir sind nicht International! Zuvor aber noch eine kleine Collage von Fotos, die sonst nirgends hinpassen:

Abgebildet sind: meine Kletterhalle, die Wiese auf der Uni, mit Studenten, die sich zum Protest bereitmachen (wieso? – ein Andermal dazu mehr) und ein leckerer Burger – gestärkt? – dann kanns ja weitergeh’n:

Bei der Fiesta waren überraschen viele unterschiedliche Länder vertreten: Ein Auszug: Peru, Kolumbien, Venezuela, Haiti, Brasilien, Deutschland (hatten lecker Kuchen), Israel, Palästina (am anderen Ende der Halle), Italien, die Schweiz und, und, und.

Der offizielle Beginn der Feier sollte um 12 sein, also kam ich pünktlich um 12:15 an, als sich gerade die meisten Stände gemütlich mit dem Aufbau beschäftigten und die Halle noch komplett leer war – natürlich, chilenische Zeit eben.

Dafür hatte ich aber oft die Gelegenheit als Erster mit den einzelnen Standbesitzern zu schwatzen, was durchaus interessant war. Im Chinesischen Stand wurde mir zB. von einem alten Chinesen, der kein Wort Spanisch sprach Tee angeboten – sehr nett. Man verständigte sich eben wie man konnte („Té?“ – „Si!“ – „Yo no hablo espanol“ – „Yo no hablo chino“ – (er schenkt Tee ein, ich trinke) – Ich: Xie Xie (danke – mein gesamtes Chinesischrepartoire übrigens) – wir lächeln uns an und trinken). Die Nachfahren der deutschen Einwanderer hatten offenbar die alten Uniformen von Opa ausgepackt und waren hocherfreut einen Österreicher zu sehen – sie haben mir sofort einen Sticker geschenkt und mich vergnügt ausgefragt. Die Israelis waren auch sehr nett – offenbar ist in Temuco eine der ältesten Synagogen im ganzen Land, auch wenn man sie von außen offenbar kaum erkennt.

Am Stand von Venezuela traf ich danach auch einen Bekannten, der mir sagte, er würde heute tanzen. Ich war schon gespannt darauf. Derweil hatten sich auch die Organisatoren fertiggemacht und die Eröffnung fand pünktlich eine Stunde nach 12 statt. Sehr schön gemacht, mit einem Band und vielen kleinen Scheren: alle waren sie dabei.

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Ich machte noch eine kleine Runde, dann gingen auch schon die Tanzvorführungen los: die erste Gruppe waren die Venezuelaner, die ich schon vorher bei der besagten venezuelanischen Fiesta gesehen hatte:

(Man beachte die verschiedenfarbigen Taschentücher in den Farben Venezuelas).

Danach war noch etwas Zeit bis zur nächsten Show während sie deutsche Schlager spielten – naja, also ging es zum Probieren der berühmten peruanischen Küche: Ceviche. (Fisch, mariniert in „Tigermilch“ – eigentlich hauptsächlich gewürzter Limettensaft) – sehr, sehr lecker! Auch Argentinien war mit Fleisch vertreten:

Die nächste Vorführung kam von der Universidad Catolica de Temuco und war eine Tanzshow im Stil der Osterinsel (Rapa Nui) – mit viel Energie und Schwimm – und Ruderbewegungen (Videos jeweils ca. 30 Sekunden): (gleiche Gruppe wie bei der Fiesta International im Zuge der Movilidad-Organisation) – sehr sehenswert!

Damit nicht genug, und in komplett anderem Stil kam dann Palästina auf die Bühne: leider war zu dem Zeitpunkt meine Kamera bereits derart voll, dass ich anfangen musste kürzere Videos zu machen und in den Pausen alte gespeicherte Fotos zu löschen. Ich hoffe, man sieht dennoch den Unterschied:

Bei den Tänzen handelt es sich nämlich um Dabke, was übersetzt „Mit-den-Füßen-auf-den-Boden-Stampfen“ bedeutet. In einigen Tanzschritten wird dies auch sehr deutlich. Beendet wurden die Tänze mit einem „Peace for Palestine“. Ganz am Schluss war es „free for all“ und es tummelten sich mehr Leute auf der Bühne – man beachte den Typ mit Schwert:

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Mittlerweile war es auch schon etwas voller, und die Baklava, die sowohl von Israel und Palästina als auch der Türkei beansprucht wurden, waren bereits fast alle. Ich hab trotzdem noch ein paar erwischt – lecker, genau wie beim Türken in Wien.

Als nächstes war Haiti dran – interssant, weil gerade in Chile in letzter Zeit viele Haitianer eingewandert sind, die mit ziemlichen Vorurteilen zu kämpfen haben. Davon aber beim nächsten Mal mehr, der Post ist schon ziemlich lang – bis dann.