Nun also im Präkolumbianischen Museum angekommen, verstauten wir unsere Sachen und kauften zwei Tickets. Sofort danach fiel uns natürlich auf, dass wir technisch gesehen für den Schulklassenrabatt in Frage kämen: (1 Student, 1 Professor), das ignorierten wir dann aber.
Im Museum gibt es (wie der Name vermuten lässt) Exponate aus Zentral- und Südamerika, über fast alle Epochen der derzeit bekannten bzw. ausgegrabenen Kulturen und Völker. Fun fact: Tenoctitlan, die ehemalige in einem See gelegene Hauptstadt des Atztekenreiches liegt heute in Mexico City (aber ohne See).
Interessant für mich war unter anderem auch, dass die Azteken, die man ja eher als „alte“ Kultur einschätzt eine relativ junge Hochkultur waren (so ist z.B. die Universität Oxford älter als das Reich der Azteken). Außerdem erkennbar: die Inkas hatten im Laufe ihres Bestehens große Teile Südamerikas erobert (daher im englischen auch: Incan empire). In den meisten archäologischen Museen und Führungen (zB Atacama) gibt es deswegen auch immer die Einteilung in vor und nach den Inkaeroberungen (natürlich nicht in Südchile, wo die Mapuche wieder mal alle Eindringlinge (inklusive den Spaniern) bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich abwehrten.)
Leider habe ich wieder mal den Fehler gemacht, keinen Audioguide mitzunehmen (wir hatten nur wenig Zeit) und kann daher nicht so viel über die Hintergrundgeschichten weitergeben wie ich eigentlich gerne würde. Interessant war aber auch, dass es in Südamerika eine Kultur namens „Chinchorro“ gab, von der wir eigentlich nur wissen, weil sie eine sehr ausgefinkelte Mumifizierungstechnik hatten. Die Mumien sind auf bis zu 5000 v. chr datiert, und damit meines Wissens nach die ältesten Fundstücke in Südamerika.
Außerdem im Museum: eine Ausstellungen zu den Mapuche, inklusive traditioneller Trommel (die heute so etwas wie ein „Wahrzeichen“ der Mapuche- Kultur ist, vergleiche auch das Logo der Ufro). Die Knotenschnur im Bild ist eine faszinierende Methode der Buchhaltung und wahrscheinlich auch Schrift, die von den Inkas verwendet wurde und bis heute nicht entziffert ist: Quipu. Am Ende machten wir dann noch einen Abstecher in die interaktive Kinderecke wo man spielerisch die typischen Gewächse, Sprachen und Länder Südamerikas betrachten konnte. Es gab auch ein Geruchsrätsel :). Wusstet ihr, dass zum Beispiel so alltägliche Gewächse wie Kürbis, Tomate, Mais, Erdbeere und Kartoffel vor dem kolumbianischen Austausch nicht in Europa heimisch waren? Derart informiert ging es dann in Richtung Flughafen, alledings nicht ohne aber vorher einen kleinen Abstecher durch die Stadt zum Präsidentenpalast zu machen:
Dieser wurde im Putsch von 1973 vom Militär angegriffen – sieht man aber heute nichts mehr davon. Übrigens: die Metro-Karte in Santiago heißt „Bip!“ – nach dem Geräusch, dass sie macht wenn man damit zahlt. Außerdem interessant: die Fußgängerampel in Santiago ist animiert, das heißt der kleine grüne Mann powerwalkt erst sehr selbstbewusst in der Ampel, nur um sich, wenn die Zeit knapper wird immer mehr anzustrengen: Video , für dies interessiert.
Am Flughafen hatte Patricio (mein Prof) glücklicherweise Mitgliedschaft in der richtigen Kreditkarte, die mit der VIP-Lounge verkuppelt war. Dort verbrachten wir bei Gratisbuffet (Sushi, Obstsalat, Brote, Gebäck…) und Gratisgetränken (so ziemlich Alles) die letzte Zeit bis zum gestaffelten Rückflug nach Temuco (ich hatte einen anderen Flug gebucht bekommen als er). Dort ging es nach einem langen Tag ab ins Bett.