Santiago, oh Santiago!

Der nächste Stopp war wie gesagt wieder einmal Santiago. Hier würde ich mich mit einem meiner Professoren treffen um mit einer Firma ein Projekt zu besprechen. Wer meinen Blog schon gelesen hat, weiß, dass Santiago nicht unbedingt meine Stadt ist – die Ungleichheit in der Gesellschaft ist hier einfach zu groß für meinen Geschmack. Im letzten Beitrag habe ich über die „ärmeren“ Teile der Stadt geschrieben, so wie ich sie eben wahrgenommen habe. Der Eindruck der Zweiklassengesellschaft bestätigte sich auch bei der Fahrt vom Flughafen – ich sah einige Bereiche mit Slums, die offenbar gerade „bereinigt“ worden waren. „Fun“ Fact: der Grenzwert der Vermögensverteilung ist, wenn ich das richtig verstehe eine quasi-Einpunktverteilung. Mit Geld ist es eben immer leichter, mehr Geld zu machen.

Dieses Mal sollten wir auch diese Seite von Santiago sehen – das Businessviertel in der Umgebung vom Costanera Center: überall gestresste Geschäftsleute im Anzug mit gestylten Frisuren und Bärten, und Geschäfte, die Antioxidanzientees und Bioprodukte für für Chilenen recht hohe Preise anbieten. Außerdem versuchen die Bars hier wenigstens, das Menü auf Englisch zu schreiben – manchmal besser, manchmal schlechter. Zum Abendessen kauften wir uns Kakteen: den Birnenkaktus, der fast so schmeckt wie er heißt, man muss nur beim Schälen aufpassen, dass man sich nicht sticht. (Mit Erfolg übrigens!)

Am letztenTag hatten wir etwas Zeit die Stadt selbst zu erkunden: es gibt zB. offenbar ein Fastfoodgeschäft, das die angeblich besten typisch Chilenischen Completos verkauft – eine Art Hotdog mit viel Tomate, Zwiebel, hausgemachter Mayonaise und eventuell Avocado-Mus. Dann wollte sich mein Prof ein neues Uhrband kaufen und ging dafür zu einem der vielen Spezialisten, die sich in kleinsten Ständen ihrem Geschäft widmen:

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Dann ging es zur Erkundungstour auf den Plaza de Armas, den großen Platz in Santiago, wo sich gerade eine Menge um einen Schausteller gebildet hatte, der mit offenbar sehr viel Witz sich über die nichtspanischsprechenden Touristen in derselben lustig machte – sehr zum Amusement der Chilenen. Da der gute Herr auch noch Chilenisch sprach, verstand ich ebenfalls nichts und schlug unauffällig vor, wir sollten doch zum nahegelegenen Präkolumbianischen Museum weitergehen. Dort gibt es nämlich Ausstellungsstücke der gesamten vorkolumbianischen (also vor ~1500) Indianischen Geschichte Süd – und Mittelamerikas. Das aber in einem neuen Post.

Bevor ich es vergesse: offenbar eine der Attraktionen in Santiago ist das „Café mit Beinen„, ein Café in dem die Kellnerinnen kurze Röcke tragen und der Tresen auf Stelzen steht, damit man das ja auch sieht. Wir gingen zwar nicht hin, aber bei kurzem Vorbeischauen machte sich bei mir der Eindruck breit, dass die Klienten ebenso wie die Bedienung schon etwas in die Jahre gekommen waren. Tja, offenbar blieb Bedienung wie Kundschaft seit ca. zwanzig Jahren dieselbe. Damit: bis zum nächsten Mal!

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