Kolumbianische Fiestas u.ä.

Wenn man Menschen in Temuco fragt, was sie denn von ihrer bzw. dieser Stadt halten kommt meistens als eines der ersten Wörter immer dasselbe – „tranquilo.“ – ruhig. Das ist sowohl positiv als auch negativ gemeint – den einen gefällt es total einfach mal nicht viel um sich los zu haben und in einer relativ sicheren Stadt zu wohnen, die anderen hätten wohl gerne mehr Action und Dinge zu tun.

Wobei man sagen muss, dass es um Temuco einiges zu entdecken gibt- die Küste ist nicht weit entfernt, nur ca. eine Stunde mit dem Auto und es gibt in ähnlicher Distanz einige Seen und Naturparks zu entdecken. Heute will ich aber von etwas anderem schreiben. Es gibt nämlich durchaus auch in der Stadt einiges zu erleben wie zB dieses Wochenende eine Kolumbianische Fiesta im Stadion „German Becker“ (gesprochen „Herman Becker“ – wirklich. 😉 )

Erfahren habe ich davon hauptsächlich über eine Whatsappgruppe in der sich die „extranjeros“ also Austauschstudenten, vernetzen und einige Kolumbianer hatten dezidiert zu dieser Feier eingeladen – ich war sowieso in der Gegend, also hab auch ich mal vorbeigeschaut. Zu sehen und schmecken gab es einiges, viel Kolumbianische Musik und leckeres kolumbianisches Essen und viiele Snacks. Es gab sogar eine kolumbianische Tanzvorführung.

Nach einigem Durchprobieren (Arroz con Leche (eine Art Milchreis im Becher) – lecker!) ,natürlich alles – wie gewohnt – sehr süß, und kurzem Suchen (mein Handy hatte nur vorm Klo Empfang) fand ich dann auch die Studenten aus Chile bzw. Kolumbien und wir gingen Essen. Mir wurde wärmstens die Arepa empfohlen, ein Maisfladen gefüllt mit Huhn oder Rind und Salsa. Meine Kollegen bekamen ihr Essen innerhalb einer Minute – sehr flott also.

Mein gesuchter Stand befand sich direkt am Eingang und hatte bereits eine kleine Menschentraube angesammelt -ein gutes Zeichen! Nachdem ich mich zehn Minuten angestellt hatte, wurde mir auch klar, warum: in dieser Zeit brachten die Betreiber nämlich nur gefühlte drei gefüllte Fladen aus. Sie machten nämlich sämtliche Fladen frisch und hatten wohl mit dem großen Ansturm nicht wirklich gerechnet. Die vier Damen hatten es allerdings auch nicht besonders eilig. Dazu kam erschwerend, dass im Ausgabeplan zwei Herren sich offenbar wohlwissend früher angestellt und dann abgesetzt hatten, sodass immer wieder Pause eingelegt werden musste um festzustellen, ob denn die Besteller wieder da wären („Benjamin? Claudio?“). Ich stellte in der Zwischenzeit auch fest, dass so ein Maisfladen durchaus zehn bis fünfzehn Minuten gebacken werden muss, bis er gefüllt werden kann und dass insgesamt vielleicht  6 Personen gleichzeitig auf die Bestellungen warteten bis die neuen aufgenommen wurden. Einige  „Benjamin?“ und „Claudioo?“ – Durchsagen später kam nach einer halben Stunde gottseidank ein Kollege mit einem Kaffee vorbei um sich zu erkundigen, wie es mir denn ginge. Ich war zu diesem Zeitpunkt relativ tief in der sunk-cost-fallacy versunken und versicherte ihm, dass ich sicher gleich meine Bestellung aufgeben könnte, dann wäre es praktisch eine Frage von Minuten. Nach einer weiteren Viertelstunde hatte ich mich immerhin an die Vorfront vorgearbeitet, wo mittlerweile geschnittene Arepas mit Käse an die auf ihr eigentliches Essen wartenden Menschen verteilt wurden – sozusagen als kleine Entschädigung für die Wartezeit. Waren sehr lecker. Zu etwa diesem Zeitpunkt kam auch Benjamin (Claudio?) vorbei und wurde natürlich vor uns mit seinem Essen versorgt – zu diesem Zeitpunkt war ich schon etwas neidisch. Als ich dann aber drankam, konnte mir auch nicht der alte Herr, der sich vordrängelte (oder war er wirklich vor mir dagewesen? – Ich passte nicht mehr so ganz auf.) die Stimmung vermiesen. Fazit: die Arepa schmekt genau so, wie man sich es vorstellt – Maisbrot mit Hünchen und einer Soße. Eigentlich ganz lecker.

20180728_170527
Kolumbianische Tänzerinnen

Die darauffolgende Tanzeinlage war auch so wie man sich es vorstellt: bunt, laut, und voller Farben. Ich hätte vielleicht 20 Dezibel weniger vertragen, bin aber auch bei den Lautsprechern gestanden. Alles in allem – eine spannende Erfahrung. Ein großes Lob auch an die Tänzerinnen und Tänzer die den niedrigen Temperaturen in Temuco mit Kolumbianischer Hitze begegneten.

Das Beitragsbild zeigt übrigens einen Teil meines Wegs zur Uni – eine stillgelegte Eisenbahnstrecke Richtung Meer wurde hier zum Rad/Fußweg umfunktioniert. Daneben befinden sich einige Spielplätze (für Kinder) und Trainingsplätze mit Stangen (für Erwachsene).

Zum Schluss noch ein kleiner Blick auf die Uni: wie fast überall gibt es nach Ende der Prüfungszeit musizierende und entspannende Studenten. Neu für mich ist der Kollege mit dem Schlauch in dem Mund: er raucht nicht etwa, sondern spielt ein luftbetriebenes Keyboard, das Melodica genannt wird. Auch nicht schlecht.20180730_141628

 

Ein Kommentar zu „Kolumbianische Fiestas u.ä.

Hinterlasse einen Kommentar