Santiago de Chile – Teil 3

Die Kurzfassung der Geschichte der chilenischen Dikatatur wäre wohl (Achtung, Meinung):

In Chile wurde der weltweit erste demokratisch gewählte Sozialistische Präsident gewählt. Das schmeckte allerdings aufgrunde von Reformen bzw. Ideologischen und wohl auch wirtschaftlichen Gründen sowohl den Großgrundbesitzern, als auch den damaligen USA unter Nixon nicht. Nach einigen destabilisierenden Maßnahmen beider Vorhergenannten gab es dann einen von denselben gestützten Militärputsch und daraufhin ca. 20 Jahre Diktatur mit allen Schrecklichkeiten, die man sich dabei vorstellen kann. Im Jahre 1988 wurde er, als es wirtschaftlich ungünstig wurde, eine Diktatur zu sein, abgewählt, blieb jedoch straffrei. Heute ist Chile eine recht funktionierende Demokratie soweit ich das beurteilen kann.

Dies und mehr zur allgemeinen Vergangenheitsbewältigung erzählte uns Camil, wobei seine Sicht als angehender Soziologe sicher auch einige interessante Einblicke gewährte. Generell haben wir während der Tour mit ihm einiges über Politik und Bildungssysteme in Chile geredet.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass Chile in etwa so ist, wie ich mir Österreich in den 70ern vorstelle: Die erste Generation nach der Diktatur („Generation ohne Angst“) ist alt genug, politisch aktiv zu werden und das Land kämpft noch mit der Aufarbeitung seiner politischen Vergangenheit. Auch der Unterschied zwischen Arm und Reich ist recht groß: Die Uni kostet so 700 $ im Monat, das Medianeinkommen liegt bei 500$… Tja.

Dazu kommt, dass das Sozialsystem oft erst bei wirklich Armen Menschen greift, d.h. es gibt eine große Schicht an Menschen, die zwar arm, aber nicht „arm genug“ sind, um Förderungen zu erhalten. Dazu kommt, das der Steuersatz in Chile bei 20% – Chile ist eines der klassisch neoliberalsten Länder.

Nach der Geschichtsstunde bedankten wir uns bei unserem Guide und zahlten gleich am Friedhof („I don’t want to get robbed in the Metro.“) Beim Hinausgehen plauderten wir noch über zukünftige Pläne (Er will in die Politik gehen, vielleicht einen Doktor machen) und Klimawandel („Viel zu heiß für Winter“) – es waren doch 20 Grad.

Anschließend und um die Stimmung wieder etwas zu heben beschlossen die zwei deutschen Studenten (Timon und Christin) und ich, zu den Restaurants am Markt zu gehen und die Chilenische Küche, die uns empfohlen wurde zu verköstigen.

Nach etwas längerer Zeit als geplant und einer unbeabsichtigten weiteren Tour des Marktes (er ist überraschend verwinkelt!) fanden wir dann auch was wir fanden – ein buntes Durcheinander aus Tischen, umringt von Restaurants und gefüllt mit Einheimischen, die schwatzend ihr Mittagessen zu sich nahmen. Wir setzten uns und ich bestellte eine chilenische Späzialität für eigentlich kältere Tage – Cazuela:

20180726_132615
Die chilenische Antwort auf Ramen

Die Cazuela besteht wie im Bild aus einem großen Stück Fleisch, Nudeln, Gemüse, einer Kartoffel, einem halben Maiskolben (unter dem Fleisch), einem Stück Kürbis (ebenso), das ganze in einer Suppe gekocht und serviert – sehr lecker und sehr füllend für knappe 3000 Pesos (~4€),  inklusive Salat. Das dazubestellte Wasser ohne Gas war etwas komplizierter – sie hatten keines mehr und nach verzweifeltem Nachfragen bei den anderen Restaurants (hatten auch keines mehr!) nahm ich unter einem kleinen Augenzwinkern der Verkäuferin eines mit Kohlensäure.

Weitere Highlights, leider ohne Foto: Ein Mann der ca. 1m große Kreuze, inklusive Heiland feilbat – und sogar eines verkaufte! Ein weiterer spielte in der Menge Saxophon, bis ein Polizist herantrat (es war wohl im Markt verboten) und ihn nur anstarren zu brauchte, bis dieser sich schleunigst unter Danksagungen ans Publikum selbst hinauskomplimentierte.

Danach gingen ich und meine Mitreisenden noch ein Stück des Weges gemeinsam (ich wollte noch zum Mueso de Bellas Artes und sie zum Cierro Santa Lucía), bevor wir uns im Museum angekommen alles Gute weiterhin wünschten und getrennte Wege gingen.

Im Museum gab es zwar nicht sehr viele Ausstellungsstücke – aber immerhin Vielfältigkeit war geboten. Von einer Japanischen traditionellen Kunstausstellung über Kopien bekannter Skulpturen, kirchliche Kunst und moderne Ausstellungsstücke war viel geboten. Auch das Gebäude selbst ist äußerst besichtigenswert.

20180726_100113
Bellas Artes – ein Hauch Europa

Danach und schon etwas müde beschloss ich ins gleich gegenüberliegende Castillo Forestal auf einen Kaffee und etwas Süßes zu gehen. Nach der vorherigen Tour war der Kontrast zu den bodenständigen Restaurants am Marktplatz ein ziemlich großer. Die Tarte Tatin war zwar lecker, der Kaffee kam aber leider ohne Wasser (hier offenbar nicht so üblich). 20180726_151125

Insgesamt kostete der Spaß 7000 Pesos, also ca. 9 Euro- das Doppelte, das mein Mittagessen gekostet hatte.

Nun derart gestärkt plante ich ins Museo de los Derechos Humanos, oder Menschenrechtsmuseum zu gehen. Leider lag dies am anderen Ende des Zentrums.

Auf dem Weg dorthin wurde mir auch wieder klar, warum ich nicht so ganz der Großstadttyp bin – wenn man müde ist, ist der ganze Lärm und die vielen Menschen einfach zuviel. Über das Museum selbst kann ich nicht viel schreiben, da ich zu dem Zeitpunkt schon recht müde war und die Ausstellungsstücke (die sich hauptsächlich mit der Diktatur befassen) großteils in Spanisch gehalten waren.

Den Abend beschloss ich dann im riesigen Einkaufszentrum/Hochhaus Costanegra, das von einem Deutschen Supermarktgründer (die Kette Jumbo, die auch in der Temuco Mall zu finden ist) finanziert wurde. Die Metro in Santiago ist übrigens sehr effektiv, es gibt ein Kartensystem das man aufladen kann und als Student oder Senior zahlt man verbilligte Preise. Interessant ist, das zu verschiedenen Tageszeiten etwas verschiedene Tarife gelten.

20180726_175403
Costanera Tower – eigentlich Gran Torre Santiago, von der Metro aus

Nach soviel neuen Eindrücken und Spaziergängen durch die Stadt freute ich mich auch wieder auf den Nachtbus, der mich schlafend wieder nach Temuco bringen würde.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus der letzten Woche, die vorher nirgends Platz fand:

Ich: „Qué es el deporte national de Chile? (Was ist der chilenische nationalsport?)“ – Antwort: „Mentir.“ – „Qué significa eso? (Was ist das?)“ – „Lying.“ … Ich liebe den Chilenischen Humor.

Hinterlasse einen Kommentar