Ich hatte mich nämlich vorher etwas über Touren durch Santiago schlau gemacht – eine davon, Tours 4 Tips, versprach eine Führung durch die weniger touristischen, dafür umso authentischeren Teile Santiagos – Märkte, Viertel in denen tatsächlich der Großteil der Menschen lebt und am Ende auch den Friedhof.
Der vereinbarte Treffpunkt war vorm Museum de Bellas Artes. Ich hatte etwas Zeit und die Guides waren offensichtlich noch nicht da (ein Gimmik der Guides ist, dass sie wie Walter aus der weltbekannten Wimmelbildserie „Where is Wally?“ (Wo ist Walter?) witzig rot-weiß quergestreift gekleidet sind – immerhin verliert man sie dann nicht so leicht aus den Augen!). Also vorher noch einen kurzen Abstecher ins Museum und aufs Klo.
Insgesamt waren wir eine Vierertruppe – zwei Deutsche, ein Franzose und ich, die von Camil – unserem „Wally“ – erstmal willkommengeheißen und dann auf die Route eingeschult wurden. Er selbst war aus Santiago und studierte Soziologie – auch über die politische Situation und Geschichte Chiles wusste er einiges zu erzählen.
Die großen Märkte in Santiago sind meiner Meinung nach einer der interessantesten Teile der Stadt: Hier kaufen Einheimische ein, es gibt authentische Küche zu probieren und tausende neue Gerüche und Erfahrungen zu erleben. Von den Fischmärkten angefangen hin zu „La Vega“, dem größten Markt in Santiago war Vielfalt geboten. Unterwegs bekamen wir immer wieder Tips, wo man nach der Tour gut und auch günstig essen könne – aber auch eine kleine Stärkung an einem Stand mit Sopaipillas (einer Art Kürbisbrot) war inbegriffen.
Hierbei sei etwas zu den Essgewohnheiten der Chilenen gesagt: „We love sugar and cheese!“ – Camil. Überall in Santiago bekommt man süße Fruchtsäfte und wer einmal eine Torte in Chile probiert hat bekommt als Europäer vermutlich einen Zuckerschock. Gottseidank gibt es auch Stände, die die Getränke ungesüßt verkaufen- z.B. der oben im Bild. Außerdem im Bild: ein Restaurantbesitzer, der während des Fotos enthusiastisch unseren Guide begrüßte und von jedem vertretenen Land mindestens ein Fußballteam zu nennen wusste. Zum Käse: Es gibt offenbar eine große Anzahl an Fischgerichten die in der einen oder anderen Form mit Parmesan oder anderem Käse überbacken werden – Leider hatte ich keine Zeit, eines davon zu probieren.
Als letzte Station nach den Märkten stand der Zentralfriedhof auf dem Programm. Sogar hier ist die Schere zwischen Arm und Reich, die in Chile allgegenwärtig ist, ersichtlich: Arme haben Nischengräber für ganze Familien während die Reichen sich gegenseitig mit Mausoleen überbieten. Dennoch ist der Friedhof in Santiago auf bezaubernde Weise schön. Die Vermischung des Indigenen Glaubens mit dem Christentum führt nämlich dazu, dass die Menschen die Verstorbenen wie lebende behandeln und mit ihnen noch Partys feiern und Bier trinken. Zu verschiedenen Festtagen sind dann die Gräber immer neu geschmückt.
Am Ende war die Tour dann am Grab von Salvador Allende, des letzten Präsidenten vorm Militärputsch der zur Diktatur führen sollte, wo uns auch eine Geschichtsstunde zur Chilenischen Diktatur und den Ereignissen davor und danach erwartete. Dazu allerdings mehr im nächsten Blogpost.