Kolumbianische Fiestas u.ä.

Wenn man Menschen in Temuco fragt, was sie denn von ihrer bzw. dieser Stadt halten kommt meistens als eines der ersten Wörter immer dasselbe – „tranquilo.“ – ruhig. Das ist sowohl positiv als auch negativ gemeint – den einen gefällt es total einfach mal nicht viel um sich los zu haben und in einer relativ sicheren Stadt zu wohnen, die anderen hätten wohl gerne mehr Action und Dinge zu tun.

Wobei man sagen muss, dass es um Temuco einiges zu entdecken gibt- die Küste ist nicht weit entfernt, nur ca. eine Stunde mit dem Auto und es gibt in ähnlicher Distanz einige Seen und Naturparks zu entdecken. Heute will ich aber von etwas anderem schreiben. Es gibt nämlich durchaus auch in der Stadt einiges zu erleben wie zB dieses Wochenende eine Kolumbianische Fiesta im Stadion „German Becker“ (gesprochen „Herman Becker“ – wirklich. 😉 )

Erfahren habe ich davon hauptsächlich über eine Whatsappgruppe in der sich die „extranjeros“ also Austauschstudenten, vernetzen und einige Kolumbianer hatten dezidiert zu dieser Feier eingeladen – ich war sowieso in der Gegend, also hab auch ich mal vorbeigeschaut. Zu sehen und schmecken gab es einiges, viel Kolumbianische Musik und leckeres kolumbianisches Essen und viiele Snacks. Es gab sogar eine kolumbianische Tanzvorführung.

Nach einigem Durchprobieren (Arroz con Leche (eine Art Milchreis im Becher) – lecker!) ,natürlich alles – wie gewohnt – sehr süß, und kurzem Suchen (mein Handy hatte nur vorm Klo Empfang) fand ich dann auch die Studenten aus Chile bzw. Kolumbien und wir gingen Essen. Mir wurde wärmstens die Arepa empfohlen, ein Maisfladen gefüllt mit Huhn oder Rind und Salsa. Meine Kollegen bekamen ihr Essen innerhalb einer Minute – sehr flott also.

Mein gesuchter Stand befand sich direkt am Eingang und hatte bereits eine kleine Menschentraube angesammelt -ein gutes Zeichen! Nachdem ich mich zehn Minuten angestellt hatte, wurde mir auch klar, warum: in dieser Zeit brachten die Betreiber nämlich nur gefühlte drei gefüllte Fladen aus. Sie machten nämlich sämtliche Fladen frisch und hatten wohl mit dem großen Ansturm nicht wirklich gerechnet. Die vier Damen hatten es allerdings auch nicht besonders eilig. Dazu kam erschwerend, dass im Ausgabeplan zwei Herren sich offenbar wohlwissend früher angestellt und dann abgesetzt hatten, sodass immer wieder Pause eingelegt werden musste um festzustellen, ob denn die Besteller wieder da wären („Benjamin? Claudio?“). Ich stellte in der Zwischenzeit auch fest, dass so ein Maisfladen durchaus zehn bis fünfzehn Minuten gebacken werden muss, bis er gefüllt werden kann und dass insgesamt vielleicht  6 Personen gleichzeitig auf die Bestellungen warteten bis die neuen aufgenommen wurden. Einige  „Benjamin?“ und „Claudioo?“ – Durchsagen später kam nach einer halben Stunde gottseidank ein Kollege mit einem Kaffee vorbei um sich zu erkundigen, wie es mir denn ginge. Ich war zu diesem Zeitpunkt relativ tief in der sunk-cost-fallacy versunken und versicherte ihm, dass ich sicher gleich meine Bestellung aufgeben könnte, dann wäre es praktisch eine Frage von Minuten. Nach einer weiteren Viertelstunde hatte ich mich immerhin an die Vorfront vorgearbeitet, wo mittlerweile geschnittene Arepas mit Käse an die auf ihr eigentliches Essen wartenden Menschen verteilt wurden – sozusagen als kleine Entschädigung für die Wartezeit. Waren sehr lecker. Zu etwa diesem Zeitpunkt kam auch Benjamin (Claudio?) vorbei und wurde natürlich vor uns mit seinem Essen versorgt – zu diesem Zeitpunkt war ich schon etwas neidisch. Als ich dann aber drankam, konnte mir auch nicht der alte Herr, der sich vordrängelte (oder war er wirklich vor mir dagewesen? – Ich passte nicht mehr so ganz auf.) die Stimmung vermiesen. Fazit: die Arepa schmekt genau so, wie man sich es vorstellt – Maisbrot mit Hünchen und einer Soße. Eigentlich ganz lecker.

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Kolumbianische Tänzerinnen

Die darauffolgende Tanzeinlage war auch so wie man sich es vorstellt: bunt, laut, und voller Farben. Ich hätte vielleicht 20 Dezibel weniger vertragen, bin aber auch bei den Lautsprechern gestanden. Alles in allem – eine spannende Erfahrung. Ein großes Lob auch an die Tänzerinnen und Tänzer die den niedrigen Temperaturen in Temuco mit Kolumbianischer Hitze begegneten.

Das Beitragsbild zeigt übrigens einen Teil meines Wegs zur Uni – eine stillgelegte Eisenbahnstrecke Richtung Meer wurde hier zum Rad/Fußweg umfunktioniert. Daneben befinden sich einige Spielplätze (für Kinder) und Trainingsplätze mit Stangen (für Erwachsene).

Zum Schluss noch ein kleiner Blick auf die Uni: wie fast überall gibt es nach Ende der Prüfungszeit musizierende und entspannende Studenten. Neu für mich ist der Kollege mit dem Schlauch in dem Mund: er raucht nicht etwa, sondern spielt ein luftbetriebenes Keyboard, das Melodica genannt wird. Auch nicht schlecht.20180730_141628

 

Santiago de Chile – Teil 3

Die Kurzfassung der Geschichte der chilenischen Dikatatur wäre wohl (Achtung, Meinung):

In Chile wurde der weltweit erste demokratisch gewählte Sozialistische Präsident gewählt. Das schmeckte allerdings aufgrunde von Reformen bzw. Ideologischen und wohl auch wirtschaftlichen Gründen sowohl den Großgrundbesitzern, als auch den damaligen USA unter Nixon nicht. Nach einigen destabilisierenden Maßnahmen beider Vorhergenannten gab es dann einen von denselben gestützten Militärputsch und daraufhin ca. 20 Jahre Diktatur mit allen Schrecklichkeiten, die man sich dabei vorstellen kann. Im Jahre 1988 wurde er, als es wirtschaftlich ungünstig wurde, eine Diktatur zu sein, abgewählt, blieb jedoch straffrei. Heute ist Chile eine recht funktionierende Demokratie soweit ich das beurteilen kann.

Dies und mehr zur allgemeinen Vergangenheitsbewältigung erzählte uns Camil, wobei seine Sicht als angehender Soziologe sicher auch einige interessante Einblicke gewährte. Generell haben wir während der Tour mit ihm einiges über Politik und Bildungssysteme in Chile geredet.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass Chile in etwa so ist, wie ich mir Österreich in den 70ern vorstelle: Die erste Generation nach der Diktatur („Generation ohne Angst“) ist alt genug, politisch aktiv zu werden und das Land kämpft noch mit der Aufarbeitung seiner politischen Vergangenheit. Auch der Unterschied zwischen Arm und Reich ist recht groß: Die Uni kostet so 700 $ im Monat, das Medianeinkommen liegt bei 500$… Tja.

Dazu kommt, dass das Sozialsystem oft erst bei wirklich Armen Menschen greift, d.h. es gibt eine große Schicht an Menschen, die zwar arm, aber nicht „arm genug“ sind, um Förderungen zu erhalten. Dazu kommt, das der Steuersatz in Chile bei 20% – Chile ist eines der klassisch neoliberalsten Länder.

Nach der Geschichtsstunde bedankten wir uns bei unserem Guide und zahlten gleich am Friedhof („I don’t want to get robbed in the Metro.“) Beim Hinausgehen plauderten wir noch über zukünftige Pläne (Er will in die Politik gehen, vielleicht einen Doktor machen) und Klimawandel („Viel zu heiß für Winter“) – es waren doch 20 Grad.

Anschließend und um die Stimmung wieder etwas zu heben beschlossen die zwei deutschen Studenten (Timon und Christin) und ich, zu den Restaurants am Markt zu gehen und die Chilenische Küche, die uns empfohlen wurde zu verköstigen.

Nach etwas längerer Zeit als geplant und einer unbeabsichtigten weiteren Tour des Marktes (er ist überraschend verwinkelt!) fanden wir dann auch was wir fanden – ein buntes Durcheinander aus Tischen, umringt von Restaurants und gefüllt mit Einheimischen, die schwatzend ihr Mittagessen zu sich nahmen. Wir setzten uns und ich bestellte eine chilenische Späzialität für eigentlich kältere Tage – Cazuela:

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Die chilenische Antwort auf Ramen

Die Cazuela besteht wie im Bild aus einem großen Stück Fleisch, Nudeln, Gemüse, einer Kartoffel, einem halben Maiskolben (unter dem Fleisch), einem Stück Kürbis (ebenso), das ganze in einer Suppe gekocht und serviert – sehr lecker und sehr füllend für knappe 3000 Pesos (~4€),  inklusive Salat. Das dazubestellte Wasser ohne Gas war etwas komplizierter – sie hatten keines mehr und nach verzweifeltem Nachfragen bei den anderen Restaurants (hatten auch keines mehr!) nahm ich unter einem kleinen Augenzwinkern der Verkäuferin eines mit Kohlensäure.

Weitere Highlights, leider ohne Foto: Ein Mann der ca. 1m große Kreuze, inklusive Heiland feilbat – und sogar eines verkaufte! Ein weiterer spielte in der Menge Saxophon, bis ein Polizist herantrat (es war wohl im Markt verboten) und ihn nur anstarren zu brauchte, bis dieser sich schleunigst unter Danksagungen ans Publikum selbst hinauskomplimentierte.

Danach gingen ich und meine Mitreisenden noch ein Stück des Weges gemeinsam (ich wollte noch zum Mueso de Bellas Artes und sie zum Cierro Santa Lucía), bevor wir uns im Museum angekommen alles Gute weiterhin wünschten und getrennte Wege gingen.

Im Museum gab es zwar nicht sehr viele Ausstellungsstücke – aber immerhin Vielfältigkeit war geboten. Von einer Japanischen traditionellen Kunstausstellung über Kopien bekannter Skulpturen, kirchliche Kunst und moderne Ausstellungsstücke war viel geboten. Auch das Gebäude selbst ist äußerst besichtigenswert.

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Bellas Artes – ein Hauch Europa

Danach und schon etwas müde beschloss ich ins gleich gegenüberliegende Castillo Forestal auf einen Kaffee und etwas Süßes zu gehen. Nach der vorherigen Tour war der Kontrast zu den bodenständigen Restaurants am Marktplatz ein ziemlich großer. Die Tarte Tatin war zwar lecker, der Kaffee kam aber leider ohne Wasser (hier offenbar nicht so üblich). 20180726_151125

Insgesamt kostete der Spaß 7000 Pesos, also ca. 9 Euro- das Doppelte, das mein Mittagessen gekostet hatte.

Nun derart gestärkt plante ich ins Museo de los Derechos Humanos, oder Menschenrechtsmuseum zu gehen. Leider lag dies am anderen Ende des Zentrums.

Auf dem Weg dorthin wurde mir auch wieder klar, warum ich nicht so ganz der Großstadttyp bin – wenn man müde ist, ist der ganze Lärm und die vielen Menschen einfach zuviel. Über das Museum selbst kann ich nicht viel schreiben, da ich zu dem Zeitpunkt schon recht müde war und die Ausstellungsstücke (die sich hauptsächlich mit der Diktatur befassen) großteils in Spanisch gehalten waren.

Den Abend beschloss ich dann im riesigen Einkaufszentrum/Hochhaus Costanegra, das von einem Deutschen Supermarktgründer (die Kette Jumbo, die auch in der Temuco Mall zu finden ist) finanziert wurde. Die Metro in Santiago ist übrigens sehr effektiv, es gibt ein Kartensystem das man aufladen kann und als Student oder Senior zahlt man verbilligte Preise. Interessant ist, das zu verschiedenen Tageszeiten etwas verschiedene Tarife gelten.

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Costanera Tower – eigentlich Gran Torre Santiago, von der Metro aus

Nach soviel neuen Eindrücken und Spaziergängen durch die Stadt freute ich mich auch wieder auf den Nachtbus, der mich schlafend wieder nach Temuco bringen würde.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus der letzten Woche, die vorher nirgends Platz fand:

Ich: „Qué es el deporte national de Chile? (Was ist der chilenische nationalsport?)“ – Antwort: „Mentir.“ – „Qué significa eso? (Was ist das?)“ – „Lying.“ … Ich liebe den Chilenischen Humor.

Santiago de Chile – Teil 2

Ich hatte mich nämlich vorher etwas über Touren durch Santiago schlau gemacht – eine davon, Tours 4 Tips, versprach eine Führung durch die weniger touristischen, dafür umso authentischeren Teile Santiagos – Märkte, Viertel in denen tatsächlich der Großteil der Menschen lebt und am Ende auch den Friedhof.

Der vereinbarte Treffpunkt war vorm Museum de Bellas Artes. Ich hatte etwas Zeit und die Guides waren offensichtlich noch nicht da (ein Gimmik der Guides ist, dass sie wie Walter aus der weltbekannten Wimmelbildserie „Where is Wally?“ (Wo ist Walter?) witzig rot-weiß quergestreift gekleidet sind – immerhin verliert man sie dann nicht so leicht aus den Augen!). Also vorher noch einen kurzen Abstecher ins Museum und aufs Klo.

Insgesamt waren wir eine Vierertruppe – zwei Deutsche, ein Franzose und ich, die von Camil – unserem „Wally“ – erstmal willkommengeheißen und dann auf die Route eingeschult wurden. Er selbst war aus Santiago und studierte Soziologie – auch über die politische Situation und Geschichte Chiles wusste er einiges zu erzählen.

Die großen Märkte in Santiago sind meiner Meinung nach einer der interessantesten Teile der Stadt: Hier kaufen Einheimische ein, es gibt authentische Küche zu probieren und tausende neue Gerüche und Erfahrungen zu erleben. Von den Fischmärkten angefangen hin zu „La Vega“, dem größten Markt in Santiago war Vielfalt geboten. Unterwegs bekamen wir immer wieder Tips, wo man nach der Tour gut und auch günstig essen könne – aber auch eine kleine Stärkung an einem Stand mit Sopaipillas (einer Art Kürbisbrot) war inbegriffen.

Hierbei sei etwas zu den Essgewohnheiten der Chilenen gesagt: „We love sugar and cheese!“ – Camil. Überall in Santiago bekommt man süße Fruchtsäfte und wer einmal eine Torte in Chile probiert hat bekommt als Europäer vermutlich einen Zuckerschock. Gottseidank gibt es auch Stände, die die Getränke ungesüßt verkaufen- z.B. der oben im Bild. Außerdem im Bild: ein Restaurantbesitzer, der während des Fotos enthusiastisch unseren Guide begrüßte und von jedem vertretenen Land mindestens ein Fußballteam zu nennen wusste. Zum Käse: Es gibt offenbar eine große Anzahl an Fischgerichten die in der einen oder anderen Form mit Parmesan oder anderem Käse überbacken werden – Leider hatte ich keine Zeit, eines davon zu probieren.

Als letzte Station nach den Märkten stand der Zentralfriedhof auf dem Programm. Sogar hier ist die Schere zwischen Arm und Reich, die in Chile allgegenwärtig ist, ersichtlich: Arme haben Nischengräber für ganze Familien während die Reichen sich gegenseitig mit Mausoleen überbieten. Dennoch ist der Friedhof in Santiago auf bezaubernde Weise schön. Die Vermischung des Indigenen Glaubens mit dem Christentum führt nämlich dazu, dass die Menschen die Verstorbenen wie lebende behandeln und mit ihnen noch Partys feiern und Bier trinken. Zu verschiedenen Festtagen sind dann die Gräber immer neu geschmückt.

Am Ende war die Tour dann am Grab von Salvador Allende, des letzten Präsidenten vorm Militärputsch der zur Diktatur führen sollte, wo uns auch eine Geschichtsstunde zur Chilenischen Diktatur und den Ereignissen davor und danach erwartete. Dazu allerdings mehr im nächsten Blogpost.

Santiago de Chile – Teil 1

… oder auf Deutsch: Sankt Jakob am Ende der Welt (zumindest nach einer möglichen Übersetzung – eine zweite übersetzt „Chile“ mit „Möwe“, was lange nicht so lustig ist. – Nicht zu verwechseln übrigens mit Sankt Jakob am Sternenfeld, dem Ende eines beliebten Pilgerweges in Europa.)

Das gute Nachricht – schlechte Nachricht – Schema des letzten Blogeintrags setzte sich gewissenhaft fort: Die Konferenz, auf die ich ursprünglich gehen wollte war schon ausgebucht (schlecht) und der Bus aber schon gebucht, woraufhin ich mich kurzerhand entschied trotzdem für einen Tag (und 5 mehr Stunden Zeit) Santiago zu besichtigen (gut).

Santiago ist, denke ich, eine Stadt mit der man wohl ein bisschen kämpfen muss um sie wirklich zu mögen. Sie ist die mit Abstand größte Stadt Chiles  (7 Mio. Menschen im Ballungsraum, im Vergleich zu 18 Mio Gesamtpopulation), und dank der Beckenlage wohl auch eine der Feinstaub- und Abgasbelastetsten. Auf Empfehlung einer Bekannten machte ich mich als erstes auf den Weg zum Cierro Santa Lucía, dem kleineren der zwei Hügel von denen man Santiago überblicken kann – der Aufstieg war aber erst ab 9 Uhr gestattet. Also ging es wieder ins Zentrum, mit einem Kaffee und einer Empanada mit Huhn und Käse – klassisches Chilenisches Fastfood also.

Im Zentrum gibt es den klassischen Plaza de Armas wie in vielen Lateinamerikanischen Städten – ein Überbleibsel des Kolonialismus, wo die Spanier ihre Waffen lagerten um sie im Falle des Falles zentral zur Hand zu haben. Heute ist es ein bepflanzter Platz mit Kirchen und -am Nachmittag- viielen Menschen.

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Plaza de Armas de Santiago

Nach einer kleinen Rast im Zentrum bei Starbucks – für gratis Wifi – war es dann auch schon fast spät genug, den Cierro Santa Lucía in Angriff zu nehmen. Mit Österreichischer Pünktlichkeit (hust, hust) kam ich dann auch um ziemlich genau 9 Uhr an und war sogar der erste Besucher an diesem Tag.

Am Hügel selber befindet sich eine der einzigen steinernen Festungen Chiles und ein schöner Aussichtspunkt, von dem man fast die ganze Stadt überblicken kann. Der Weg dorthin ist mit schönen Gärten und Bauwerken im europäisch-spanischen Stil geziert.

Dann ging es wieder hinunter. Ich hatte nämlich auf einem anderen Blog einen guten Tipp für eine Tour durch Santiago erhalten…

Die erste Woche in Chile

…Verlief relativ ereignislos. Zwar war es ein Anfang ein kleiner Kultur- und Kälteschock (Spanisch, Keine Wärmedämmung in den Häusern und 10 Grad außen- sowie Innentemperatur) aber der ließ sich recht rasch beheben (mittels etwas Englisch, Heizdecke und Heizstrahler).

Vielleicht schreibe ich später mehr übers Einleben in der ersten Woche in Chile, heute ist das Thema doch ein anderes: Das erste Treffen mit dem Leiter des Instituts für Modellierung und wissenschaftliche Berechnungen (CEMCC – Centro de Modelación y Computación Científica) und Leiter von drei meiner vier Vorlesungen die ich dieses Semester zu besuchen plane :

Andrés Barrera, ein etwas chaotischer aber netter Mensch mit etwas eigenem Humor („Wir haben hier keine Klos, wir warten bis wir Zuhause sind! – Da drüben ist es.“) hat mir einiges erklärt, das sich für mich persönlich am besten mit einem gute Nachricht – schlechte Nachricht – Schema erklären lässt:

Die Studenten in Temuco sind politisch sehr aktiv (gut!)- Daher haben sie letztes Semester gestreikt und der Semesterbeginn hat sich einen Monat nach hinten verschoben (also auf September) (schlecht!) – allerdings können wir schon diese Woche mit einer Blockvorlesung beginnen (gut!) – da er ab September nicht da sein wird (schlecht! -Übrigens ausgerechnet in Deutschland) –  aber er hat Ersatz gefunden (gut!) – der allerdings hauptsächlich Spanisch spricht (gut/schlecht? – jedenfalls gut fürs Sprachelernen.) – dafür kann er mich derweil auch auf einige Konferenzen in ganz Chile schicken (gut!) – die nächste davon ist in 3 Tagen in Santiago (Überraschung!) – wobei ich die achtstündige Busfahrt in beide Richtungen selbst zahlen muss – die ist aber billig – dafür hab ich am Tag darauf wieder Vorlesung, also wird es nichts mit Santiago erkunden. Außerdem ist es möglich dass ich ein Praktikum bei Equifax bekomme, die offenbar ihre ganze Programmierarbeit jetzt nach Chile auslagern.

Soweit mein Vormittag.

Außerdem hatte ich heute Morgensport, da ich den Bus zur Uni verpasst hatte und mich kurzerhand statdessen entschlossen hatte zu Fuß zu gehen. Dabei bin ich unter anderem am – übrigens überraschend schönen – Stadion „German Becker“ vorbeigekommen. Zurück bin ich mit einer wesentlich besseren Verbindung. Irgendwann schreibe ich noch über Transportmittel in Temuco – ein ganz eigenes Thema für sich.

Am Nachmittag hatte ich etwas Zeit und habe mit einigen sehr netten Mitarbeitern des Instituts Kaffee getrunken und uns gegenseitig Fotos von Kärnten bzw. Ausflugszielen in der Umgebung von Temuco gezeigt. Sie verstehen immerhin mein Spanisch, auch wenn ich sie noch nicht so ganz verstehe. Ich bin immer mehr der festen Überzeugung, dass Chilenisch schon fast eine eigene Sprachbezeichnung verdient- wenn Schwedisch und Norwegisch verschiedene Sprachen sind, sollte auch Lateinamerika das Privileg haben.

Danach war noch eine Campustour geführt von einer deutschstämmigen Mitarbeiterin des Instituts inklusive Cafétips und Kulturkunde an der Reihe. Im Laufe des Nachmittags habe ich offenbar mehr oder weniger zugesagt, einmal Semmelknödel bzw. Kaiserschmarrn zu kochen. Das kommt davon wenn man im CV Hobbys angibt.

Das Titelbild ist übrigens der Blick vom Institut auf den Campus.

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Detailansicht des Titelbildes: Im Hintergrund ist einer der vielen Vulkane Chiles zu erahnen.
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Blick von einem Seiteneingang des Campus, im Hintergrund in Grau: das Gebäude der Rechtswissenschaften

Was bisher geschah – Die Reise, letzter Teil

Der Flug von Madrid nach Santiago war dann im Vergleich zu dem bisherigem Erlebten fast zu unspektakulär. Es gab Filme (Pulp Fiction), Essen (Hamburger und Kaffee) und Nichts zu sehen (Kein Fensterplatz und Nacht). Beim Anflug auf Santiago entstand das Bild auf der ersten Seite meines Blogs, alles in allem war der Atlantik aber doch bald bezwungen.

In Santiago selber hatte ich dann noch drei Stunden zu warten. Die Spannung war groß: würde mich mein „Padrino“ wie besprochen trotz der Verspätung abholen? (Ja). Würde mein Handy auch in Chile funktionieren (eigentlich keine Frage die ich mir damals stellte, aber dafür mit umso überraschenderer Antwort – nein.) Und was konnte man in Santiago am Flughafen so alles machen? (Kaffee trinken und shoppen).

Der Flug von Santiago nach Temuco kam mir dann fast wie eine Formalität vor – was sind schon zwei Stunden Flug (eigentlich 1,5) gegen eine Reise von zwei Tagen? – Eben.

In Temuco hatte ich bald meinen Koffer abgeholt und meinen Padrino Bastian gefunden. Er fuhr mich direkt zum Haus, in dem ich zumindest das nächste Monat wohnen würde – Ich war in Chile.

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Eine Straße in der Umgebung meiner Wohnung

 

Was bisher geschah – Die Reise, Teil 3

Da ich nicht vorhatte mit schwerem Gepäck und Winterklamotten (in Chile sind die Jahreszeiten ja genau umgekehrt!) Madrid im Sommer zu erkunden, entschloss ich mich, die Wartezeit in Barajas (So heißt der Flughafen von Madrid) zu verbringen.

Als erstes reklamierte ich den verlorenen Anschlussflug und füllte ein Formular aus, auf dessen Bearbeitung ich für ungefähr drei Wochen zu warten hätte. Dabei wurde mir auch gesagt, dass die Unterkunft eigentlich für zwei Nächte und Frühstück und  Mittagessen galt (Ich hatte an dem Tag nur gefrühstückt – allerdings zweimal 😉 ). Im Hotel wurde das verschwiegen oder jedenfalls nicht kommuniziert. Das kommt davon, wenn man sich die Papiere nicht genau durchliest.

Im Check-In bereich angekommen wurde lustigerweise eine Gratisyogastunde für müde Reisende angeboten – genau das Richtige für meine Verspannten Muskeln! Mit einigen Kindern und manchen tapferen Erwachsenen verschiedenster Herkunft quälten wir uns -vor wartenden Mitreisenden, aber immerhin auf Yogamatten – tapfer durch die vorgegebenen Positionen der Yogalehrerin, die übrigens in drei Sprachen Kommandos geben konnte – äußerst beeindruckend! Danach war die Müdigkeit und Anspannung der letzten Nacht allerdings tatsächlich wie weggeblasen.

In Barajas selber vertrieb ich mir die Zeit hauptsächlich mit Essen (Spanischer Schinken auf Brot mit Olivenöl; einen ziemlich guten Hamburger mit Brie in einem überraschend edlen Restaurant), Lesen (ein Kollege hatte mir vor der Reise sein Skript über Quantum Computing geschickt – ich brachte immerhin die Einleitung durch!) und Spazierengehen – Platz war ja genug da.

Zwischendurch plauderte ich ein Bisschen mit der Mitreisenden aus Santiago – Patricia, und zeigte ihr unter anderem mein Spanischlehrbuch, das ich auf der Reise natürlich dabeihatte. Das zweite Kapitel lautete: „Llegada a Barajas“ – „Ankunft in Barajas“ – wie passend.

Zum Bild: Der Blick aus dem Hotel auf den Swimmingpool – das einzige, was ich an dem Tag von Madrid außerhalb des Flughafens sah.

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Abgebildet: Menschen mit passender Kleidung für die Hitze

 

Was bisher geschah – Die Reise, Teil 2

Mit einiger Verspätung in Madrid gelandet, war nun die Frage: Würde der Anschlussflug warten? Kämen wir überhaupt rechtzeitig dorthin (Madrid Barajas ist ja ziemlich groß..)? Was wenn nicht?

Die Anworten auf die Fragen waren nein, nein und nichts schlimmes, respektive. Mit glatten 15 Minuten Zeit zum Umsteigen hielt ich es noch für eine Gute Idee, zu versuchen den Flieger trotzdem zu erwischen, einfach um sagen zu können, dass ich es probiert hatte.

Allerdings hatte ich die Laufzeiten am Flughafen unterschätzt – wenn eine Tafel sagt, man braucht zum nächsten Terminal 25 Minuten, dann braucht man die tatsächlich (wer hätte das gedacht?). Jedenfalls kam ich zusammen mit einer anderen Mitreisenden, einer Dame aus Santiago um genau 00:11 am Terminal an. Flug war weg, kein Problem, immerhin zahlten sie uns die Unterkunft um auf den Anschluss zu warten. Am nächsten Tag. Um die gleiche Zeit. Madrid soll ja schön sein im Sommer.

Nach einem Shuttle zum Hotel und einem kurzen Einchecken, inklusive Fresspaket ging es dann ins Bett, denn morgen um 12 ging der Shuttle zum Flughafen zurück. Für die die Aufgepasst haben: das heißt 12 Stunden am Flughafen warten…

 

Was bisher geschah – Die Reise, Teil 1

Meine Reise nach Chile begann stürmisch: Nach fünfstündiger Fahrt zum Flughafen Wien wurde dort durchgesagt, dass unser Flieger wohl mit einer Stunde Verspätung starten würde. Soweit eigentlich kein Problem, bis auf die kleine Komplikation, dass die Umstiegszeit in Madrid ohnehin schon recht knapp bemessen war.

Naja, wird schon werden, dachte ich und kaufte mir eine Zeitschrift um die Zeit zu vertreiben. Immerhin hatte die nette Dame mich am Schalter auf einen etwas späteren Weiterflug umgebucht: Statt um 23:55 um 00:10. Tja.

Mit knapp 1,5 Stunden Verspätung startete der Flieger dann auch. Ich versuchte, mit einigem Erfolg, die Zeitschriften der Iberia Airlines zu entziffern, während sich neben mir zwei Business-Menschen aus Wien lautstark über best practices, innovative Managementmethoden und ähnliche Fachbegriffe unterhielten. Eine Stunde lang (Offenbar wollte der eine den anderen aufgrund seiner Loyalität rekrutieren, was dieser aber nicht wollte, da er zu seinem derzeitigen Arbeitgeber loyal war – eine Zwickmühle!)

Immerhin habe ich einiges über die internen Strukturen ihrer Arbeitgeber gelernt, auch wie man am besten mit widerspenstigen Mitarbeitern umgeht, was für Programmiersprachen verwendet werden und wie hoch der Turnover bei Mittelmanagern der Bawag ist – ein interessanter Flug also!

Nach einiger Zeit kamen wir dann auch dem Umstiegsplatz Madrid immer näher, und ich fragte mich langsam, ob wir (Ich und offenbar auch einige andere Reisende) den Anschlussflug noch erreichen würden oder nicht. Doch mehr dazu im nächsten Eintrag.

Titelbild: Das letzte Foto vor meinem Flug – Im Pub mit Freunden

Mein erster Blogpost

So, jetzt ist es soweit, ich habe meinen eigenen Blog.

Der Content wird sich erstmal hauptsächlich über meinen Aufenthalt in Temuco, Chile drehen um Freunde und Familie am Laufenden zu halten. Mit der Zeit werde ich idealerweise immer wieder Posts und Bilder reinstellen um ein bisschen zu dokumentieren was ich so mache.

Das Foto unten ist im Flug entstanden: Beim Anflug von Santiago, über den Anden ist nach 12-Stündigem Flug gerade die Sonne aufgegangen und hat uns gezeigt, wo wir gerade drüberfliegen; Ich selbst bin zwar nicht am Fenster gesessen, aber zwei nette Mitreisende haben für mich dieses Foto geschossen.

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Die Anden von oben – kein Alltäglicher Anblick!